Kuna Filmprojekt

Liebe Leute,
jetzt will ich mal anfangen und versuchen mir die gesamten Eindr├╝cke der letzten zwei Wochen runterzuschreiben.. ..und das sind mal wieder eine Menge.. wie immer.. ­čÖé
Diesmal allerdings ist es noch ein bisschen extremer. Wir haben n├Ąmlich mit unserem geplanten Filmprojekt voll ins Schwarze getroffen und bei den Kuna-Indianern eine extreme kulturelle Erfahrung gemacht.
Wir entspannen uns gerade in Bocas Del Toro, Panamá und reden jeden Tag über diese Erfahrungen um sie irgendwie zu verarbeiten..

Normalerweise sitze ich ja jetzt und ├╝berlege wo und wie ich anfangen soll. Irgendwie ist es immer schwierig die gesammelten Eindr├╝cke zu ordnen und zu verschriften. Es ist schlie├člich soooo viel..

Dieses mal allerdings wei├č ich aber genau wie ich anfange..┬á Nicht wie ├╝blich am ersten Reisetag, sondern vor gut vier Jahren.. Keine Angst, danach springe ich direkt hierher..;-)

Alles fing im Prinzip vor gut vier Jahren mit einer Frau an.. Nein, nicht so wie Ihr jetzt denkt..;-) Sondern mit einer ├Ąlteren Indianerdame die ich in Capurgan├í gesehen hatte.
Ich hatte dort damals meine zweite Freiwoche w├Ąhrend meines Auslandseinsatzes in Colombia verbracht.
Wer diese Berichte gelesen hatte, wei├č wie sehr mich dieser kleine Grenzort zu Panam├í beeindruckt hatte.
Joey und ich sind damals gute Freunde geworden.

Also, wir sa├čen mal bei extremer Hitze und Schw├╝le mit einem Bierchen zusammen an der Mole als mir eine extrem bunt gekleidete Frau aufgefallen ist. Sie hatte ein indigenes Aussehen und war recht klein.
Ihre Kleidung bestand aus einem bunten Wickelrock, einer bunten Bluse mit bunten aufgesetzten Stoffmustern. (die „Molas“ erkl├Ąre ich sp├Ąter nochmal)
An den Unterschenkeln und Unterarmen trug die Frau bunte Reifen. Das Gesamtbild wurde von einem bunten Kopftuch abgerundet.

Joey erkl├Ąrte mir auf Englisch: „Schau Dir mal die Dame an..! Die kommen den gesamten Weg von Armila zu Fu├č runter um hier ein paar Molas zu verkaufen“

Wie, was..?? Ich verstand erstmal gar nichts.. „Armila, Mola..“ Was ist das alles..?
„Hola Maamii..!“ rief der Joey, und die Dame kam zu uns.. gewandelt.. Das war irgendwie das beeindruckendste. Obwohl diese Dame so klein war, strahlte sie eine absolute Erhabenheit aus.. Ihre Mimik ver├Ąnderte sich nie.. Man konnte nie erahnen, was sie wohl gerade gedacht haben muss. Na vielleicht wollte ich das auch nicht..;-)

Na auf jeden Fall zeigte sie uns welche von diesen Molas. Das sind kunstvoll, aus mehreren Lagen gen├Ąhte Stofft├╝cher. Die Motive stammen aus der Natur oder Mythologie der Indianer. Ich fand diese Dinger wirklich sch├Ân und habe mir auch gleich zwei gekauft.
Ein nettes Verkaufsgespr├Ąch, ein L├Ącheln, ein freundliche Danke f├╝r das Gesch├Ąft.. NEIN.. Mit unver├Ąnderten Gesichtsausdruck ist die Dame wieder davon geschritten..

Was war das.., was habe ich falsch gemacht..?, habe ich die Dame irgendwie ver├Ąrgert..?
Nein, nein meinte Joey. Alles ok. Das ist normal.
Naja gut ok.. Aber wo kommt sie her was ist Armila?

Da hatte mir Joey alles erkl├Ąrt.
Armila ist das erste Dorf der Kuna Indianer. Circa 10 Km hinter der Grenze zu Panamá. Dort beginnt das Gebiet der Indianer und erstreckt sich über das Küstengebiet und 365 Inselchen ca. 250 Km hoch bis El Povenir.
Das Kuna-Gebiet, auch Kuna Yala genannt, steht unter autonomer Verwaltung der Kuna Indianer. Diese autonome Verwaltung wurde in einem teils blutigen Kampf mit der panamaischen Regierung gewonnen.
Der Hintergrund und die geschichtliche Entwicklung der Indianer l├Ąsst sich sehr gut auf Wikipedia nachlesen.
Ich m├Âchte daher hier nicht n├Ąher darauf eingehen und mich unseren aktuellen Trip widmen. Da werde ich schon genug zu schreiben haben..:-)

Jedenfalls war mit dieser Begegnung mein Interesse f├╝r diese Kultur geweckt. Eigenst├Ąndig lebende Indianer. Und dann in dieser fantastischen Gegend. Toll!! Da muss ich hin..

Und lag das Problem.. So einfach w├Ąre das nicht, meinte Joey. Erstmal muss man nach Panam├í. Das geht noch mit dem Boot. Von dort geht es aber in ca. zwei Stunden durch den Dschungel. Der ganze Tripp, hin und zur├╝ck dauert mindestens zwei Tage. Ich hatte nur noch zwei.. Ausserdem brauch man eine Erlaubnis der Stammesbeh├Ârde und einen lokalen Kontakt..

Ach Mist.. Aber wer mich kennt, wei├č, dass ich mich an solchen Sachen festbeissen kann..
Ich m├Âchte die ganze Vorgeschichte, die aber trotzdem wichtig ist, etwas abk├╝rzen. Vor ca. drei Jahren bin ich dann mit Leyri mal wieder in die Ecke nach Capurgan├í in Nordkolumbien getravelt. Unser Plan war folgender:
Wir verbringen ein paar nette Tage bei Joey in Capurgan├í und versuchen dann irgendeinen Bootk├Ąptn zu bekommen, der uns mit durch die San Blas Inseln nimmt. (Kuna Yala)
Joey meinte, dass ca einmal pro Woche einer Capurgan├í mit dem Segelboot in Richtung Panam├í verl├Ąsst, und Passagiere sucht, um die Kosten zu reduzieren.
Toller Plan. Ich hatte das selber mal erlebt als Joey gefragt wurde, ob er den Kunden f├╝r solch einen Boottrip h├Ątte. Das war allerdings ein Jahr sp├Ąter. Zu dieser Zeit war ich dort um mich eine Woche von meinem Renovierungsstress zu erholen..

Bei dem Trip mit dem Leyri lief es schlechter.. N├Ąmlich bei ca einmal pro Woche haben wir das „ca“ erwischt. Kein Boot, kein K├Ąptn. Also haben wir nach gut einer Woche Capurgan├í entt├Ąuscht via Puerto Obaldia nach Panam├í verlassen. Hierzu gibt┬┤s auch einen Bericht..
Also wieder keine Kuna.. Sp├Ąter erz├Ąhlte mir Joey, dass zwei Tage nachdem wir Capurgan├í verlassen hatten ein K├Ąptn eine Crew gesucht hat..
Naja, jetzt wissen wir wozu es gut war;-)

Als ich dann das letzte mal (w├Ąhrend der fucking Renovierung) dort war sprachen wir auch wieder ├╝ber die Kuna.
Nery, die Frau von Joey merkte wie wichtig mir dieses Thema war, und sagte, sie w├╝rde den Nacho kennen.
Der w├Ąre eine wichtige Person in Armila und h├Ątte sehr gute Kontakt zu dem dortigen ├ältestenrat. Den k├Ânnte man dochmal fragen..
Der Gedanke h├Ârte sich gut an. Ich WOLLTE dort unbedingt hin..

Damals wieder zu Hause sa├č ich irgendwann mal mit Kai zusammen. Das war nun vor ca. zwei Jahren. Wir sprachen ├╝ber reisen und Indianer. Kai ist ja Filmproduzent und erz├Ąhlte mir, wie stark gerne er mal eine Dokumentation ├╝ber ein Indianervolk in Lateinamerika machen w├╝rde..

TAATAAAAAAAAAA!!!!!! DIE IDEE WAR GEBOREN:-))

Ich hatte die Kontakte und das Know How f├╝r solch eine Reise und Kai war die Komponente zum Filmprojekt.
Jetzt musste das nur noch organisiert werden.. Und das war schwierig. Zuerst kontaktierte ich Nery. Skype sei dank!!
Der schwierigste Punkt war allerdings den Kontakt zu Nacho herzustellen. In Armila gibt es kein Strom..
Irgendwann nach zahlreichen versuchen konnte ich dann mal seinen Sohn Naky in Panamá Stadt kontaktieren.. Er versprach mir, unser Anliegen an seinen Vater weiterzuleiten.
Alles sehr sehr sehr sehr schwierig. Es folgten noch zahlreiche Mails, Anfragen und Telefonate mit Nery meinerseits.
Schlie├člich, nach ca. eineinhalb Jahren waren wir dann soweit, dass wir das OK und einen recht konkreten Zeitrahmen f├╝r unser Projekt hatten. Wir waren begeistert.
Alle Vorzeichen standen gut. Jetzt hie├č es Daumen dr├╝cken und die Reise organisieren. Schlie├člich wei├č ich, dass bei einem solchen Projekt in dieser Gegend noch einiges in die Hose gehen kann..

Bei der Vorbereitung hat uns der Bruder von Kai, Daniel, auch sehr viel geholfen. Unter anderem hat er ein Schreiben für die Botschaften in Bogotá und Panamá aufgesetzt.
Die Botschaft in Bogot├í hat zwar auch sehr schnell und freundlich geantwortet, uns aber leider keine Unterst├╝tzung f├╝r unser Projekt zugesagt. Vielmehr hat man uns darauf hingewiesen, dass es vom Ausw├Ąrtigen Amt eine Reisewarnung f├╝r dieses Gebiet gibt..
Ich weiss.. hab ich mir gedacht. Ich kannte aber auch leider niemanden mehr in der Botschaft dort.. Egal, es sollte auch so gehen. Schlie├člich kannte ich dort gen├╝gend Leute und war auch schon paarmal dort.:-)

Am Mittwoch den 5. November gings dann los nach Bogotá. Dort sind wir umgestiegen und direkt weiter nach Medellin geflogen.
Ich war begeistert, wie gut das an dem neu umgebauten El Dorado Flughafen in Bogotá lief. Früher musste man mit dem Taxi noch das Terminal wechseln.
Alles super. Und als Standby-Flieger ist es eh absolut dankbar mit Avianca zu fliegen.. Bravo. Die mag ich:-)
In Medellin angekommen haben wir zwei Tage lang erstmal noch einige Sachen geregelt und uns die Fl├╝ge nach Acand├ş gekauft.
ADA operiert von Medellin aus und fliegt mit kleinen Propellerfliegern zahlreiche Ziele in Kolumbien an, zu denen man sonst nur sehr schwer hinkommt.
Leider fliegt ADA Capurgan├í nicht mehr direkt an. Die Firma verf├╝gt nicht mehr ├╝ber den Buschflieger vom Typ Twinotter mit denen ich sonst dort hingeflogen bin. Die der Firma verbliebenen Propellermaschinen k├Ânnen auf der kurzen Schotterpiste in Capurgan├í nicht landen. Also ab in das, von Capurgan├í ca 20 Km entfernte Acand├ş.

In Acand├ş schlie├člich ging┬┤s dann mit einer Kutsche (auch in Acand├ş gibt es keine Autos) zur Mole. Dort hatten wir noch ca. 3 Stunden Zeit bis uns das Boot nach Capurgan├í bringen sollte.
Da es so hei├č und extrem schw├╝l war, hatten wir uns entschlossen erstmal ein k├╝hles Bierchen zu trinken ­čÖé ..und ich war irgendwie wieder soooo happy in dieser Gegend zu sein. F├╝r unser gesamtes Projekt hat sich ein super Gef├╝hl eingestellt.

Am Mittag ging´s dann los. Mit dem Boot nach Capurganá. Hahaaaaa, :-)) und endlich wieder da. Mein fünftes mal.. Und sicherlich nicht das letzte mal..

Ich habe kurz Joey angerufen und uns zwei Bierchen besorgt um die Wartezeit zu ├╝berbr├╝cken bis er schlie├člich strahlend mit seiner Kutsche und seinem geliebten Pferd „Che“ um die Ecke gebogen kam. Nat├╝rlich gab┬┤s auch noch ein Begr├╝├čungsbierchen. ­čÖé Jaja, ich wei├č.. Aber uns standen auch noch wirklich arbeitsreiche Tage bevor..

├ťber die folgenden drei Tage gibt┬┤s eigentlich nichts neues zu berichten. Wer die Blog-Eintr├Ąge ├╝ber die letzten Reisen nach Capurgan├í gelesen hat, d├╝rfte im Bilde sein, was dies f├╝r eine tolle Gegend ist, und warum ich so begeistert davon bin..
Wir genossen den Dschungel, den Strand, das leckere Essen von Nery und besprachen unser Vorhaben f├╝r die n├Ąchsten zwei Wochen.. Das ein oder andere kalte Bierchen gab┬┤s auch.. ­čśë
Einmal hatte es die gesamte Nacht so stark geregnet, dass der Fluss auf ein vielfaches angestiegen war.. Da war kein r├╝berkommen. D.h. ins das nahegelegene Dorf war f├╝r uns abgeschnitten. Irgendwie stark zu erfahren wie die Natur den dortigen Tagesablauf bestimmt.. Man geht n├Ąmlich ausserdem nach Einbruch der Dunkelheit uns Bett, und steht mit Sonnenaufgang wieder auf. Da wird man von den Papageien geweckt.
Dieser Rhythmus kam unserem Jetlag noch sehr entgegen.
Sonst versuchten wir uns die folgenden drei Tage einfach zu klimatisieren.
Einen Ausflug machten wir aber noch nach Panamá. Diesen kurzen Trip wollte ich Kai nicht vorenthalten.
Man f├Ąhrt mit dem Boot in das nahegelegen Sapzurro. Dies ist der letzte Ort vor der Grenze zu Panam├í.
Von dort l├Ąuft man ├╝ber einen kleinen Berg, passiert den Grenzposten und geht auf der anderen Seite wieder hinunter. Man ist in Panam├í.
Dort, nahe dem kleinen ├ľrtchen La Miel befindet sich ein wundersch├Âner Strand. Ideal um mal die Seele baumeln zu lassen.

Leider waren die drei Tage viel zu schnell rum, und unser Aufbruch nach Panamá zu den Kuna stand bevor.

Sooo viel habe ich schon geschrieben.. Das hat aber alles irgendwie dazu geh├Ârt.
Unsere eigentliche Geschichte und eine Zeit mit einigen der hammerhaftesten Eindr├╝cken w├Ąhrend meiner Reisen beginnt erst jetzt..

..MIT UNSERER REISE ZU DEN KUNA INDIANERN..

Sehr fr├╝h am Montagmorgen ging es los.
Mit einer Kutsche sind wir zur Mole gefahren. Ein Gl├╝ck hatte sich der Regen gelegt, und wir konnten den Fluss wieder passieren.
Nery sollte uns als lokale Unterst├╝tzung begleiten. Ohne ihre Hilfe w├Ąre dies alles nie m├Âglich gewesen. Ich bin ihr hierf├╝r so unglaublich dankbar.
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht wie alles funktionieren sollte. Ich mein, ich wusste, dass Nacho wusste, dass wir irgendwann in diesen Tagen kommen wollen. Aber wann genau, und wie.. und ├╝berhaupt. Wie treffen wir ihn. Was k├Ânnen wir alles machen..?? Viele unbeantwortete Fragen.. Schlie├člich kommt man mit ihm nicht so einfach in Kontakt..

Dann war da noch die Einreise in Puerto Obaldia die bevorstand. Wir hatten uns am Vortag schon den Ausreisestempel in Capuran├í geholt. Wir mussten also heute das Land verlassen, und waren in Panam├í erst wieder legal, wenn wir unseren Einreisestempel bekommen h├Ątten.
Und ich kannte diesen Ort Puerto Obaldia.. Nach La Miel der erste Ort in Panamá der die offizielle Einreise erfordert. Ich war ja schon dort. Und hatte keine Lust.. Gar keine..
Puerto Obaldia ist eines von diesen abgefuckten Grenznestern in denen man sich nur die n├Âtigste Zeit aufhalten will. Dort gibt┬┤s nichts Sch├Ânes. Man reist halt nur weiter.. Und auch das gestaltet sich nicht immer als einfach.. Eigentlich nie..
Ich d├╝rfte es bereits in anderen Berichten erkl├Ąrt haben.. Aber es ist glaube ich auch bekannt.. In Kolumbien gibt es Kokain.. Und das will von Menschen ├╝ber die Grenze gebracht werden.. Weil dort gaaaaaaanz viele Menschen sind, die sich freuen wenn sie es haben..
Diese Ecke, in der wir uns befanden ist einer der Hauptschmuggelrouten aus dem Land.. Eigentlich dreht sich fast alles in dieser Gegend darum.
Deshalb sollte man dort auch die Augen und Ohren offen haben. Einen guten gesunden Menschenverstand besitzen, und, am wichtigsten, ein paar gute und vertrauensw├╝rdige Kontakte haben, die einem erkl├Ąren was man so macht, und was besser nicht.

In Puerto Obaldia gilt man erstmal als potentieller Schmuggler bis man komplett durchsuchte wurde und nichts gefunden wurde. Aber auch dann sind die Beh├Ârde (ich nenne sie mal so) nicht mit Freundlichkeit gesegnet.
Auf eines muss man sich dort eigentlich immer einstellen.. Man wird immer und ├╝berall kontrolliert und durchsucht. Und es macht sich auch keiner der Beamten dort die M├╝he dass er verstanden wird.. Das liegt an einem selbst..
So, wer sich demn├Ąchst ├╝ber unsere Polizei beschwert, reist bitte mal ├╝ber Puerto Obaldia von Colombia nach Panam├í ein.. ­čśë Nur am Rande..:-)

Naja, als dann alles durchsucht war, und wir weiter zur Einreise sind war aber immer noch keine Spur von Nacho.. Der sollte uns im besten Fall abholen.. Na gut, erstmal zur Einreise..
Nery hat diesen Menschen erkl├Ąrt warum wir dort sind, und was wir vorhaben..
„Nein, nein!! Daf├╝r gibt┬┤s keinen Einreisestempel. Nur nach Armila. Das ist Kuna Gebiet. Daf├╝r brauch man keinen Einreisestempel.“
Aber wir wollen von dort weiter in den Nordosten. Und wir sind schon aus Colombia offiziell ausgereist.. erkl├Ąre ich dem Beamten.. Es ist br├╝tend heiss und schw├╝l.. Ich habe Durst, bin genervt und m├╝de.. Es rauscht.. „Nein, nein..!! Gibt es nicht..“ es wurde lauter.. „Me entienes..!!?“ „Verstehst Du mich..!!? Gibt es nicht!!“ flaumt mich der Beamte an.. Ich muss aus dem B├╝ro..
Nery ist alles furchtbar unangenehm. Sie f├╝hlt sich f├╝r uns verantwortlich und erkl├Ąrt dem Beamten nochmal alles.. Nichts.. Ich bin total genervt. Kai wird ruhig.. Bislang illegal in Panam├í. Und das in Puerto Obaldia..
Was machen wir..? Nery will kurz los und versuchen Nacho irgendwie zu erreichen.. Kai und ich warten. Es ist zu hei├č um sich zu bewegen.
Zwei Stunden sp├Ąter bereue ich diese Enttscheidung.. Weil ich Nery in diesem Nest nicht finden kann. Ich unterhalte mich mit ein paar anderen Rucksacktouristen.
Ja, die nehmen ein Boot nach Carti. Das ist der letzte Ort im Kunagebiet. Ca 250 Km entfernt. Von dort kann man weiter reisen..Die kleinen Buschflieger dorthin sind die gesamte Woche ausgebucht.. Meine Laune wird nicht besser..
In solchen Situationen beschlie├če ich normalerweise erstmal mich irgendwo hinzusetzen und ein kaltes Bier zu trinken.
Hey, das sieht hier aus wie eine Bar. Irgendwie.. Ich gehe rein und frage nach zwei Bieren.. Wenn man in solchen miesen Nestern eines erwarten kann, dann dass jemand mit dem Verkauf von irgendetwas Geld verdienen will. Also sch├Ątze ich meine Chance auf ein kaltes Bier ziemlich gut..
„Nein, .. wir haben hier kein Bier..!!“ Alles andere als freundlich.. Ich stehe neben der Toilettent├╝r.. Ob ich denn mal auf Toilette d├╝rfte.. „Nein,.. es gibt hier keine Toilette!!“ .. werde ich angeschnauzt.. Mir reicht┬┤s. Ich mach mir ernsthafte Gedanken von hier zu verschwinden.. Zur├╝ck nach Colombia..!? Wir sind bereits ausgereist.. Was soll ich dem Beamten von der Einreise mit dem Ausreisestempel erz├Ąhlen..?? „Ne ne Ihr doofen Touristen.. is klar.. mal eben zum schmuggeln dr├╝ben gewesen..!?“ Alles scheisse..!! Und von Nery keine Spur..
Niedergeschlagen sitzen wir in br├╝tender Hitze und Schw├╝le am Stra├čenrand..

Dann h├Âre ich von hinten entfernt ├╝ber die Stra├če.. ! „Maaaaskiiiii..!!!!, Maaaskiiiii..!!!, Maaaskiii..“ Ich..? Ja, ich sehe Nery angelaufen kommen und mit dem Armen winken. Sie strahlt.. In Begleitung hat sie zwei Personen. Dunkel, Indianer.. Beide gehen mir ca. bis zur Schulter.. Freudig werden mir bekannt gemacht.
Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Geschichte ein Wende.. Die Kuna nehmen sich unserer an.. Ich habe gerade G├Ąnsehaut beim schreiben..
Jesus spricht spanisch und erkl├Ąrt mir strahlend, dass er mit Nacho zusammenarbeitet. Er war gerade zuf├Ąllig in Carpurgan├í und hatte eine Nachricht von Nery gelesen.. Nur deshalb ist er nach Puerto Obaldia gekommen.. Man hatte uns vor einigen Tagen schon erwartet.. Erwartet!? Jaja, Nacho wisse bescheid.. Wir sollten uns um nichts Gedanken machen.. Aber die Einreise..? Der Stempel..? Unser Plan weiter zu reisen..? Diese Beamten..!!??
Alles kein Problem..!! Wir sollten ihm unsere P├Ąsse geben und schonmal zu Boot gehen. Er regelt alles und kommt gleich zu uns..
Und tats├Ąchlich. Kurze Zeit sp├Ąter sitzen wir im Boot auf dem Weg nach Kuna Yala. Die P├Ąsse bereits mit Einreisestempel versehen. Alles geregelt.. Wir sind jetzt in ihrem Gebiet.. Und wir sind richtig happy:-))

Wir erreichen Armila. Das Meer ist extrem wellig und wir sitzen in einem kleinem Boot. Eine Mole gibt es nicht. Nur Strand. Wie will der das machen..? Und schon zeigt er┬┤s uns..
Er stellt das Boot gerade zu den Wellen.. Wartet mit dem Motor im Standgas.. Wartet.. Wartet.. Dann Vollgas. Wir schie├čen auf einer Welle in ruhigeres Gew├Ąsser. Hier stellt er das Boot quer zu den jetzt kleineren Wellen und f├Ąhrt ein kleines St├╝ck parallel zum Strand bis wir eine Flussm├╝ndung erreicht haben. Das Boot hat keinen Tropfen Wasser reingelassen. Der hat das schonmal gemacht..;-)
An der Flussm├╝ndung erwartet uns eine Szenerie wie aus einem Film.. Kleine Kinder toben am Wasser, schlagen Saltos und lachen vergn├╝gt herum. Als sie sehen wer dort im Boot sitzt schauen sie etwas sch├╝chtern aber gespannt zu uns r├╝ber.
Etwas weiter im Hintergrund steht ein Mann und schaut ebenfalls erwartungsvoll zu uns her├╝ber.
„Maski, mira..! Nacho!! ..erkl├Ąrt mir Nery mit einem Strahlen auf dem Gesicht..

Endlich.. Denke ich.. NACHO.. ├ťber eineinhalb Jahre um mit dieser Person in Kontakt zu kommen..

..und jetzt steht er da am Ufer und erwartet uns.. es wird immer besser..

 

Wir landen an, und die gewohnt gute Organisation geht weiter. Bevor wir uns um unser Gep├Ąck k├╝mmern k├Ânnen liegt es schon am Strand..

Nacho begr├╝├čt uns h├Âflich. Aber ich sehe leichtes Unbehagen auf seinem Gesicht.. Und er kommt auch direkt zum Punkt.. ├ťbrigens eine Art die ich an ihm noch sehr zu sch├Ątzen lerne..

Er hat uns fr├╝her erwartet. Er wollte uns fr├╝her bei unserer Anreise unterst├╝tzen.. Aber es ist ja kein Kontakt zustande gekommen.. Das war ihm unangenehm. Ich erkl├Ąre ihm, dass ich seinem Sohn in Panam├í-Stadt zuletzt noch mehrfach geschrieben hatte. Diese Mailadresse wird wohl nicht so oft gecheckt.. Naja, wir sehen es entspannt und schauen nach vorne..

Unser Gep├Ąck wird transportiert. Das ist uns unangenehm.. Schlie├člich sind die alle viel kleiner als wir.. Und wir haben viel Gep├Ąck. Die gesamte Filmausr├╝stung wiegt auch einiges. Aber wir sind G├Ąste..

Aber auch so haben wir zu tun.. Als erstes die Hitze und Schwüle. Noch extremer als in Capurganá.. Man ist sofort nass geschwitzt.

Wir bewegen uns ├╝ber den K├╝stenstreifen auf das Dorf zu und man f├╝hlt sich in eine andere Zeit katapultiert.

Aus der Entfernung sehen wir nur Bambush├Ąuser mit Palmblatt-Dach. Hier und da steigen schwer und tr├Ąge Rauchs├Ąulen von Feuern in die Luft und bilden eine d├╝nne Nebelschicht ├╝ber dem Dorf.

Man h├Ârt die Stimmen der Menschen in dem Dorf. Am Fluss toben wieder die Kinder. Untermalt wird die Ger├Ąuschkulisse von den Stimmen der Tiere im Dschungel. Wir merken.. wir sind total raus.. Und mir wird das erste mal so richtig bewusst, dass uns auch einiges an Arbeit erwartet.. Man stellt sicherlich Erwartungen an uns.. Man wird eine Menge Fragen haben.. Wir haben Verantwortung.. Wir sind sehr gespannt.. Dann dieses andere Gef├╝hl, welches jeder kennt. Man ist irgendwo neu. Man ist fremd und anders. Man wird beobachtet. Wie verh├Ąlt man sich am besten..? Man will ja keine Fehler machen.. Irgendwann habe ich mir angew├Âhnt dieses Gef├╝hl offen anzugehen. Es ist schlie├člich v├Âllig normal irgendwo fremd zu sein.. Schlie├člich ist das jeder irgendwie. Die Frage ist nur wo..

Und mit dieser Art finden wir in Nacho den perfekten Begleiter. Noch auf dem Weg spricht er diese Sache an.. Wir unterhalten uns auf Spanisch.. Ich bin froh dass ich es noch nicht verlernt habe. Denn ohne w├Ąre dies alles nicht m├Âglich gewesen..

Er sagt dass wir erstmal ins Dorf gehen und uns bei einer Empfangskokosnuss ├╝ber unser Projekt unterhalten und wie alles laufen soll. Ich merke er hat bereits eine Menge Ideen im Kopf und hat sich auf unser Eintreffen vorbereitet.

 

Wir gehen durch das Dorf Armila und sind beeindruckt. Der Ort besteht fast ausschlie├člich aus Bambush├╝tten. Vereinzelt stehen dazwischen gro├če Bambush├Ąuser. Die sind f├╝r die Versammlungen, erkl├Ąrt man mir. Eine wichtige Sache auf die ich sp├Ąter nochmal eingehen werde. Hier und da steht ein kleines Steinhaus. Diese H├Ąuser dienen meist einem anderen ├Âffentlichen Zweck. Eine Schule oder ein kleiner „Supermarkt“ z.B.

Der gesamte Ort wird von winzigen Staubstra├čen durchzogen. Diese Stra├čen sind aber aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und des vielen Regens aber eher immer feucht. Wir m├╝ssen uns oft ducken, um mit den K├Âpfen nicht an den Palmblattd├Ąchern h├Ąngen zu bleiben. Vereinzelt gelingt uns ein kurzer Blick in die ein oder andere H├╝tte. Dunkel sind sie. In manchen H├╝tten brennt ein kleines Feuer ├╝ber dem ein Kochtopf h├Ąngt. In anderen H├╝tten sehen wir Frauen bei dem Fertigen der bekannten Molas..

Ich habe Schwierigkeiten die neuen und fremden Eindr├╝cke aus einer anderen Zeit so schnell zu verarbeiten..

Nicht weniger neugierig werden wir von den Einheimischen angeschaut. So Leute wie uns sieht ma hier nicht so oft.

Ich beobachte Nery, sie schlendert sehr entspannt neben uns her. Ich merke dass sie sich freut hier zu sein. Sie erz├Ąhlte mir schon wie sehr sie diesen Ort liebt.

Unsere Kameras sind noch weggepackt. Und das ist gut so. Im Vorfeld habe ich schon gelesen, dass sich die Kuna grunds├Ątzlich nicht gerne Fotografieren lassen. Ein komplexes Thema zu dem ich sp├Ąter noch etwas sage. Schlie├člich sollte es unsere Arbeit werden..

 

Wir sind froh, als wir bei einer kleinen Terrasse vor einem Steinhaus ankommen. Noch gl├╝cklicher sind wir, als wir merken dass sich in dem Steinhaus ein -ich nenne es mal so- kleiner Supermarkt befindet. Denn wir haben Durst und sind ersch├Âpft. Wir sind extrem fr├╝h aufgestanden. Dann Puerto Obaldia.. Nerv. Und nicht zuletzt diese Hitze und Schw├╝le. Ich mag das ja eigentlich. F├╝hl mich wohl. Aber dort ist es auch mir etwas zu extrem.. Kai merke ich an, dass es auch ihm ordentlich zusetzt.

Aber wir m├╝ssen uns konzentrieren. Nacho bringt uns eine leckere Kokosnuss als Begr├╝├čungsgetr├Ąnk. Dann sagt er, dass wir ├╝ber alles sprechen werden. Wir sollen aber erstmal ankommen und uns nicht stressen. Ha, leicht gesagt. Wir sind v├Âllig fertig. Und ich merke, dass ihm viele Themen unter den N├Ągeln brennen..

 

Dann geht┬┤s los. Wir unterhalten uns ├╝ber unser Konzept.. Ein Filmkonzept.. Also mein t├Ągliches Gesch├Ąft so zu sagen.. ­čśë Kai..!! Schie├č los..! Wir sprechen dar├╝ber.. Ich ├╝bersetzte.. Es ist anstrengend.. Ich muss mich konzentrieren.. Neue Themen. Nacho h├Ârt geduldig und gespannt zu. Auch er hat Vorstellungen und Ideen. Und pl├Âtzlich fangen wir an uns zu erg├Ąnzen.. Ich bin begeistert und es kommen st├Ąndig neue Ideen. Auch ich bekomme eine bessere Vorstellung von allem.

Nacho erkl├Ąrt uns dass wir Gl├╝ck haben. Im Dorf Armila findet zur Zeit ein Treffen vieler wichtiger „Seylas“ statt. Ein „Seyla“ ist so etwas wie der Stammes├Ąlteste eines Bezirkes. Sie treffen so zu sagen die Entscheidungen und haben starken Einfluss auf alle m├Âglichen Bereiche wie Politik, Bildung und sonstige Belange die das Leben der Kuna betreffen.

Nacho plant Interviews zu verschiedenen Themen. Nat├╝rlich muss er daf├╝r erst das Einverst├Ąndnis der Seylas einholen.

Wir merken, dass wir gepr├╝ft werden.. Wie sind wir drauf. Was ist das f├╝r ein Projekt. Was ist unsere Zielrichtung..? Dieser Pr├╝fprozess sollte uns noch einige Tage begleiten..

Interviews.. ok. Aber wie..? Nacho erkl├Ąrt es mir. Wenn es klappt unterh├Ąlt er sich mit dem Seyla ├╝ber das jeweilige Thema auf Kuna. Der Sprache der Indianer. Mir wird er auf Spanisch ├╝bersetzen.. Puuhh. Ich bin jetzt schon v├Âllig fertig von dem Konzentrieren.. Aber nat├╝rlich freuen wir uns dar├╝ber.. schlie├člich sind wir deswegen hier..

 

Dann kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Das Filmen. Nacho erkl├Ąrt uns nochmal wie ungerne die Kuna fotografiert und gefilmt werden.. Er erkl├Ąrt uns genaue Verhaltensregeln. Er wird immer der Vermittler sein und versuchen uns so viel es geht zu erm├Âglichen.. Wie das sp├Ąter in der Praxis funktioniert beschreibe ich noch..

Er beschreibt uns wie wir filmen k├Ânnen und was. Auch wo es verboten ist.. Wunderbar. Damit k├Ânnen wir arbeiten. Wir freuen uns auf klare Ansagen und werden was dieses Thema angeht sicherer.

Nach zwei anstrengenden Stunden und zahlreichen Wasserflaschen sp├Ąter sitzen wir immernoch auf der Terrasse. Wir werden noch den ein oder anderen Personen vorgestellt. Auch Seylas sind darunter. Man erkl├Ąrt ihnen unser Vorhaben. Man ist h├Âflich aber reserviert uns gegen├╝ber. Aber das ├╝berrascht mich nicht. Man checkt uns ab und wir werden uns beweisen m├╝ssen. Ich bin mir sicher wir kriegen das hin. Irgendwie habe ich auch das Gef├╝hl dass unsere Gespr├Ąche noch ├╝ber eine h├Âfliche aber reservierte Begr├╝├čung hinausgehen werden.. ­čÖé

 

Was Nacho angeht merke ich, dass er am liebsten weiterreden w├╝rde. Er strahlt eine unglaubliche Energie aus. Er hat viele Ideen und Anliegen. M├Âchte Pl├Ąne machen und ist sehr interessiert. Aber er gibt sich M├╝he uns nicht zu ├╝berfordern.. Ich merke dass er sich selber einbremst.. Das begeistert mich. Ich bin wahnsinnig beeindruckt von dieser Person. Er will uns nicht einfach nur etwas erm├Âglichen. Das alles wird ein kultureller Austausch werden bei dem wir das Fundament legen werden, wie weit dieser Austausch reichen wird. Durch unser Projekt, unser Interesse und nicht zuletzt unserer Art mit all dem uns gebotenen umzugehen. Schnell habe ich die Gewissheit, dass er die richtige Person f├╝r dieses Projekt ist.

Ich wei├č, dass dies alles eine unglaubliche Herausforderung werden wird. Obwohl ich am liebsten einfach nur auf ein Bett fallen w├╝rde freue ich mich dar├╝ber total.. Es liegt an uns wie weit wir in diese Kultur einsteigen werden. Wie weit wir uns mit diesen Menschen austauschen werden.. TOLL :-))

 

Dann, total erledigt zeigt uns Nacho erstmal wo wir schlafen k├Ânnen. Es sind kleine Holzh├╝tten die man aufgrund der Tiere auf kurze Holzstelzen gesetzt hat. In dem Raum befinden sich lediglich zwei Betten. Es ist ok f├╝r uns.. Wir haben schlie├člich kein Hotel gebucht.. Nery erz├Ąhlt uns noch, dass die Kuna vorwiegend in H├Ąngematten schlafen. Ich ├╝berlege auch kurz, entscheide mich dann aber doch f├╝r das Bett. Man kann dort besser das Moskitonetz anbringen..

Wir versuchen unsere Sachen zu sortieren und stellen fest, dass fast alle Klamotten nass oder feucht sind. Und das sollte die n├Ąchsten Tage auch so bleiben.. Bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit bekommt man nichts trocken. Ich hatte mal mein feuchtes Handtuch zum trocknen ├╝ber ein Balkongel├Ąnder gehangen. Am Abend war es nass.. Und ja, es war ein Dach dar├╝ber..;-)

 

Also erstmal kurz sortieren. Ein vergeblicher Versuch Sachen zum trocknen aufzuh├Ąngen.. Egal. Ganz in der N├Ąhe steht ein kleines Steinh├Ąuschen in dem sich eine Toilette und eine Dusche befindet. Also halt eine Wasserleitung..

Ooohhh jaaa, erstmal abduschen. Die kleine Erfrischung tut gut, h├Ąlt aber nicht lange vor. Schon beim abtrocknen ist man wieder geschwitzt.

 

Kurze Zeit sp├Ąter sind wir wieder mit Nacho verabredet.. Er will uns dem ein oder anderen Seyla vorstellen. Es sollen auch Gespr├Ąche gef├╝hrt werden. Nur weil ich wei├č, dass dies essentiell wichtig f├╝r unser Filmprojekt ist, bringe ich die Energie daf├╝r auf. Ich bin zwar auch selber nat├╝rlich unglaublich an allem interessiert, aber eine Pause.. f├╝r den Rest des Tages.. Etwas Energie sammeln.. Ach das w├Ąre auch sch├Ân.. Aber weiter weiter.. Trotzdem freue ich mich. Nacho will uns unheimlich viel seiner Kultur n├Ąher bringen.

Ausserdem ist es ein Gl├╝cksfall, dass dieses Treffen gerade stattfindet. Wir wissen, dass wir hier den Zeitplan schlie├člich nicht bestimmen sondern nehmen was wir gerade kriege k├Ânnen. Auch wir wollen Input f├╝r unser Projekt..

Und so geht es weiter. Nachdem Kai die Filmausr├╝stung klargemacht hat, geht wieder durch das Dorf zu unserem Treffpunkt. Das erste mal mit Filmausr├╝stung. Wir gehen alleine durch das Dorf. Leichtes Unbehagen stellt sich ein.. Dann schauen schauen hinter einem Bambuszaun sch├╝chtern einige kleine dunkle Kulleraugen hervor.. Ein paar kleine Kindern schauen die fremdaussehenden Neuank├Âmmlinge etwas zur├╝ckhaltend aber neugierig an.. Was soll ich machen. Ich will sie nicht erschrecken. Also denk ich mir einfach ein bisschen rumbl├Âdeln.. Das funktioniert ..und das Eis ist gebrochen.. ­čÖé Strahlend kommen sie hinter dem Zaun hervorgeh├╝pft und rufen ÔÇ×Otto, Otto, OttoÔÇť Wie bitte..!? Wer hei├čt hier ÔÇ×OttoÔÇť..!?

Als sie dann schlie├člich auf die Kamera zeigen und weiter ÔÇ×Otto, OttoÔÇť rufen verstehe ich.. ÔÇ×FOTOÔÇť..

Sie wollen fotografiert werden.. Ich kapiere nicht.. Das kann ich doch jetzt nicht bringen.. Nach diesen Gespr├Ąchen..

Wir gehen weiter.. Aber die Bande l├Ąsst nicht locker.. ÔÇ×OTTOÔÇť!! Maaan, was soll ich tun.. ÔÇ×OTTOÔÇť!!

Also gut, ich schie├če zwei St├╝ck.. Und jetzt wird mir klar. Sie wollten sich unbedingt auf diesem Foto sehen. Als ich ihnen den Bildschirm der Kamera zeige ist das Gejubel und die Freude gro├č. Sie k├Ânnen nicht genug bekommen.. ÔÇ×Otto, Otto..ÔÇť!! geht es weiter.. Aber weil ich mir nicht am ersten Tag irgendwelchen ├ärger der ├älteren hervorrufen will beschlie├če ich die Kamera wieder wegzupacken. Die Kids nehmen es locker.

Und ich sehe es als eine der vielen Erfahrungen bez├╝glich unserer Filmerei die wir noch machen werden.

Denn mit dem Filmen verh├Ąlt es sich nicht absolut. Im Gegenteil. Ab diesem Zeitpunkt lerne ich, dass die Regeln des Fotografierens und das Filmens ganz eigenen dynamischen Prozessen und Regeln unterliegen. Ich werde noch merken, wie wichtig es f├╝r unser Projekt werden wird diesen Prozess st├Ąndig neu zu bewerten und wie wichtig auch Nacho hierf├╝r sein wird.

 

Wir schlendern weiter durch das Dorf und versuchen uns zu orientieren. Anfangs sieht f├╝r uns alles gleich aus. Eine Ansammlung von unz├Ąhligen Bambush├╝tten die von einem Wegenetz aus Staubstra├čen durchzogen werden. Aber die Orientierung gelingt uns recht gut und wir finden unseren gewohnten Treffpunkt auf der Terrasse vor dem ÔÇ×SupermarktÔÇť schnell wieder. Nacho erwartet uns bereits ungeduldig. Ich merke, dass er Pl├Ąne hat.. Es geht weiter.. weiter.. ­čśë

Auch Nery ist bereits da. Sie wirkt v├Âllig entspannt und unterh├Ąlt sich mit Nacho.

 

Nacho, fragt uns zuerst wie es uns geht. Ob uns die Unterkunft gef├Ąllt und ob wir uns schon einen ersten Eindruck von dem Dorf gemacht haben.. Ich merke, dass gleich mehr kommt..

 

ÔÇ×Entonces.., Mattiass!?ÔÇť ÔÇö ÔÇ×Also, Matthias..ÔÇť ..leitet er wieder zu unserem Projekt ├╝ber und teilt uns seine Pl├Ąne mit. Aber er fragt auch uns.. Ich sage ihm, wir w├╝rden gerne mal etwas durch das Dorf schlendern und uns noch weiter umschauen..

ÔÇ×Sehr gerneÔÇť antwortet er mir. Er h├Ątte allerdings auch schon einige Verabredungen mit weitere ├ältesten getroffen. Die m├╝ssten gleich da sein. F├╝r weitere Interviews.. Weiterhin m├Âchte er sich noch an einem direkten Interview beteiligen. Ich merke wie wichtig ihm dieses Anliegen ist und bin froh dar├╝ber. Trotzdem w├╝nsche ich mir eine kleine Auszeit. Wir sind immer noch v├Âllig fertig und die Gespr├Ąche strengen sehr an. Ich muss mich hierbei sehr auf mein Spanisch konzentrieren. Aber schnell wische ich die Gedanken an eine Pause bei Seite und bin gl├╝cklich, dass wir es in der Person von Nacho mit einer so stark interessierten, engagierten und gut strukturierten Pers├Ânlichkeit zu tun haben..

Wir planen schnell die n├Ąchsten Stunden des uns verbleibenden Nachmittags. Nacho soll mit dem Interview anfangen.. Danach sollten die ├ältesten eintreffen und die Interviews sollten mit ihnen weitergehen..

Gesagt, getan. Wir fangen an, und merken, wie so oft, dass wir die gesamte Planung ├╝ber den Haufen werfen k├Ânnen.

Zwei ├älteste treffen ein, und Nacho ├╝berl├Ąsst ihnen respektvoll den Vortritt.

 

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde beginnen die ├ältesten zu erz├Ąhlen.

 

Neben den allgemeinen Aufgaben eines ├ältesten betreut fast jeder von ihnen noch mindestens ein ÔÇ×SpezialgebietÔÇť. Unsere jetzigen beiden G├Ąste kommen aus dem Bereich der Naturmedizin.

Auf den genauen Inhalt aller Interviews kann und will ich hier nicht eingehen. Das w├╝rde zu weit f├╝hren.. Wenn unser Film mal fertig ist, wird dieser ├╝ber die unterschiedlichen Themen noch genau berichten.

 

Die ├ältesten sprechen in Kuna und ich h├Âre den ├ťbersetzungen von Nacho gespannt zu. Es ist interessant zu merken wie wichtig diesen Menschen ihre Tradition ist.

Ich bin aber auch durchaus erstaunt wie sehr sie sich f├╝r alles Neue interessieren.

 

Am meisten beeindruckt mich ihre Gespr├Ąchskultur.

Eigentlich muss ich sagen, dass dies der Punkt ist, der mich in der Gesamtheit aller Interviews am nachhaltigsten beeindruckt hat.

Es ist eine Gespr├Ąchskultur wie sie eigentlich sein sollte, aber bei uns irgendwie verloren gegangen ist, oder nur noch selten zu finden ist.

 

Wie ich es eben bereits beschrieben hatte, lie├č Nacho respektvoll den beiden ├ältesten den Vortritt. Aber auch bei den beiden Alten kam es augenscheinlich eine ganz klare Struktur. Es wurde nicht dar├╝ber gesprochen wer nun anf├Ąngt. Wie selbstverst├Ąndlich startete einer der beiden. Der andere sa├č extrem geduldig daneben und nickte gelegentlich. Und obwohl ich merken konnte, wie wichtig die Themen f├╝r diese Menschen waren die angesprochen wurden, zeigte der Erz├Ąhler keine Eile seine Worte loszuwerden. Er erkl├Ąrte vielmehr alles in ganz ruhigen Worten mit entsprechenden Pausen. Irgendwie wirkte dies alles unheimlich beruhigend. Zeit schien keine Rolle zu spielen.

Nacho h├Ârte aufmerksam zu und gab nur hier und da, wenn der Monolog etwas l├Ąnger ausfiel, ein leichtes zur├╝ckhaltendes Signal zur Pause, um ins Spanische ├╝bersetzen zu k├Ânnen.

Als der eine fertig war, begann der andere mit der gleichen Ruhe weiter zu reden. Auch ├╝ber den ein oder anderen Punkt wurde sich unterhalten.

Hierbei achtete man aber ganz sorgf├Ąltig darauf, dass man den anderen bis zum Ende ausreden lie├č. Niemand fiel irgendwem ins Wort.

Obwohl uns so viele Fragen unter den N├Ągeln brannten, und ich zu vielen Punkten am liebsten sofort nachgehackt h├Ątte, machte ich mir Notizen w├Ąhrend der Gespr├Ąche. Ich wollte, wenn ich nach Nachos ├ťbersetzung zu Wort kommen sollte, nichts von meinen Gedanken vergessen haben.

Hier und da merkte Nacho wie ich Luft holte, um zu einer Frage anzusetzen w├Ąhrend er am sprechen war. Sofort unterbrach er seine ├ťbersetzung und signalisierte mir mit meiner Frage fortzufahren. Mir war das anfangs unangenehm weil es so gar nicht dem entsprach was ich bisher mitbekommen hatte. Aber Nacho signalisiert mir, dass w├Ąre schon ok. Schlie├člich wollen wir uns austauschen und ich sollte meine Fragen loswerden.

 

Nur ├╝ber eine Diskussion so viel schreiben.. Ihr merkt wie zentral diese Interviews f├╝r uns waren.

Und ich bin noch nicht fertig.. ­čśë

 

Ein weiterer Punkt neben der Art und Weise der Gespr├Ąchsf├╝hrung, der mich beeindruckte, war die Analyse aller Fakten.

Nachdem alle Personen ihre Meinungen, Erfahrungen und Aspekte zu verschiedenen Themen dargelegt hatten, wurden diese analysiert.

Auch unsere Meinung erschien hier wichtig.

Mich beeindruckte es unheimlich, wie analytisch die Indianer vorgingen. Es wurden alle Aspekte der verschiedensten Themen betrachtet. Positive wie Negative. Ich fand es interessant, wie klar auch die negativen Seiten betrachtet wurden.

Sehr wohl sind die Indianer sich z.B. ├╝ber den Konflikt ├╝ber Tradition und Moderne bewusst. Da wird aber nicht gesagt ÔÇ×Fr├╝her, da war alles besser..ÔÇť Nein, die Indianer wissen sehr genau, dass das festhalten an ihren Traditionen auch Probleme mit sich bringt. Die Jungen haben oft kein Interesse an dem Stammesleben. Aber dies wird hier verstanden. Eine gute Ausbildung in Panam├í-Stadt z.B. ist wichtig. Bildung generell ist wichtig. Und zwar nicht nur die alte traditionelle Schule wie etwa die Naturmedizin..

Haben die J├╝ngeren aber erst eine Ausbildung in der Zivilisation gemacht, gibt es f├╝r solch eine Ausbildung oft keine Verwendung in den D├Ârfern. Daher fehlt den Jungen oft das Interesse wieder zur├╝ckzukommen.

Hier bleibt die Tradition auf der Strecke.

Sehr wohl ist den Indianern aber auch bewusst, dass es schlecht w├Ąre sich vor den M├Âglichkeiten der Zivilisation zu verschlie├čen..

Der zentrale Punkt all dieser Gespr├Ąche l├Ąuft darauf hinaus, wie man die Moderne, die Zivilisation und den Tourismus mit der Tradition der Indianer verbinden kann..

Den Indianern ist bewusst, dass eine v├Âllige Abschottung ihrer Kultur zwangsl├Ąufig zu deren Untergang f├╝hren wird.. Sie w├╝rde im wahrsten Sinne des Wortes aussterben..

Die absolute ├ľffnung gegen├╝ber dem Tourismus und der schnelllebigen und modernen Welt w├╝rde die Kultur noch viel schneller zerst├Âren..

Es erstaunte mich unglaublich, wie sehr genau die Indianer sich all dieser Problematik bewusst waren und wie analytisch und faktisch diese Themen angegangen wurden.

Da uns unser Besuch bei den Kuna in noch andere Ecken f├╝hren sollte konnte ich auch Stellen sehen die sich dem Tourismus schneller ├Âffneten.

Wir konnten auf unserer Reise viele Facetten kennenlernen.

Hier waren wir in einer Ecke, in die es fast keinen Nicht-Indianer verschl├Ągt. Geschweige denn einen Touristen..

Wir sollten aber auch andere Ecken kennenlernen. Aber auch die Ecke an der wir uns jetzt befanden hatte bereits mit Problemen der schnell wachsenden Zivilisation zu k├Ąmpfen. Darauf gehe ich aber noch sp├Ąter ein.

 

Zu dem gesamten Thema m├Âchte ich nur sagen, dass auch jetzt, wo ich schon wieder ein paar Tage zu Hause bin, mich dieses nicht mehr losl├Ąsst.. Wir haben so extreme Erfahrungen gesammelt. Eine unglaubliche Kultur kennengelernt. Wir haben viele tolle Eindr├╝cke gesammelt aber auch ├╝ber Probleme diskutiert.

Der letzte Punkt, den Erhalt dieser Kultur, sich dabei aber nicht v├Âllig der Entwicklung der Zivilisation zu entziehen, l├Ąsst mich nicht mehr los. In den folgenden Tagen habe ich sehr viel mit Nacho ├╝ber dieses Thema gesprochen, welches auch mir so ans Herz gewachsen ist, dass ich mich zuk├╝nftig zu diesem Punkt weiter engagieren will. Aber das steht auf einem anderen Blatt..;-)

 

Hier mache ich erstmal einen kurzen Break..

Aber es gibt noch sehr viel mehr zu erz├Ąhlen.. ­čÖé

..

..und immer noch sind wir beim ersten Tag zusammen mit den Indianern..

 

Unsere Interviews neigen sich dem Ende und wir sind jetzt schon, nach nur wenigen Stunden in Armila, um so viel Erfahrungen und Eindr├╝cke reicher.

Aber es ist sp├Ąt am Nachmittag und bald wird es dunkel.. Wir beschlie├čen das Interview mit Nacho auf den n├Ąchsten Tag zu verschieben. Schlie├člich wollen wir unbedingt noch etwas durch das Dorf schlendern..

Wir sind schon sehr gespannt was uns erwartet und hoffen hier und da schon ein bisschen filmen zu k├Ânnen.

Nacho freut sich uns durch den Ort zu f├╝hren und uns einigen Leuten vorzustellen. F├╝r den n├Ąchsten Tag plant er weitere Interviews einiger ├ältesten. Ich merke wie er darauf brennt uns die Kultur, die Gedanken und Themen der Kuna n├Ąher zu bringen und freue mich dar├╝ber.

 

Aber bevor es los geht, erkl├Ąrt uns Nacho noch etwas. Er startet mit den Worten: ÔÇ×Mattiass, escuchame bien..!!ÔÇť ÔÇö ÔÇ×Matthias, h├Âr genau zu..!ÔÇť Worte die ich noch ├Âfter aus seinem Mund h├Âren sollte. Aber nicht auf eine drohende Art und Weise.. Sondern auf einer Art und Weise, die sich dar├╝ber Gedanken macht wie wir uns selber im Interesse unseres Projektes am besten verhalten sollten.

Auch dar├╝ber freue ich mich. Denn mit klaren Anweisungen und Vorstellungen k├Ânnen wir gut arbeiten..

 

Nacho erkl├Ąrt uns nochmal wie wir am besten filmen.. Er ger├Ąt uns dabei auch den ein oder anderen Trick und ich merke, dass er im Interesse m├Âglichst vieler interessanter Aufnahmen denkt, dabei aber niemals irgendwem auf die F├╝├če treten will. Toll. Wir kennen diesen Menschen erst seit ein paar Stunden und f├╝hlen uns in seiner Anwesenheit extrem wohl. Wir wissen, dass wir neben Nery den besten Kontakt f├╝r unsere Reise gefunden haben..:-)

 

Und dann geht┬┤s los..

Wir schlendern durch das Dorf und k├Ânnen einige Aufnahmen von dem Dorf machen.. Allerdings merken wir, dass uns die Leute im Dorf ausweichen als sie die Kamera sehen. Wir werden misstrauisch aber neugierig betrachtet. Haben wir die Kamera in der Hand, ziehen sich die Leute dezent zur├╝ck.. Wir sind noch neu. Aber irgendwie vertraue ich darauf, dass sich das alles noch ├Ąndern wird wenn wir uns selber mehr Zeit geben.. Ich bin mir da sogar ziemlich sicher und freue mich. Schlie├člich wollten wir nichts Inszeniertes..

Als k├Ânnte Nacho meine Gedanken lesen sagt er uns dass wir uns nur gedulden sollen. Die Leute m├╝ssten sich erst an uns gew├Âhnen.. ­čÖé

Er schl├Ągt vor runter zur Flussm├╝ndung zu gehen. Dort w├Ąre es jetzt, kurz vor Sonnenuntergang und bei Sonnenaufgang am sch├Ânsten.. Sofort plante er auch am Folgetag zu Sonnenaufgang dort mit uns zu schauen.. Sonnenaufgang..!!?? Ich wei├č, dass das noch kurz vor 6 Uhr am Morgen ist.. Ohweh.. Naja gut ok, arbeiten..;-) ..Und wieder dieses Gef├╝hl wenn Nacho etwas plant.. Dieses Gef├╝hl zwischen ÔÇ×PuuhhhÔÇť und ÔÇ×JuuhuuÔÇť ­čÖé

Wir sind schlie├člich total fertig, freuen uns aber ├╝ber die Ideen, Gedanken und Vorschl├Ąge von Nacho. Es z├Ąhlt schlie├člich jetzt.. Also weiter..

 

Und tats├Ąchlich, wir kommen zum Strand und die gesamte Szenerie, die wir am sp├Ąten Vormittag vorgefunden haben liegt in einem tollen Licht der untergehenden Sonne.

Vereinzelt kommt noch ein Fischer mit seinem Kanu ├╝ber den Fluss zum Dorf gepaddelt. Andere sortieren ihre Fischernetze, bringen Kanus auf das Land und tragen Sachen in Richtung Dorf..

Im Dorf gelingt es uns noch ein paar Szenen in der Abendstimmung einzufangen und irgendwie habe ich das Gef├╝hl, dass es hier ganz schnell sehr ruhig werden wird.

Ich sollte Recht behalten.

Nacho geht mit uns zur├╝ck in das Dorf und fragt uns wann wir denn zu Abend essen wollen. Was meint er frage ich ihn. Wir haben ca halb 6. Er schl├Ągt uns vor die Ausr├╝stung in unsere H├╝tte zu bringen und dann einfach wieder bei der Steinterrasse vorbei zu kommen. Seine H├╝tte ist direkt davor.

Ok, wir gehen zur├╝ck, verstauen unsere Sachen, ziehen unsere feuchten Klamotten aus, duschen und ziehen uns andere feuchte Klamotten an.. Wie machen die das hier mit ihrer Kleidung frage ich mich.. Ausserdem trinke ich den ganzen Tag ├╝ber Wasser und f├╝hle mich trotzdem ausgetrocknet. Nacho sehe ich irgendwie nie etwas trinken..

W├Ąhrend Kai noch einige Filmaufnahmen der von den Kameras auf einen kleinen Laptop sichert, baumle ich auf der kleinen Holzveranda in der H├Ąngematte. Ich bin echt m├╝de. In einer H├Ąngematte neben mir baumelt entspannt Nery. Sie wirkt total zufrieden und entspannt. Wir unterhalten uns noch ├╝ber vieles. Die Kuna, das Dorf und die Natur. Dann kommen langsam die Moskitos. Auch Nery wird nicht verschont. ÔÇ×Ac├í pican muh duroÔÇť ÔÇö ÔÇ×hier stechen sie extrem starkÔÇť warnt sie mich, und ich bin froh ├╝ber die Familienflasche Antibrum, die ich Ihr sofort anbiete..

Als h├Ątte jemand das Licht ausgeschaltet wird es dunkel. Eine Abk├╝hlung stellt sich irgendwie nicht ein.

Kai hat die Aufnahmen fertig gesichert. Morgen sollten wir Akkus laden.. Aber wie? Es gibt hier keinen Strom.. Vereinzelt brennt zwar drau├čen eine Lampe, aber Steckdosen gibt es nicht.. Die Bank von Panam├í hat hier vor einem knappen Jahr einzelne Solar-Paneele aufgestellt die hier und da eine Laterne mit Strom versorgen. Das war┬┤s. Aber gar nicht schlecht, wenn man ├╝berlegt, dass es bis zu diesem Zeitpunkt nichts gab.. Joey und Nery haben uns noch darauf aufmerksam gemacht uns mit Kerzen einzudecken. Das war eine gute Idee. Aber auch mit kleinen LED-Lampen und Stirnlampen sind wir sonst gut ger├╝stet.

Nacho erkl├Ąrte uns am Tage aber mit dem Laden der Kamera-Akkus g├Ąbe es kein Problem. Wir sind gespannt..

Schlie├člich machen wir uns wieder auf den Weg zu unserer vertrauten Steinterrasse.

Als wir durch das Dorf gehen, ist es bereits schon still. Es ist kurz vor sieben am Abend. Aus einzelnen H├╝tten h├Ârt man nochmal ein kleines Kind rufen. Sonst hat man den Eindruck, als herrsche hier bereits tiefste Nacht..

Ausser der Dschungel. Der legt jetzt erst richtig los. Eine Kakophonie aus Ger├Ąuschen verschiedenster Tiere. ├ťberall flattert, raschelt oder krabbelt etwas rum.. Interessant. Aber das kannten wir auch schon aus Capurgan├í. Nur hier ist alles irgendwie n├Ąher. Und pl├Âtzlich taucht im Licht meiner Stirnlampe ein dunkler dicker Streifen auf dem Weg unmittelbar zu meinen F├╝├čen auf. Den guck ich mir genauer an und sehe unz├Ąhlige kleine Blattst├╝cke die von unz├Ąhligen Ameisen getragen werden.

Man kennt doch Ameisenstra├čen. Aber das hier ist schon eher eine Ameisenautobahn.. Sie ist riesig. Bestimmt einen halben Meter breit. Als ich sie mit der Lampe ableuchte kann ich das Ende nicht entdecken. Irgendwo verschwindet sie im Unterholz.

Wir treffen Nacho bei wieder auf der Terrasse und irgendwie habe ich den Eindruck wird sind absolut versp├Ątet.. Nacho sieht etwas verschlafen aus.. Ob er mit uns zu Abend isst. Nein nein, er hat schon..

Um sieben Uhr abends ist es hier tats├Ąchlich bereits tiefste Nacht.. Aber irgendwie f├╝hle ich mich auch so und freu mich bald ins Bett zu kommen..

Dann gibt┬┤s Abendessen, und ich wei├č, wir sind sp├Ąt.. Es ist schon l├Ąnger fertig. Nacho┬┤s Frau hat es nur f├╝r uns warm gehalten. Es gibt frischen Fisch, Reis und Salat. Das ist ok. F├╝r morgen beschlie├čen wir fr├╝her zu sein.

Wir unterhalten uns noch etwas ├╝ber den Tag und machen auch schon wieder Pl├Ąne f├╝r den N├Ąchsten..

Nacho will uns am besten noch vor Sonnenaufgang treffen und tastet sich vorsichtig an unser Zeitfenster..;-) Wir verabreden uns f├╝r halb sechs.. Naja, ist ja noch fr├╝h denke ich.. Wenn wir fr├╝her wach w├Ąren, k├Ânnten wir auch schon fr├╝her da sein ruft uns Nacho noch hinterher. Er w├╝rde jeden Morgen so gegen 4 Uhr aufstehen und schon mal die Stra├če fegen..

ÔÇ×4 UhrÔÇť..!? und ÔÇ×Stra├če fegen..ÔÇť!? Die Stra├čen hier bestehen aus Staub.. Hhhhmm? Naja.. Sehen wir ja morgen..

Dann geht´s zurück zur Hütte. Nein, kein Bierchen..;-) Im Armila gibt es diese Tage kein Alkohol. Wegen der Ältestenversammlung.. Ausserdem sind wir hundemüde..

Also ab ins Bett. Es ist ca. halb neun, und ich f├╝hle mich als w├Ąre es mitten in der Nacht..

 

Ich liege in meinem Bett und frage mich, ob die H├Ąngematte nicht doch die bessere Alternative gewesen w├Ąre.. Egal. Mein Kopf dreht sich.. Ich bin total fertig aber in meinem Kopf habe ich 100 Bilder.. Was war das f├╝r ein Tag.. Am fr├╝hen Morgen in Capurgan├í los. Dann Puerto Obaldia.. Die Einreise.. Die Beamten.. Dieser Ort.. Dann die Indianer und eine erneute Boots├╝berfahrt. Dann das Dorf Armila. Die vielen Eindr├╝cke und die Gespr├Ąche mit den Alten.. Und das alles an EINEM Tag.. Junge Junge Junge.. Ich habe das Gef├╝hl nie einschlafen zu k├Ânnen weil mich mein Kopf nicht l├Ąsst.. Dann aber doch. Ohne es zu merken falle ich in einen komat├Âsen Schlaf.

Ich merke, dass ich einige Stunden tief und fest geschlafen habe als mich ein lauter Schrei aus dem Schlaf reisst. ÔÇ×KickeriiiiikiiikiiiiiiiiiiÔÇť!!!! Direkt neben unserer H├╝tte.. FUCK!! Dieses Vieh. Das gibt┬┤s hier ja neben den Dschungeltieren auch.. Und mir sind die Dschungeltiere pl├Âtzlich sehr ans Herz gewachsen..

Na gut, dann ist es halt schon fr├╝her Morgen. Nacho sagte ja es geht hier fr├╝h los.. Ich schaue auf die Uhr. 01:20 Uhr in der Nacht. Ja sag mal, was ist denn hier los. Was haben die denn hier f├╝r Zeiten..!? Selbst der Hahn hat seinen ganz eigenen Bio-Rhythmus..

Na gut, nach ca. 10 Minuten hat er sich ausgetobt und ich versuche mit Oropax weiterzuschlafen.. Als ich gerade am eind├Âsen bin.. „KIIICKIIIICKERIIIKIIIIIIIIIEEEEE!!“ Waaahhhhh!! Dieses Vieh!!

Ich ├╝berlege kurz.. aber das kann ich nicht bringen.. Dann w├Ąr┬┤s mit der Gastfreundschaft vorbei..;-) Also entscheide ich mich dagegen..

 

Irgendwann, ich wei├č nicht nach wie langer Zeit schlafe ich dann doch nochmal ein und werde um kurz nach 5 von meinem Wecker geweckt..

Ein neuer Tag..

Noch v├Âllig ├╝berm├╝det denke ich mir, was soll┬┤s, wenigstens etwas geschlafen.. Was ist eigentlich mit Kai frage ich mich.. Von dem habe ich gar nichts geh├Ârt.. Hat der nichts von dem Hahn mitbekommen..? Ich schaue nach, und der liegt noch regungslos im Bett. Ich krieg den fast gar nicht wach.. Also ist der auch noch so fertig wie ich denke ich.. Dieser fucking Hahn..

Ich putze mir die Z├Ąhne, und Kai liegt immer noch. Oh Man, denke ich.. Dann sagt er mir, dass er total fertig ist.. Sieht auch nicht so pralle aus.. Egal, wir m├╝ssen weiter.. Nacho wartet schon wieder.. Mit seinem Tagesprogramm. Hoffentlich geht das nicht so weiter.. Dieses Tempo. Diese Eindr├╝cke.. Aber trotzdem freue ich mich..

 

Wir machen uns auf dem Weg zu Nacho und gehen unseren gewohnten Weg.. Aber irgendetwas ist anders.. Es ist schon etwas hell.. Und der Weg, also alle Wege, sehen aus wie der Sand auf einem Golfplatz.. halt nur dunkler.. Da liegt kein Blatt oder ├ästchen auf dem Weg. Alles sauber gefegt.. Eine Frau k├Ânnen wir noch beobachten wie sie das letzte St├╝ck Weg vor ihrer H├╝tte fegt. Ha, ich muss echt staunen.. Hier wird tats├Ąchlich ├╝berall alles gefegt. Und zwar noch bevor es hell wird. Hammer.

Im gesamten Dorf herrscht schon reges Leben.. Es wird gekocht und Kinder tollen schon herum. Alle wirken putzmunter. Nur wir stolpern v├Âllig schlaftrunken zwischen den Bambush├╝tten umher und versuchen nicht die Orientierung im Dorf zu verlieren.

Nach nur einigen Minuten von dem zweiten Tag bin ich von diesen Menschen schon wieder total beeindruckt.

 

Nacho erwartet uns schon ungeduldig. Noch vor dem Fr├╝hst├╝ck geleitet er uns runter zum Fluss und zum Strand. Die Fischer legen ab.. gibt er uns nur zu verstehen.

Und tats├Ąchlich, wir sind knapp dran.

Als wir am Fluss ankommen sehen wir gerade noch die letzten Fischer in ihren kleinen Kanus ├╝ber den Fluss durch die Brandung aufs Meer hinaus zu fahren. Ein paar Heranwachsende graben am Strand Krabben aus.

Diese gesamte Szenerie wird in gelblich oranges Licht, der in K├╝rze aufgehenden Sonne getaucht. Der gegen├╝berliegende kleine Berg liegt bereits im gelben Sonnenlicht. Wow! Wie sieht das alles toll aus.

Wer weniger toll aussieht ist Kai. Er sieht etwas blass aus.. Ich denke mir, dass ich nicht besser aussehe. Aber in dem ganzen Ort habe ich zum Gl├╝ck noch keinen Spiegel gesehen;-) Kai ist aber schon wieder ganz in seinem Element und macht schon einige Aufnahmen.

 

Dann geht┬┤s schon wieder weiter. Ich denke zum Fr├╝hst├╝ck.. CAFE Toll:-) N├Â, Nacho m├Âchte uns noch mehr zeigen..

Am Flussufer k├Ânnen wir noch einige M├Ąnner bei einer anderen Arbeit filmen.. Sie bauen Boote. Es gibt zwar schon diese gr├Â├čeren Boote aus Kunststoff mit Aussenbordmotor, aber zum Fischen oder um den Fluss befahren zu k├Ânnen bauen die Kuna sich noch kleinere Holzboote wie sie es schon seit Generationen getan haben.

Nacho erkl├Ąrt uns den Baustil. Alle Boote und Kanus haben eine ganz spezielle Form. Er sagt, dass die Boote dem Zweck und dem Einsatzgebiet entsprechend gebaut werden.

Da spielen z.B. die Gezeiten, die Wellengr├Â├če und die Art der Brandung eine Rolle. Jede Rumpfform eines Bootes wird dementsprechend genau geformt und bearbeitet.

 

Aber dann geht┬┤s zum Fr├╝hst├╝ck.:-) Es gibt ein paar Fr├╝chte, Reis und Platanos. Das sind plattgestampfte und ger├Âtete Kochbananen. Kai kann irgendwie kaum etwas essen. Er f├╝hlt sich nicht so gut und ich mache mir etwas Sorgen.

 

Nacho bespricht mit uns den weiteren Plan f├╝r die n├Ąchsten Tage und es gibt eine tolle ├ťberraschung.

Also als erstes sind auf jeden Fall wieder einige Interviews geplant. Es sind heute ein paar ├älteste dran, die sich auch mit dem Thema Tourismus besch├Ąftigen. Dann steht nat├╝rlich noch das Interview mit Nacho an. Ich merke wieder wie sehr ihn das alles besch├Ąftigt. Das ist unser Mann.

Dann kommt┬┤s. Nacho erz├Ąhlt uns, dass in ein paar Tagen in Carti ein Tanzfest der Kuna ist. Da tanzen Gruppen aus verschiedenen Gegenden des gesamten Kuna-Gebiets um einen Preis. Die ortsans├Ąssige Tanzgruppe von Armila will heute Nachmittag daf├╝r proben und wir d├╝rfen dabei sein.. ..und filmen.. Toll. Ausserdem verspricht uns Nacho neben all diesen Vorhaben noch durch das Dorf zu schlendern und Augenblicke des normalen Lebens einzufangen.

Ich bin nur gespannt, ob wir das alles so hinbekommen.. Nat├╝rlich sollte es sich noch ├Ąndern..

 

Nach dem Fr├╝hst├╝ck geht┬┤s erstmal noch mit einem Interview weiter.

Auch hier f├╝hren wir wieder sehr interessante Gespr├Ąche und wir filmen was das Zeug h├Ąlt. Wir sprechen ├╝ber Bildung und Erziehung.

Wieder merke ich, dass sich ein zentrales Problem der Kuna um den Erhalt ihrer Kultur dreht. Dass sich die J├╝ngeren nach einer Ausbildung in Panam├í Stadt umschauen. Man sucht nach L├Âsungen f├╝r dieses Problem. Man wei├č aber auch dass es t├Âricht w├Ąre den Weg der J├╝ngeren als falsch abzutun. Ich kann mich in die Problematik hineindenken und w├╝rde am liebsten eine L├Âsung bereit halten.. Eine Idee.. Ein Vorschlag. Ich bin entt├Ąuscht, dass ich nur zuh├Âren kann.. Erneut bin ich allerdings wieder beeindruck wie analytisch die Indianer ihre Probleme angehen und denke mir, dass wer Probleme so pr├Ązise, engagiert und auch selbstkritisch angeht, hat doch irgendwann eine L├Âsung verdient.

 

Nery ist die gesamte Zeit anwesend und h├Ârt gespannt zu. Ich merke wie sie sich freut wenn ich in eine Diskussion mit Nacho als Dolmetscher einsteige.

Dann aber kommt der Zeitpunkt für sie uns zu verlassen. Sie muss mit einem Boot nach Puerto Obaldia, um dort das Boot zurück nach Capurganá zu bekommen. Ich merke ihr an, dass sie gerne noch bleiben würde. Sie will Joey aber nicht zu lange alleine lassen. Zu Hause wartet viel Arbeit.

Wir verabschieden uns herzlich. Ich spreche ihr meinen unendlichen Dank aus und sage ihr, dass dies alles wunderbar l├Ąuft, und dies ohne ihre Hilfe nicht m├Âglich gewesen w├Ąre. Ich merke wie sehr sie sich ├╝ber dieser Worte freut. Und dass es ihr enorm wichtig ist, dass uns unser Projekt gelingt und wir eine tolle Zeit mit den Indianern verbringen. Ein wundervoller Mensch.

 

Es geht gegen Mittag und ich frage mich wie wir das Tagesprogramm schaffen wollen.. Zum einen nimmt man sich f├╝r Gespr├Ąche so viel Zeit, dass sie einem einfach irgendwann davon l├Ąuft. Aber irgendwie denke das wohl nur ich. Ich merke, dass hier ein Zeitplan nicht so gewichtig ist. Vielmehr von Gewicht sind die Gespr├Ąche. Jeder soll sich aussprechen k├Ânnen. Alle Aspekte sollen angesprochen und diskutiert werden. Von jedem. In Ruhe. Ich bin wieder beeindruckt wie viel Wert dieser Form der Diskussion zugemessen wird.

Da spielt es keine Rolle ob der zun├Ąchst geplante Punkt dann nun wahrgenommen werden kann oder nicht.

 

Aber auch unsere Akkus neigen sich dem Ende. Die der Kammeras, Laptop und Tonger├Ąte. Ausserdem auch unsere eigenen.. Wir machen fast keine Pause. Obwohl uns mal eine gebrauchen k├Ânnten.

Ok, den Akkus der Elektroger├Ąte kann Abhilfe geschaffen werden. Aber nicht indem man sie einfach in eine Steckdose steckt. Es gibt ja keine. Nacho erkl├Ąrt uns wie wir es machen. Zuerst m├╝ssen wird Benzin kaufen. Daf├╝r wandern wir durch den gesamten Ort zu einer H├╝tte. Hier wird uns Benzin in eine Plastikflasche abgef├╝llt.

Dann geht┬┤s wieder in eine andere Ecke des Dorfes. In eine andere H├╝tte. Dort bef├╝llen wir einen Generator mit dem Benzin. Dieser wird angeworfen und in eine Birnenfassung wird eine Steckdose gedreht.. .. .. Et voila!! Da ist unsere Steckdose mit Strom.. Toll:-) So die Theorie.. Aus der eingeschraubten Steckdose vernehme ich, sich gef├Ąhrlich anh├Ârende, elektrisch brizzelnde Ger├Ąusche..

Der Eigentümer des Generators steckt den Stecker hinein. Und.. Nichts.. Ich wage es nicht diese Konstruktion zu berühren.. Zu sehr habe ich noch einen Vorfall am Strand von Capurganá im Kopf. Da bin ich mit der Hand gegen das Blechdach einer kleinen Hütte gekommen und habe einen furchtbaren Elektroschock bekommen.

Seitdem vertraue ich diesen Konstruktionen nur wenig.

Der Eigent├╝mer aber r├╝ttelt noch etwas an der Konstruktion herum. Und.. Nichts..

Wir wechseln die Location und tragen unsere gesamte Ausr├╝stung in die Nachbarh├╝tte. Die selbe Konstruktion nochmal. Und.. siehe da.. Es funktioniert. Toll.

Wir lassen alles dort. Inzwischen ist es schon wieder Zeit zum Mittagessen. Ich habe Hunger. Kai nicht. Ohweh.. Hoffentlich wird es nicht schlimmer.

Sp├Ąter erfahre ich von Nacho, dass sich seine Frau Sorgen um ihn gemacht hatte, weil er kaum etwas gegessen hatte.

Nacho hatte sich sowieso st├Ąndig um alles gesorgt. Dieser nette Mensch:-)

 

Nach dem Mittagessen gehen wir zur├╝ck um nach unserer Ausr├╝stung zu schauen. Alles bestens. Die Akkus sind alle wieder voll. Wenigstens die der Ger├Ąte.. Wir sind immer noch total fertig.

Wir sortieren, Kai sichert die Aufnahmen und ich versuche mal wieder irgendwie Klamotten trocken zu bekommen. Dieser untaugliche Versuch endet damit, dass ich mich einfach in eine H├Ąngematte fallen lasse und denke.. Schei├č doch drauf!! Wir sind schlie├člich im Dschungel. Da wo ich ich hin wollte. Gut so. Ich entspanne mich.

Aber unsere Termine.. Es ist schon sp├Ąt am Nachmittag und wir treffen Nacho. Der teilt uns mit, dass die Tanzgruppe ihre Probe auf den n├Ąchsten Tag verschoben hat. Er m├╝sse noch etwas arbeiten. Wunderbar:-) Wir machen nichts mehr.. H├äNGEMATTE. Passt wunderbar. Kai f├Ąllt aufs Bett und schl├Ąft sofort ein.

Ich denke wir haben uns das verdient. Als ich gerade die letzten zwei Tage gedanklich zur├╝ckverfolge kann ich es kaum glauben. Das sollen wir alles erlebt haben..? In nur zwei Tagen..!? Schon jetzt merke ich, dass diese Reise etwas ganz besonderes ist und wird.. Am liebsten w├╝rde ich mir schon alles von der Seele schreiben. Aber wenn ich damit jetzt anfange, werde ich so schnell nicht fertig.. Ausserdem bin ich auch v├Âllig ersch├Âpft. Schei├č drauf! ..denke ich, und schlafe in der H├Ąngematte ein..

 

Nach zwei Stunden qu├Ąl ich mich wieder hinaus.. Kai schl├Ąft immer noch.. Der muss echt m├╝de sein..

Eine Stunde sp├Ąter schlendern wir geduscht zum Abendessen. Wir wollten diesmal unbedingt etwas fr├╝her sein.. 18:00 Uhr. Und im Dorf neigt sich bereits alles wieder zur Nachtruhe.. Wir bewegen uns jetzt schon etwas sicherer durch das Dorf. Vereinzelt trifft man Personen die man schonmal gesehen hat und begr├╝sst sich freundlich.

Zum Abendessen gibt es H├╝hnchen mit Reis und Salat. Vielleicht habe ich Gl├╝ck, denke ich mir, und ich verspeise gerade diesen supernervigen Hahn von letzter Nacht..!? ­čśë

 

Nach dem Essen sitzen wir noch zusammen. Neben Nacho sitzt da noch Jesus, den wir vom ersten Tag aus Puerto Obaldia kennen, und Lomberto. Beide arbeiten mit Nacho zusammen. Wir besprechen unser weiteres Vorgehen und unsere Pl├Ąne. Ein f├╝r mich sehr spannender Punkt.

Vor unserer Abreise aus Deutschland hatte ich eine relativ klare Vorstellung wie alles laufen sollte bis wir in Armila sind. Und ich musste zu diesem Zeitpunkt sagen, dass lief bisher alles perfekt.. Ich war so sehr zufrieden und begeistert. Ich dachte mir, wenn das so weiterl├Ąuft, dann wir dies ein Hammerprojekt.

Auf die Tage nach Armila, das wusste ich, hatte ich allerdings wenig Einfluss. Wir sind schlie├člich im Indianergebiet.

Ich hatte keine Ahnung was hier so geht und was nicht.

Nat├╝rlich, habe ich mir die ein oder anderen Gedanken dar├╝ber gemacht. Aber das dies keine konkreten Pl├Ąne sein konnten war mir schon bewusst.

Damals, als ich das erstmal die Idee hatte durch Kuna Gala zu reisen w├╝nschte ich mir mit einem Segelboot dort durch zu cruisen.. Das hat ja nicht geklappt.

F├╝r unsere jetzige Reise und Projekt hatte ich mir allerdings auch ├╝berlegt, wie toll es w├Ąre au├čer Armila noch mehr von Kuna Yala sehen zu k├Ânnen.

Ich dachte daran, dass wir ├╝ber die Beziehungen von Nacho irgendwie noch weitere Kontakte und M├Âglichkeiten finden w├╝rden Kuna Yala noch tiefer kennenzulernen.

Ich hatte aber keine genauen Vorstellungen. Ich wusste zwar, dass es den ein oder anderen Buschlandeplatz f├╝r kleine Flieger gibt, oder kleine Bootsanlegestellen, aber wie man dies alles bereisen kann und wie die Verbindungen und M├Âglichkeiten im einzelnen aussahen wusste ich nat├╝rlich nicht.

Jetzt war es an dem Zeitpunkt dar├╝ber zu sprechen und ich war heilfroh, dass ich mir im Vorfeld schon Gedanken dar├╝ber gemacht habe.

Nacho fragte n├Ąmlich in seiner direkten und zielorientierten Art danach. Auch er machte sich Gedanken. Armila war ihm extrem wichtig. Es war der zentrale Punkt unseres Projektes. Aber ich sp├╝rte, dass uns Nacho noch mehr zeigen wollte. Das freute mich sehr und ich wusste, dass wir irgendwie zusammen kommen w├╝rden. Wenn wir es bis dahin nicht schon waren..

Nachdem ich ihm von unseren Vorstellung berichtet hatte, er├Âffnete er mir mehrere Optionen. Eine davon war auch nach Puerto Obaldia zur├╝ck, und mit einem direkten Booten in einer Tagesreise zum anderen Ende von Kuna Yala nach C├írti.

Puerto Obaldia, direktes Boot, Cárti und Ende von Kuna Yala..!? Nein, das war keine Option.. Wir gingen noch ein paar Optionen durch wo kleine Buschflieger eine Rolle spielten. All das wollten wir nicht. Dann kam sein Vorschlag.

Wir chartern sein Motorboot und er bringt uns in einer Zwei-Tagestour durch Kuna Yala nach C├írti. wir sollten dabei weitere D├Ârfer besuchen. Er h├Ątte noch gute Kontakte im gesamten Kuna Gebiet und k├Ânnte uns noch weiteren Personen vorstellen. Auch w├╝rde er sch├Âne Pl├Ątze zum ├ťbernachten kennen.

Von Cart├ş w├╝rde uns dann der Weg nach Panam├í Stadt offen stehen. Hhmm, dachte ich. Eigentlich genau das was wir wollten. Aber was sollte das alles kosten.. Ein eigenes Boot. Plus zwei Leute Besatzung.

Nacho fing an zu rechnen. Der Hauptbetrag fiele auf das Benzin. Zwei Motoren mit je 75 PS auf ca. 250 Km ├╝ber das Wasser.

Dann m├╝ssen Jesus und Lomberto bezahlt werden. Nacho rechnete uns einen Preis von mehreren Hundert US Dollar aus und versicherte, dass in diesem Betrag nur der Sprit und die n├Âtigsten Unkosten beinhaltet w├Ąren.. Hhhmmm!? Eine stolze Summe.

Nacho erkl├Ąrte er selber w├╝rde diese Route oft fahren und er w├╝rde sich freuen uns mehr von Kuna Gala zu zeigen. Ausserdem ist er selber gerne unterwegs.

Und obwohl ich mir sicher war, dass dieser Betrag absolut gerechtfertigt w├Ąre hatte ich doch etwas bedenken. Schlie├člich war es eine stolze Summe..

 

Wir verblieben dabei, dass wir uns bis zum n├Ąchsten Tag dar├╝ber Gedanken machen wollten. eine m├Âgliche Abreise war f├╝r den ├╝bern├Ąchsten Tag geplant.

Aber zuerst stand da ja noch der Folgetag an. Und da hatten wir wieder eine Menge auf dem Programm..

Also ging es ins Bett. Es war ja schon ca. 20:00 Uhr. Allerh├Âchste Eisenbahn schlafen zu gehen.:-)

 

Auf dem Weg zu unserer H├╝tte unterhielt ich mich mit Kai ├╝ber die m├Âgliche Reise. Und noch bevor wir bei unserer Unterkunft angekommen waren stand unser Entschluss fest.

Unser eigenes Boot durch ganz Kuna Yala, mit unserer eigenen Besatzung, und dem -meiner Meinung nach- besten Fremdenf├╝hrer den man sich in dieser Gegend w├╝nschen kann.. Ja spinn ich denn..!? Warum sind wir denn hier..!? Was hatten wir denn urspr├╝nglich vor..!?, Und wieso mach ich mir ├╝ber diese Entscheidung ├╝berhaupt Gedanken..!? Mir muss die schw├╝le Hitze und die Arbeit irgendwie auf mein Traveller-Hirn geschlagen sein.. Ich Idiot!! Schei├č auf die Kohle!! Wann haben wir wieder so eine Gelegenheit.

Nat├╝rlich werden wir ├╝bermorgen mit Nacho, Jesus und Lomberto durch Kuna Yala reisen..:-))

 

Wie sich sp├Ąter noch herausstellen wird, war dies, neben der Entscheidung ├╝berhaupt zu den Kuna zu reisen, die beste Entscheidung die wir f├╝r unsere Reise und unser Projekt treffen konnten..

 

Dann war der zweite Tag bei den Indianern zu Ende..

 

Zufrieden sind wir ins Bett gefallen.

Und der v├Âllig zeitlose und durchgeknallte Hahn hat mich dann in der Nacht auch nur ganz wenig genervt.. ­čśë

..

Bevor ich im Tagesablauf weiter schreibe, m├Âchte ich noch auf ein v├Âllig neues Thema eingehen, ├╝ber welches ich noch ├╝berhaupt nicht gesprochen haben.

N├Ąmlich Schildkr├Âten..

 

Als ich das erstmal mit Naky, Nachos Sohn, Kontakt hatte, schrieb er mir von dem Schildkr├Âten-Schutzprojekt welches in Armila stattfindet.

 

Auch damit habe ich mich im Vorfeld besch├Ąftig und mir einiges ├╝ber die Lederschildkr├Âte angeschaut.

Ich war beeindruckt was das f├╝r Lebewesen sind, und vor allem, wie riesig diese werden k├Ânnen..

 

Wie viele andere Tiere ben├Âtigen die Lederschildkr├Âten auch besonderen Schutz um nicht vom aussterben bedroht zu sein.

 

Jedenfalls habe ich mich noch vor meiner Reise nach Armila darauf gefreut noch mehr ├╝ber diese tollen Tiere zu erfahren, oder vielleicht sogar welche zu sehen..

 

Leider waren wir aber nicht zur deren Zeit in Armila. In der Zeit ab April kommen die Tiere an den Strand um ihre Eier abzulegen. Ab Mai dann kann man die kleinen Schildkr├Âten beobachten wenn sie aus ihren Eiern schl├╝pfen, sich aus dem Sand buddeln und in Richtung Meer krabbeln.

 

Nacho hatte mir noch sehr viel ├╝ber die Schildkr├Âten erz├Ąhlt, und ich habe ihm dabei mit der selben Begeisterung zugeh├Ârt wie er gesprochen hat.

Ich hatte mir fest vorgenommen, dieses Schauspiel einmal live mitzuerleben.

Vielleicht auch schon sehr bald..

 

So viel jedenfalls erstmal am Rande zu den Schildkr├Âten. Ich musste auch dar├╝ber etwas schreiben, weil es einfach zu Armila dazu geh├Ârt.

Au├čerdem wird es auch nochmal Thema in den folgenden Erz├Ąhlungen.

 

Als wir am Morgen Nacho trafen teilten wir ihm freudig unsere Entscheidung bzgl. der Fahrt durch Kuna Yala mit. Auch er schien sich dar├╝ber zu freuen.

Dann teilte er uns noch mit, dass wir ja versuchen k├Ânnten den ein oder anderen Passagier noch mitzunehmen, und so die Kosten reduzieren k├Ânnten. Wir m├╝ssten eh nochmal vorher kurz nach Puerto Obaldia, um die Reise bei der Meeresbeh├Ârde anzumelden. Puerto Obaldia..!? Ohweh.. Na gut, wenn┬┤s nicht anders geht. Und wir eventuell andere Traveller treffen die wir mitnehmen k├Ânnen.. OK.

Eine Geschichte dazu wird noch folgen..;-)

 

Diesen Tag auf jeden Fall sollten wir wieder mit einem Interview beginnen. Direkt nach dem Frühstück wollte Nacho in die Kamera sprechen. Ich hab gemerkt, dass er schon ein bisschen aufgeregt war und sich bereit machte, als die angekündigte Gruppe Seylas -Älteste- an der Steinterrasse eintraf.

Der Arme. Musste sein Interview nun schon wieder aufschieben. Aber es war f├╝r ihn selbstverst├Ąndlich den ├ältesten den Vortritt zu lassen.

 

Die kleine Gruppe bestand aus f├╝nf Leuten. Den ein oder anderen kannte ich bereits. Man ist sich im Dorf schonmal ├╝ber den Weg gelaufen und hat sich freundlich begr├╝├čt.

 

Auf dieses Interview war ich schon sehr gespannt. Die Seylas stellten ein kleines Komitee dar, welches sich mit dem Thema Tourismus besch├Ąftigt. Ein Thema welches im Nordwesten von Kuna Gala eine gr├Â├čere Rolle spielt als in Armila und die Gegend herum. Dorthin reist so gut wie niemand.

Aber die Seylas kommen aus verschiedenen Teilen des Landes und, wie ich schon beschrieben habe, tauscht man sich aus und bespricht alle Angelegenheiten.

 

Anfangs dachte ich, wir k├Ânnten einem der wenigen Treffen der Seylas in Armila beiwohnen. Sp├Ąter habe ich dann erfahren, dass sich die Seylas eigentlich st├Ąndig in verschiedenen Teilen des Landes treffen, und permanent verschiedensteThemen aus unterschiedlichen Bereichen diskutieren. Das kann dann auch mal mehrere Tage dauern. Aber es ist eben nun mal ihr ÔÇ×JobÔÇť.

 

Und weil das Thema Tourismus ja auch nicht zuletzt uns betrifft war ich sehr darauf gespannt, was sie dar├╝ber zu sagen haben.

Es sollte auch unsere spannendste Unterhaltung werden. Aber dazu komme ich gleich noch.

 

Wir wurden jetzt auch sicherer im Umgang mit den Pers├Ânlichkeiten und kannten deren Vorgehensweise.

Nacho ├╝bernahm wie gewohnt den Part des Moderators und Dolmetschers. Er machte uns alle bekannt und erkl├Ąrte unser Projekt.

Dann, wie selbstverst├Ąndlich, startete einer der ├ältesten. Langsam erkannten wir die Struktur dieser Gruppe, welche sich in der Regel nach Alter und Erfahrung richtet.

 

Einer der ├ältesten fing an und Nacho ├╝bernahm die ├ťbersetzung von Kuna ins Spanische.

 

Teilweise wiederholten sich die Inhalte aus den Interviews der letzten beiden Tage.

Das zentrale Thema ist nat├╝rlich die Angst vor dem Verlust ihrer Kultur, welcher mit der Entwicklung der J├╝ngeren und dem zunehmenden Tourismus einhergeht.

Dies hatte ich ja schon beschrieben.

 

Die Seylas machten allerdings auch sehr deutlich, das sie sich dem Tourismus nicht v├Âllig verschliessen wollten. Der Entwicklung und Bildung der J├╝ngeren nat├╝rlich noch viel weniger.

 

Ein Tourismus sollte aber nachhaltig sein, und unter R├╝cksicht und Respekt der Natur und Kultur der Indianer betrieben werden.

Dann w├╝rde er ihnen gut tun. Denn nat├╝rlich bringt dieser auch Geld in die Kommunen und er├Âffnet den J├╝ngeren M├Âglichkeiten einer Arbeit in den Gemeinden nachzukommen in welcher sie m├Âglicherweise in Panam├í-Stadt ausgebildet wurden. Die Gemeinde w├╝rde somit f├╝r den Nachwuchs wieder interessanter werden.

 

Nach einer Weile kam ein weiterer Seyla zu Wort, welcher bislang noch gar nichts gesagt hatte.

Ich merkte, dass er sich mit seinem Start etwas schwer tat.. So, als w├╝rde er sich nicht so richtig trauen. Hhmm, gar nicht die Art die ich so kannte.

Dann wusste ich auch warum.. Er war der erste, der w├Ąhrend all dieser Gespr├Ąche eine Frage direkt an Kai und mich stellte. Nacho ├╝bersetzte.

Ihn interessierte unser Projekt, Welchen Zweck es denn genau habe. F├╝r wen es ist und wer dahinter steht. Wen wir denn damit erreichen wollten..?

Ich habe mich unglaublich gefreut. Denn obwohl ich irgendwie wusste, dass man sich sehr f├╝r uns interessiert, wurde es mir mit dieser Frage nur best├Ątigt.

 

Ich erkl├Ąrte uns auf Spanisch und richtete dabei meine Worte abwechselnd an Nacho, der ja ├╝bersetzen sollte, und den Seyla, von ich merkte, dass er etwas Spanisch verstand.

Ich erkl├Ąrte, dass wir ein rein privat finanziertes Projekt darstellen, und dass wir so viel wie m├Âglich ├╝ber die Kuna in Erfahrung bringen wollen.

Eventuell, sage ich ihm, k├Ânnen wir unseren fertigen Film sp├Ąter einem Kultursender anbieten. Aber das wird sich erst zu Hause zeigen, wenn wir mit allem fertig sind.

Ich erkl├Ąre noch etwas ├╝ber unser eigenes kulturelles Interesse und die Lust am Reisen.

Der Seyla h├Ârt mir geduldig zu und bedankt sich nach meiner Ausf├╝hrung.

Nacho ├╝bersetzt nochmal.

In den folgenden Gespr├Ąchen merke ich, wie wenig diese Seylas ├╝ber unsere Interessen und Einstellungen wissen. Und wie sehr sie sich doch eigentlich daf├╝r interessieren. Ich musste erst lernen, dass die bisher ausgebliebenen Fragen an uns nicht von mangelndem Interesse zeugten, sondern einfach ihre Form der Kommunikation darstellten. Man teilt sich mit.. Alles was man zu einem Thema zu sagen hat. Der Rest h├Ârt geduldig zu..

 

Mir gehen w├Ąhrend der folgenden Gespr├Ąche noch viele Gedanken durch den Kopf, die ich gerne loswerden m├Âchte..

Ich wusste, dass wenn ich irgendwie signalisiere, dass ich noch etwas mitzuteilen h├Ątte, mir sofort das Wort erteilt worden w├Ąre. Stattdessen h├Ârte ich den weiteren Gespr├Ąchen aufmerksam zu und machte mir Notizen. Von dem was ich h├Ârte, und von dem was mir noch auf der Zunge brannte..

 

Dann war die Diskussion irgendwann zu Ende. Als ich sicher war, dass keiner der Seylas noch etwas mitzuteilen hatte, richtete ich mich nochmal an die Person, welche uns ca eine viertel Stunde zuvor die Frage gestellt hatte.

Ich sagte ihm, dass mir noch mehrere Gedanken im Kopf rumgeistern, und ich gerne nochmal auf seine Frage zur├╝ckkommen w├╝rde.

 

Ich merkte das Erstaunen der Seylas und konnte beobachten wie sie sich gespannt in ihren St├╝hlen zur├╝cklehnten.

 

Ich ging noch auf ein paar Details unseres Projektes ein. Dann beschrieb ich unser pers├Ânliches Interesse f├╝r ihre Kultur. Ich erkl├Ąrte ihnen ebenfalls, dass man sich in anderen L├Ąndern auch sehr stark f├╝r solch eine alte und traditionelle Kultur interessieren w├╝rde und dass es demnach auch diesen Menschen wichtig w├Ąre solche Kulturen zu erhalten. Da unsere Gesellschaft immer schnelllebiger werden w├╝rde und gesellschaftliche Krankheiten wie z.B. ÔÇ×Burn OutÔÇť immer h├Ąufiger auftreten w├╝rden interessiert man sich zunehmend f├╝r solche traditionellen Kulturen und w├Ąre auch bereit sich f├╝r deren Erhalt zu engagieren.

Da dieses Interesse vorhanden w├Ąre k├Ânnen man Tourismus betreiben. Dieser Tourismus aber m├╝sse extrem verantwortungsbewusst gehandelt werden um die Authentizit├Ąt dieser Kultur nicht zu gef├Ąhrden.

Ich sagte, ich sei mir sicher, dass Menschen f├╝r einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Tourismus, welcher dazu beitr├Ągt die spannende Kultur der Kuna transparenter zu machen, zu begeistern w├Ąren. Dabei d├╝rfe es nicht darum gehen zu konsumieren, sondern eine authentische Kultur zu vermitteln und in ein Leben wieder eine Langsamkeit hineinzubringen. Daf├╝r w├╝rden sich sicherlich Menschen aus dem Ausland begeistern k├Ânnen.

 

Ich merke, wie man mir gespannt und begeistert zuh├Ârt.

 

Dann kommen wir langsam zum Ende. Alle Beteiligten bedanken sich f├╝r das Gespr├Ąch. Obwohl eigentlich wir f├╝r die tollen Aufnahmen zu danken haben.

Dann verabschieden wir uns und ich merke, dass etwas anders ist als zu den vorangegangen Verabschiedungen nach unseren Gespr├Ąchen.

Beim H├Ąndesch├╝tteln ergreift man mit beiden H├Ąnden meine Hand. Es wird nochmal nach unserem Namen gefragt und gesagt, dass man doch immer wieder sehr willkommen ist.

 

Wir freuen uns.

Die zahlreichen Interviews mit den Seylas waren anstrengend. Deshalb sind wir jetzt ein klein wenig erleichtert diese Arbeit geschafft zu haben.

Aber unter die Erleichterung mischt sich auch etwas Schwermut. Schlie├člich waren diese Gespr├Ąche auch sehr aufschlussreich. Ein klein wenig ├Ąrgert es mich, dass ich nicht fr├╝her in so eine Form der Diskussion wie zuletzt gefunden habe.

Aber es war schlie├člich erst der dritte Tag bei den Kuna und wir m├╝ssen in dieser neuen Welt erstmal ankommen..

 

Bevor ich in meiner Geschichte weiter schreibe, muss ich nochmal einen kleinen Exkurs machen. Und zwar zu dem vergangenen Tag.

 

Kai und ich hatten schon einige Wasserflaschen geleert und diese bei unserer H├╝tte gesammelt. Irgendwie konnten wir nirgends einen M├╝lleimer finden. Mir sind zwar hier und da einige leere Plastikflaschen zwischen Kokusnussschalen aufgefallen, aber nat├╝rlich wollten wir unseren M├╝ll nicht hinzu werfen.

 

Nacho war also bei unserer H├╝tte und hatte die Plastikflaschen entdeckt.

Begeistert hat er sie eingesammelt und mir erz├Ąhlt, die kann er gut gebrauchen. Er h├Ątte eine gute Idee zum recyceln..

 

Hmm, Recyceln.. ja klar. Man wirft sie in einen gro├čen Sack, und gibt sie dann irgendwo ab.. Ist doch kein gro├čes Ding.. Ich sollte mich t├Ąuschen.. Und wie..

 

Weiter im Tagesablauf.

Wir waren nun mit unserem Interview fertig, und es war noch fr├╝h am Vormittag.

Nacho wollte sein Interview nach dem Mittagessen machen. Also beschlossen wir einen Spaziergang zu machen. Am Strand entlang zu einem nahegelegenen kleinen Berg, von dort h├Ątte man eine super Aussicht ├╝ber Armila. Mit etwas Gl├╝ck k├Ânnte man auf dieser Tour durch den Regenwald auch paar kleine Pfeilgiftfr├Âsche sehen. Also los.

Es ging durch einen Kokoswald kurz hinter dem Strand entlang. Den Strand konnte von dort nicht so gut einsehen.

Dann kam┬┤s.. Nacho machte mich darauf aufmerksam, dass man hier seine Plastikflaschen entsorgen w├╝rde.. Wie..!? Entsorgen..!? Hier gib┬┤s ne M├╝llhalde. Schlimme Vorstellung.. Aber es kam dann noch schlimmer..

Er f├╝hrte uns zu einem Strandabschnitt, und was ich dann sehen musste, hat mich fast umgehauen..

Da war ein riesiger Streifen Strand ├╝ber und ├╝ber bedeckt mit M├╝ll. Jede Form von Plastik. Haupts├Ąchlich Flaschen in allen Gr├Â├čen und Formen..

Mir hat┬┤s die Sprache verschlagen.

Was ist denn mit der Naturverbundenheit der Indianer..?, mit „Pachamama“ – Mutter Erde..?, und ├╝berhaupt.. die Schildkr├Âten..? die kommen doch auch hier her..

Nach allem was ich bislang gesehen und geh├Ârt hatte konnte ich das alles nicht zuordnen..

Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ich war regelrecht schockiert. Das alles passte nicht.

Nacho f├╝hrte uns weiter.. Ich stolperte weiter. Sollte ich ihm meine Best├╝rzung mitteilen. Oder war das deren Angelegenheit.. Erstmal ging es weiter..

Egal, hab┬┤ ich mir gedacht. Es spielt keine Rolle ob man hier eventuell irgendwem auf den Schlips tritt. So etwas geht nirgendwo. Das muss man ansprechen.

„Nacho..!?“ — „Si..?“

..also, das mit dem M├╝ll.. das geht gar nicht.. Das k├Ânnt Ihr doch so nicht gut finden..!? Ich erkl├Ąre ihm meine Gedanken. Wohin so etwas f├╝hrt. Und wie sehr das im Widerspruch zu deren Schildkr├Âten-Schutzprojekt steht. Und ├╝berhaupt gegen die Natur. Ich kann es kaum fassen, dass man in der heutigen Zeit dies noch irgendwem erkl├Ąren muss..

Nacho war dies alles sichtlich unangenehm. Er wisse um diesen traurigen Umstand.

Aber es w├╝rde hier an einer logistisch organisierten M├╝llabfuhr fehlen. Vereinzelt w├╝rden sich Leute selber um ein Recycling-Projekt k├╝mmern. So wie er auch. Das wolle er mir sp├Ąter zeigen. Ich war gespannt.

Er w├╝rde sich daf├╝r einsetzen, mehr Leute dazu zu bewegen, sich sorgf├Ąltiger um ihren M├╝ll zu k├╝mmern, und diese Leute auch zum recyceln zu bewegen.

Ich war gespannt was er denn mit seinem Recycling-Projekt meinte..

Jedenfalls machten wir uns erstmal weiter in den Dschungel. Auf dem Weg haben wir dann auch einen kleinen Pfeilgiftfrosch entdeckt.

Nach einer schweisstreibenden halben Stunde sind wir dann auf einem H├╝gel angekommen, und hatten tats├Ąchlich eine wunderbare Aussicht ├╝ber die K├╝ste und das Dorf Armila.. W├Ąre da nicht der M├╝ll. Das ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Passend dazu setzte ich mir IN den Kopf, dieses Problem irgendwie anzugehen. Mit Nacho nochmal dar├╝ber reden.. Nach Ideen suchen.. Wie auch immer.. So NICHT.

Auf dem R├╝ckweg haben wir dann am Strand noch ein paar Kinder beim Fu├čballspielen getroffen. Mit einem M├╝ll-Styropor-W├╝rfel.. Trotzdem freuten die sich riesig als ich ein paar Spielz├╝ge mit kickte. Wenn man das so nennen kann..;-)

Als mein Shirt vom Schwei├č v├Âllig durchn├Ąsst war und ich mit Nacho und Kai zur├╝ckgehen wollte, da waren beide nicht mehr da.. Hhmm. Ich hatte den Eindruck, dass die Sache mit dem M├╝ll Nacho echt unangenehm war. Ok, dann wird sich auch was bewegen.. Kai wollte, glaub ich einfach nur in unsere H├╝tte. Dem ging es immer noch nicht so gut.

Im Dorf dann angekommen gab es erstmal Mittagessen. Nacho verk├╝ndete uns, dass die Tanzgruppe um ein Uhr schon proben wolle.

Also, kurz duschen, Filmsachen klarmachen und ab zur Arbeit.. Wir waren schon sehr zuversichtlich, ein paar gute Aufnahmen machen zu k├Ânnen.

Auf dem Weg durch das Dorf h├Ârte ich pl├Âtzlich jemanden entfernt rufen ÔÇ×Maattaaas!!ÔÇť Ich musste mich erstmal ein bisschen umschauen, um zu sehen wer denn dort rief. Dann entdeckte ich einen der Seylas vom Morgen. Er stand etwas entfernt am Eingang einer H├╝tte und winkte uns freundlich zu. Es war der Herr, auf dessen Frage ich bei unserer Unterhaltung nochmal eingegangen bin.

Ich freute mich ├╝ber diese Situation. Es zeigte uns, dass wir irgendetwas richtig gemacht haben mussten und wir in dem Dorf immer besser aufgenommen wurden. Es sollte auch nicht das letzte mal sein, dass wir in dem Dorf so freundlich begr├╝sst wurden.

Deutscher P├╝nktlichkeit gem├Ą├č waren wir um ein Uhr dann an dem verabredeten Platz. Ausser uns war dann da noch.. Niemand:-)

Nacho erkl├Ąrte uns, dass es aber in K├╝rze losgehen w├╝rde.. Also warten. Es war sowieso viel zu hei├č und schw├╝l um sonst irgendetwas anderes zu tun. Wir baumelten unter einem Palmblattdach in H├Ąngematten und harrten der Dinge. Gelegentlich kamen dann noch ein paar Kinder beim Spielen vorbei und winkten uns freudig zu.

Dann sah ich eine Kuna-Frau die an einem Seil ein gro├čes Beh├Ąltnis hinter sich her zog. Gef├╝llt mit.. M├╝ll. In Richtung Strand.. Oh Man, wie ein Fluch verfolgte mich diese Sache.

Dann sammelten sich nach und nach die Musiker und T├Ąnzer. Gegen halb drei..

Als es dann endlich losgehen sollte, stellte ich fest, dass der Akku meiner Kamera leer war. Ich bin gerannt..

Belohnt wurden wir dann aber mit einem ordentlichen St├╝ck Kulturgut der Kuna-Indianer. Wir wurden Zeuge einer uralten traditionellen Tanzes. Die Musikinstrumente waren Panfl├Âten, aus Bambus gebastelt. Den Rhythmus gab das einheitliche Stampfen der F├╝├če zur Musik vor.

Und das Tollste, wir durften alles filmen.

Nach dem Tanz gab es dann noch ein Gruppenbild mit allen. Und mindestens genauso lang wie der Tanz gedauert hatte, hielt die Begeisterung aller Teilnehmenden an, als diese sich die Fotos und die Aufnahmen auf den Kameras anschauten. Begeisterung, Erstaunen und Gel├Ąchter.

Bevor es dann dunkel wurde wollten wir noch das Interview mit Nacho machen.

W├Ąhrend dieses Interviews, wird mir immer st├Ąrker bewusst, wie sehr Nacho mit seinem Herz an dieser alten Kultur der Indianer h├Ąngt. Wie wichtig es ihm ist diese Kultur zu erhalten. Wie sehr er darum bem├╝ht ist diese Kultur in die Welt hinauszutragen und bei den Menschen das Interesse f├╝r diese Kultur zu wecken. Ich wei├č, wir haben mit unserem Filmprojekt Verantwortung ├╝bernommen. Ich m├Âchte Nacho auf keinen Fall entt├Ąuschen. Und ich glaube, er wei├č dass ich so denke..

Vor dem Abendessen laden wir nochmal die Akkus der Ger├Ąte und sichern die Filmaufnahmen.

Dann wird schon alles f├╝r unsere Abreise am n├Ąchsten Tag verpackt.

W├Ąhrend wir zusammen mit Nacho zu Abend essen, sprechen wir noch ├╝ber die n├Ąchsten Tage.

Der Plan war es, nach einem kurzen Stop in Puerto Obaldia.., den gesamten Tag mit dem Boot in Richtung Cart├ş zu fahren. Unterwegs wollte Nacho mit uns noch an anderen D├Ârfer halten und uns herumf├╝hren.

Nach einer ├ťbernachtung auf einer Insel sollte uns die letzte Etappe dann schlie├člich nach Cart├ş bringen, von wo aus wir dann alle M├Âglichkeiten zum weiter reisen h├Ątten.

Ich frage ihn noch nach einer netten Insel zum Erholen. Irgendwie dachten wir uns, h├Ątten wir nach der vielen Arbeit mal eine Insel verdient.. Einfach nur ausspannen und die Seele baumeln lassen.

Auch daf├╝r, sagte Nacho, h├Ątte er eine gute Adresse f├╝r uns. Und wie sehr er Recht behalten sollte..:-))

Dann ging es schlafen. Wir waren mal wieder total ausgelaugt. Und obwohl ich auch v├Âllig fertig war, arbeitete mein Kopf noch auf Hochtouren um die gesamten Eindr├╝cke der letzten drei Tage zu verarbeiten.

Inzwischen war mir auch dieser verr├╝ckte Hahn v├Âllig egal.

 

Am n├Ąchsten Morgen ging es wieder fr├╝h aus dem Bett. Als ich vom Duschen zu unserer H├╝tte zur├╝ck kam, erwartete uns schon Nacho mit einer Sackkarre f├╝r unser Gep├Ąck -der denkt wirklich an alles-..

Nach einem kleinen Fr├╝hst├╝ck zeigte verabschiedeten wir uns zuerst von Nacho┬┤s Familie, und hatten die M├Âglichkeit bei Nachts Frau noch ein paar sehr sch├Âne Molls zu erwerben.

Dann zeigte uns Nacho noch sein Recycling-Projekt. Ich war sehr gespannt was mich erwartet.

Er f├╝hrte uns zu seinem Gem├╝sebeet.. Dort konnte ich das Projekt bestaunen.

Etliche Kunststoffflaschen waren mit dem Flaschenhals nach unten in den Boden vergraben, und umgrenzten somit das Gem├╝sebeet. Eine ├Ąhnliche Konstruktion kenne ich aus meinem Garten. Ich benutze Backsteine um das Gem├╝sebeet gegen wild wucherndes Unkraut zu sch├╝tzen.. Hhhmm.. Gew├Âhnungsbed├╝rftig, aber eigentlich nicht schlecht denke ich. Nacho ist sehr stolz und ich begl├╝ckw├╝nsche ihn zu dieser tollen Idee.

Aber mir wird eines nochmal sehr tragisch bewusst.. wenn solche Konstruktionen die bisher einzigen Recycling-Ma├čnahmen ausmachen.. ..dann ist das der Tropfen auf den hei├čen Stein. Naja, denke ich mir.. der Wille ist da.. das ist ausbauf├Ąhig.. Hier muss einfach etwas getan werden..

Uns sollte eine noch kuriosere ÔÇ×Recycling-MethodeÔÇť erwarten..

Aber auf dieses Thema werde ich ganz am Ende meines Blogs nochmal eingehen.

 

Jetzt jedenfalls war es an der Zeit uns bei allen zu verabschieden und die Weiterreise anzutreten.

Nacho, Jesus und Lomberto halfen uns das Gep├Ąck zum Boot zu bringen. Die ersten Sprit-Vorr├Ąte wurden verladen.

Dann ging es los und ich sofort stellte wir fest, dass Nacho, Jesus und Lomberto ein eingespieltes Team waren.

Nacho war der K├Ąptn. Ihm geh├Ârte schlie├člich das Boot. Lomberto war am Motor und steuerte das Boot. Und Jusos stand mit einer Stange in der Hand am Bug des Bootes und lotste Lomberto durch seichtes Wasser oder machte ihn auf etwaige Gegenst├Ąnde im Meer aufmerksam, um mit diesen nicht zu kollidieren. Wie gut die Gemeinschaft zwischen diesen Dreien war sollten wir sp├Ąter noch besser kennenlernen.

Als wir Armila ├╝ber den Fluss in Richtung Meer verliessen waren wir sehr gespannt.

Dazu mischten sich noch weitere Gef├╝hle. Zum einen waren wir gl├╝cklich. Das gesamte Projekt lief extrem gut an. Wir hatten einen tollen Zugang zu den Indianern gefunden und fantastische Erfahrungen und Aufnahmen gesammelt. Wir haben tolle Menschen kennengelernt und sehr viel ├╝ber die Kultur der Kuna erfahren. Es war extrem anstrengend und wir waren auch etwas froh, dass jetzt ein neuer Abschnitt unserer Reise bevor stand.

Ich war aber auch etwas traurig.. Es war unglaublich wie sehr man die Entwicklung unserer Beziehung zu den Indianern verfolgen konnte. Von anf├Ąnglichen Misstrauen zu einer freundlichen Neugier und einer beginnenden Aufgeschlossenheit.

Wenn man wei├č, wie verschlossen die Kuna Kameras gegen├╝ber sind war ich zu diesem Zeitpunkt sehr stolz ├╝ber das was wir in nur drei Tagen erreicht hatten.

Nat├╝rlich fragte ich mich wie es w├Ąre, wenn wir uns noch mehr Zeit f├╝r diesen Ort genommen h├Ątten.. Wenn wir uns noch besser klimatisiert h├Ątten, und somit mehr Energie in die Gespr├Ąche h├Ątten einfliessen lassen k├Ânnen..

Aber wir waren schon sehr zufrieden. Schlie├člich sollte diese Reise zuerst nur eine Aufkl├Ąrungsreise werden.

Und alleine der Umfang meines Blogs sollte schon zeigen wie unglaublich viele Eindr├╝cke wir gesammelt haben.

Au├čerdem standen uns noch ein paar Tage im Indianergebiet bevor.. Also richteten wir unseren Blick weiter nach vorne und freuten uns auf das was kam..

 

Wir hatten den Fluss bereits verlassen, die Brandung ├╝berwunden und Lomberto beschleunigte das Boot.

Wieder unterwegs.. mit dem Boot ├╝ber das Meer im Indianergebiet. Dazu eine fantastische Aussicht auf den undurchdringlichen Dschungel im Darien-Gap*

 

Toll ­čÖé

Einziger Wermutstropfen war der bevorstehende Stop in Puerto Obaldia.. aber das folgt in der Fortsetzung.. ­čśë

..

Also ging es mit dem Boot erstmal nach Puerto Obaldia. diesen Ort hatten wir auch schon nach kurzer Zeit erreicht.

Nacho hatte am Morgen etwas gedr├Ąngt. Er meinte, dass wir vor dem Boot aus Capurgan├í dort sein sollten. Wegen m├Âglicher weiterer Kunden, um unsere Kosten zu reduzieren. Er meinte es wirklich gut mit uns..

Ich hatte mir kurz ├╝berlegt, ob mir die Kosten nicht einfach egal sein sollten.. Nur nicht mehr in dieses Nest zur├╝ck..

Aber wir mussten ja sowieso noch zu diese Hafenbeh├Ârde.. So hei├čt die. H a f e n b e h ├ r d e.. oder so ├Ąhnlich..

Egal, ich hatte KEINE Lust.

 

Jedenfalls landeten wir vor der Milit├Ąrstation mit unserem Boot an. Es war ca. 9 Uhr.

Und wieder.. Alles Gep├Ąck zur Durchsuchung ausladen. Zu diesen BEAMTEN.. zur Durchsuchung.. Maaaan. Egal, m├Âglichst schnell alles hinter uns bringen..

Wir trugen unsere Sachen zu dem ÔÇ×SchalterÔÇť, welcher lediglich aus einem alten langen verrottenden Holztisch bestand.

Auf dem Weg dorthin zeigte Nacho auf ein gerade in die Bucht einbiegendes Boot.

Das Boot aus Capurgan├í. Und so wie ich erkennen konnte, waren dort auch einige ÔÇ×GringosÔÇť auf dem Boot. Also Leute aus den USA oder Europa..

Aber erstmal die B├╝rokratie hinter uns bringen.

Diesmal allerdings waren die Leute recht entspannt.. Sie wussten wir waren mit Nacho dort.

Aber die Milit├Ąrs registrierten auch, dass wir diese Prozedur inzwischen kannten. Wir wurden nicht mehr ganz so abf├Ąllig behandelt. Das war das Milit├Ąr und die Polizei.. Wir sollten ja noch zur Hafen-, Wasser-, Meeres-Beh├Ârde. Oder wie auch immer sich dieses Amt schimpft.

Wir standen gerade am Durchsuchungstisch, als Nacho ganz aufgeregt hinzu kam und mir signalisiert ich sollte schnell zum Ufer kommen. Die Leute von dem Boot aus Capurgan├í steigen gerade aus. Und es w├Ąren Ausl├Ąnder dabei.. Schnell, schnell..!!

Ich habe kurz ├╝berlegt. M├Âglicherweise Europ├Ąer..!?

ÔÇ×Nacho, die m├╝ssen doch sowieso hier vorbei und sich ihr Gep├Ąck durchsuchen lassen..!?ÔÇť – ÔÇ×Ja stimmt, wieso?ÔÇť

Ich erkl├Ąrte es ihm.

ÔÇ×Wenn das Europ├Ąer sind, und ich direkt auf sie losst├╝rze, und ihnen ein Angebot mache, mit uns im Boot ├╝ber zwei Tage nach Cart├ş zu fahren.. Dann ist es egal wie gut das Angebot ist.. Die werden es ausschlagen..ÔÇť – ÔÇ×Warum das denn? Das ist doch eine tolle Tour..!?ÔÇť – ÔÇ×Ja, aber wer einem im Ausland etwas aufdr├Ąngen will, der will einen erstmal ├╝ber┬┤s Ohr hauen.. so ist die allgemeine Meinung.., man wird erstmal ablehnen. Auch wenn das Angebot gut ist.. Das ist Misstrauen.. Vertrau DU jetzt mal MIR..!ÔÇť

Nacho┬┤s Gesichtsausdruck sah v├Âllig entgeistert aus. ÔÇ×Ok, Mattiass. In diesem Punkt bist wohl Du der Fachmann.ÔÇť

 

Wir waren noch mitten in der Durchsuchung, als die Personen aus dem Boot sich an dem Tisch anstellten. Augenscheinlich konnte ich vier ÔÇ×GringosÔÇť ausmachen, und versuchte ihre Sprache zu verstehen. Ich h├Ârte Englisch. Kein Amerikanisches. Gut. Das kam von zwei jungen Backpackern. Da war da noch ein P├Ąrchen.

Alle standen, wie jeder Rucksacktourist der das erstmal in Puerto Obaldia ist, vor diesem Tisch und sahen angesichts dieser Pr├Ąsenz von Milit├Ąr und Polizei mit ihrer Bewaffnung ziemlich eingesch├╝chtert aus. Die barschen Anweisungen auf Spanisch taten den Rest.

Eingesch├╝chtert und fragend schauten sie sich an.. Oje, dachte ich nur.. Die sprechen noch nichtmal Spanisch. Und solch eine Tour..!?

Kontakt herstellen.. ­čśë

├ťbrigens Leute, diese Unterst├╝tzung h├Ątte ich auch ohne einen gesch├Ąftlichen Hintergedanken gemacht. – nur mal so am Rande:-)

 

Ich erkl├Ąrte ihnen die Prozedur auf Englisch, und sie h├Ârten mir aufmerksam und dankbar zu.

Die Durchsuchung, die Einreise, die Passkopien, die offizielle Einreise und die.. .. Wasserbeh├Ârde..

Ich konnte in Erfahrung bringen, dass die beiden Typen aus England kamen, und das P├Ąrchen aus Holland.

Sie bedankten sich mit den Worten, ich sollte doch als Reiseleiter arbeiten..;-))

Perfekte ├ťberleitung..

Jetzt kam ich auf unsere tour zu sprechen und fragte sie, ob sei denn schon Pl├Ąne zur Weiterreise h├Ątten. Das P├Ąrchen hatte bereits Tickets f├╝r ein Propellerflieger.

Die waren also raus.

Die Engl├Ąnder allerdings h├Ątten noch keine Pl├Ąne. Und nach dem Durchsuchungseinstand wollten die weiter. So viel stand fest. Und es wir dort ja nicht besser.

Sie meinten es g├Ąbe doch ein Boot nach Cart├ş..!? Ja. Antwortete ich. Das geht direkt Vollgas durch ganz Kuna Yala durch und f├Ąhrt den ganzen lieben langen Tag.. bum bum bum.. die Wellen.. Und von der tollen Gegend und dem Land der Kuna (Kuna Yala) bekommt man nichts mit.

So ist es eben in Kuna Yala.. Man kann zwar durchreisen, aber man kann dieses Land nur sehr schwierig bereisen.. Dies ist nur mit den richtigen Kontakten m├Âglich. Ich hatte es ja selber schonmal auf eigene Faust probiert.. Ging in die Hose..

Also erz├Ąhlte ich von unserer geplanten Tour. Dass wir sowieso fahren w├╝rden, uns aber ├╝ber weitere G├Ąste freuen w├╝rden um die Spritkosten zu reduzieren.

Ich machte ihnen ein Angebot, welches pro Person nur wenig h├Âher lag als der Preis f├╝r das Expressboot. Wir hatten schlie├člich unsere Indianercrew und waren somit perfekt f├╝r die kommenden zwei Tage aufgestellt. Ausserdem w├╝rden Kai und ich trotzdem noch den Hauptteil der Kosten tragen. Das klang fair. War es auch.

Sie schauten sich kurz an und hatten nach ca. zwei Sekunden die Entscheidung getroffen. Bingo!!

Das holl├Ąndische P├Ąrchen h├Ârte genau zu. Beide haben dann entt├Ąuscht die Schultern h├Ąngen lassen.. ÔÇ×Mist, wir haben schon den FlugÔÇť

Nacho stand am Rand und hatte die gesamte Szenerie genau verfolgt ohne ein Wort zu sagen.

Als wir kurz einen Blick wechselten und ich ihm Daumen hoch signalisierte staunte er nicht schlecht und meinte ich m├╝sse ihm noch mehr ├╝ber den Umgang mit den Touristen beibringen.

Auf diese Sache komme ich ebenfalls am Ende meines Blogs nochmal zur├╝ck..

 

Jesus soll die beiden Engl├Ąnder begleiten. Sie m├╝ssen schlie├člich noch zum Milit├Ąr, die P├Ąsse kopieren, zur Einreise und zur Hafenbeh├Ârde.

Die beiden freuen sich ├╝ber die Begleitung von Jesus. Und ich wei├č, dass sie in guten H├Ąnden sind. Schlie├člich hatte uns Jesus am ersten Tag auch wunderbar geholfen.

Kai bleibt bei unserem Gep├Ąck. Nicht nur weil sp├Ąter nichts weg sein soll, sondern auch weil wir nicht mehr mitnehmen wollen als beabsichtigt.. ..

Ich gehe mit Nacho ins Dorf. Ich m├Âchte noch meine restlichen kolumbianischen Pesos gegen US-Dollar eintauschen. Neben dem Balboa-Dollar die zweite offizielle W├Ąhrung in Panam├í. Der Wert beider W├Ąhrungen ist der selbe.

Aber hier gibt es keine Wechselstube.. Nacho ruft auf der Stra├če einen Bekannten nach dem anderen heran. Jeder wechselt mir einen Betrag.

Ich f├╝hle mich etwas unwohl. Schlie├člich habe ich eine Menge Bargeld umzutauschen. Aber es l├Ąuft gut, und der Kurs ist absolut ok. Ich f├╝hle mich in Nacho┬┤s Gegenwart sicher.

Ich ├╝berschlage nochmal unsere Finanzlage, und bin froh, dass ich in Medellin ausreichend Geld abgehoben hatte.

Aus leidlicher Erfahrung wusste ich, dass, nachdem man in Medellin in den Flieger nach Capurgan├í gestiegen ist, keine M├Âglichkeit mehr besteht irgendwo Geld abzuheben.

Also hatte ich die Kreditkarte in Medellin zwei Tage lang bis ans Limit gl├╝hen lassen.. ­čÖé

Wir sind gerade in einem kleinen Kiosk und ich warte auf eine weitere Wechselrate, als ich die beiden Engl├Ąnder ├╝ber die Stra├če gehen sehe. Sie sehen gestresst, entt├Ąuscht, m├╝de und genervt aus.. Und das in Puerto Obaldia.. Welche ├ťberraschung. Ich gehe zu ihnen und frage wie┬┤s l├Ąuft.. Scheisse. Es h├Ątte alles wunderbar geklappt bis zur Hafenbeh├Ârde. Die sagten, dass sei mit dem Expressboot zu fahren h├Ątten.

Was soll das denn? Frage ich mich und erkl├Ąre es Nacho. Er rollt sofort entt├Ąuscht und genervt die Augen. Aber ich sehe in seinem Gesichtsausdruck auch, dass er irgendetwas genau begriffen hatte. Und..!? Sag ihnen, sie sollen denen sagen, dass sie unbedingt mit mir fahren wollen und nicht mit dem Expressboot. Ja, kannst Du denn nicht da hingehen und mit denen reden? Frage ich Nacho. Er schreckt zur├╝ck und winkt vehement mit beiden H├Ąnden ab. Auf keinen Fall. Das w├╝rde ├ärger geben. Wieso habe ich den Eindruck dass ich irgendetwas nicht verstehe, aber trotzdem ahne was dahintersteckt..? Wir sind in f..cking Puerto Obaldia..

Die Engl├Ąnder starten zu ihrem zweiten Versuch..

Ich bekomme mein restliches Wechselgeld gebracht und gehe mit Nacho zur├╝ck zum Boot. Ich w├╝rde gerne los. Dieses Nest hinter mir lassen. Aber wir wollen auf die Engl├Ąnder warten.

Nach ca. einer halben Stunde kommen sie zur├╝ck. Zu den Gesichtsausdruck von vor ca. einer Stunde konnte ich jetzt noch den Gesichtsausdruck erkennen der Geschlagenheit widerspiegelt. Mist!!

Was haben diese Typen denn dar├╝ber zu bestimmen mit welchem Boot die Jungs fahren? Frage ich Nacho. Der winkt nur genervt ab und erkl├Ąrt mir, dass sie darauf bestehen m├╝ssen.

Ich bin genervt und werde langsam sauer. In Puerto Obaldia. Mal wieder..

Ich beschlie├če, die beiden zur Hafenbeh├Ârde zur begleiten und bin mir in diesem Moment nicht sicher, ob das eine gute Entscheidung ist..

Als wir zu Dritt in das B├╝ro kommen, sehe ich dort ca. 8 Personen. Die meisten sind Offizielle und haben eine Marke um den Hals baumeln.

Schon beim Betreten des B├╝ros st├╝rmt eine Person mit Halbschuhen, Jeans und Kurzarmhemd auf mich zu. Er begr├╝sst mich mit auffallend freundlichen und betont akzentfreien Englisch mit den Worten ÔÇ×Helo Mister. How are you?ÔÇť

Diese heuchlerische Begr├╝├čungsfloskel wird durch ein aufgesetzt freundliches Grinsen unterstrichen.

Er sieht nach dem Chef aus und wei├č offensichtlich schon genau um was es geht.

Ich steige mit Spanisch ein und erkl├Ąre ihm unser Anliegen. Noch bevor er antworten kann, blafft ein Offizieller aus dem Hintergrund von seinem Schreibtisch, dass die beiden Engl├Ąnder mit dem Expressboot zu fahren h├Ątten..

Warum?

Weil es das einzige Boot nach Cart├ş w├Ąre, und deutet auf einen in der Mitte sitzenden jungen Mann. Ich erkenne ihn als einen Bootfahrer wieder, der auch mich bei Ankunft in Puerto Obaldia angesprochen hat, ob ich mit ihm nach Cart├ş fahren wolle.

Dieser l├╝mmelt sich auf einem Drehstuhl rum und streckt die Beine weit von sich in den Raum. Seine Daumen hat er wie ein Cowboy hinter dem Hosenbund vergraben. Dazwischen quillt ein leichter Bauch unter dem abgewetzten T-Shirt hervor. Er grinst nur und blafft in dem selben Ton, dass die Engl├Ąnder mit ihm zu fahren h├Ątten.

Alle anderen in dem Raum haben die Arme vor der Brust verschr├Ąnkt und nicken nur zustimmend. Sie schauen uns herablassend an..

In diesem Moment wei├č ich, dass es keine gute Idee war hierher zu kommen.

Ich spreche das Boot von Nacho an.

ÔÇ×Nein, nein. Das ist voll!ÔÇť

Wie bitte!!? Da passen zw├Âlf Passagiere rein. Und wir sind zu zweit.

ÔÇ×Nein, die m├╝ssen mit dem Expressboot fahren!ÔÇť

Es kribbelt.. Bevor mir total die Hutschnur hochgeht beschlie├če ich die Segel zu streichen. Schlie├člich will ich in erster Linie diesen Ort hier verlassen und durch Kuna Yala. Und das passende Boot. Mein Pass und Gep├Ąck sind nur wenige hundert Meter von hier startbereit..

Ich wende mich an die entt├Ąuschten Engl├Ąnder. Sie haben verstanden.

Doch bevor ich das B├╝ro verlasse muss ich wenigstens ein bisschen Dampf ablassen.

Ich sage ihnen nur dass ich genau w├╝sste warum die beiden mit dem Expressboot fahren sollten. Und das sie alle kein besonders gutes Aush├Ąngeschild f├╝r ein, dem Tourismus aufgeschlossenes Panam├í w├Ąren.

Sie haben es wenigsten hingenommen. Ob sie es interessiert hat sei dahingestellt. Jedenfalls musste ich das loswerden.

Haken dran. Und weg hier.

Ich verabschiede mich von den beiden Engl├Ąndern und w├╝nsche ihnen trotz dieser miesen Erfahrung noch alles Gute f├╝r die Reise. Ich sagte ihnen, dass es ab jetzt nur besser werden kann.

Dann eile ich zum Boot. Nur hier weg. M├Âglichst weit..

 

Nacho wundert das alles nicht.

Die Engl├Ąnder waren von ihm nicht angemeldet.

Klaro, der Expressbootfahrer muss auf seine Passagierzahl kommen. Sonst lohnt sich f├╝r ihn die Fahrt nicht.

Die Entscheidung der Offiziellen wird sich f├╝r sie schon gelohnt haben..

Wir laden alles ein.

Dann legen wir ab. Nur wir f├╝nf. Und ich denke mir: Is doch egal, wir haben eine extrem gute Zeit hinter uns. Uns erwartet eine tolle Bootstour. In einer tollen Ecke der Welt. Mit einer tollen Crew. Und wer wei├č schon, wozu es gut ist, dass Kai und ich die einzigen Passagiere auf dem Boot sind.. Also los..

 

Weiter, weiter..

 

Puerto Obaldia ist auf unserer tollen Bootsfahrt -ich fahre f├╝r mein Leben gerne Boot- schnell vergessen. Schlie├člich muss ich da ja auch nicht mehr hin zur├╝ck. Zumindest dieses Jahr nicht mehr.. ­čśë

Das Meer ist glatt und das Wetter super. Was hier nicht immer eine Selbstverst├Ąndlichkeit ist.

Wir kommen gut voran.

 

Nacho erkl├Ąrt uns, dass er uns noch zwei traditionelle Kuna D├Ârfer zeigen will. Dort hat er Verwandtschaft und gute Freunde.

Diese D├Ârfer seien, wie Armila, noch in dem Kuna-Gebiet, wo sich keine Touristen hin verirren.

 

Na dann mal zu.. Wir sind bereit..

Ich lehne mich zur├╝ck und genie├če die Fahrt. Jesus und Lomberto machen das super. Sie sind ein eingespieltes Team.

Nacho liegt ebenfalls entspannt zur├╝ckgelehnt und schaut aufs Meer.

Ich sehe in seinem Gesicht, dass er zufrieden ist und es scheint, dass ihn diese Reise freut. Das wiederum freut mich.

 

Nach nicht allzu langer Fahrt erreichen wir den Ort Anachuncuna. Auch hier gibt es keinen Anleger.

Lomberto steuert das Boot nach der Anweisung von Jesus an den Strand.

Es ist viel los in diesem Ort. Ich sehe auch einige Seylas. Den ein oder anderen erkenne ich aus Armila wieder.

Nacho erkl├Ąrt uns, dass all diese Menschen zu einer Beerdigung gekommen seien.

Ein Seyla ist gestorben, und alle Angereisten erweisen ihm bei der Trauerzeremonie die letzte Ehre. Huh, denke ich. Hoffentlich st├Âren wir da niemanden. Darauf war ich ja ├╝berhaupt nicht vorbereitet. Wie verhalte ich mich blo├čÔÇŽ?

Ach, ich sch├╝ttle die Gedanken ab. Wir haben ja schlie├člich Nacho. Der wird uns schon sagen was wir zu tun und zu lassen haben.

Wir schlendern durch das Dorf und begr├╝ssen die Menschen freundlich mit ÔÇ×Nuedi!ÔÇť – ÔÇ×Hallo!ÔÇť ­čÖé

Dann kommen wir zu einer H├╝tte die aus Stein gebaut ist. Dort wohnt Nacho┬┤s Bruder der auch gleich hinauskommt, uns freundlich begr├╝sst und uns in seine H├╝tte bittet.

Dort angekommen holt er uns St├╝hle, stellt sie mitten in den Raum und bittet uns Platz zunehmen.

Mir f├Ąllt als erstes ein Konstrukt an der Wand auf. Es sind unz├Ąhlige gleichartige leere Plastikflaschen. Alle Flaschen sind mit kleinen L├Âchern versehen durch sie Seile gezogen wurden, um sie alle miteinander zu verbinden.

Was ist das dennÔÇŽ? Es sieht aus wie eine Wand an der Wand.

Dann f├Ąllt mir auf, dass Nacho┬┤s Bruder uns die St├╝hle nicht einfach so mitten in den Raum gestellt hat. Nein, wir sitzen alle, nicht zuf├Ąllig, in einem leichten Halbkreis mit Blick auf diese Wand. Es war pure Absicht wie diese St├╝hle gestellt wurden. Aber warum..?

Aber Nacho hatte die L├Âsung. V├Âllig ehrfurchtsvoll bekundete er, mehr in den Raum als zu seinem Bruder auf Spanisch:

ÔÇ×Aahhh, das ist also DEIN Recyclingprojekt..!?ÔÇť Ich verstand.. Kai nicht.. ÔÇ×Matzke, was ist das? Irgendwie so eine Bade-Luftmatratze..?ÔÇť

Oh Gott, jetzt blo├č nicht loslachen und ernst bleibenÔÇŽ

Das viel mir umso schwerer, weil es in dem Raum totenstill wurde. Nacho starrte v├Âllig gebannt auf diese Wand, w├Ąhren sein Bruder, ├╝bersch├Ąumend vor Stolz, in seinem Stuhl sa├č, ebenfalls schweigend auf diese Wand schaute und dabei freudig zufrieden nickteÔÇŽ

Nach einer gef├╝hlten Ewigkeit bekundete Nacho erneut v├Âllig and├Ąchtig: ÔÇ×Eine wirklich wahnsinnig tolle Idee f├╝r ein Recyclingprojekt!!ÔÇť

Wir schauten weiter auf die Wand. Bis sich der Bruder von Nacho erhob, strahlend in einem Nebenzimmer verschwand, um kurz darauf mit einer weiteren Flaschenwand den Raum zu betreten. Auch diese wurde uns stolz pr├Ąsentiert.

Nacho war sprachlos und begl├╝ckw├╝nschte seinen Bruder zu so einer unglaublichen Raffinesse.

 

Wir wechselten noch ein paar Worte und schlenderten dann weiter durch das Dorf.

Nacho┬┤s Bruder verabschiedete uns freundlich, w├╝nschte uns eine tolle Reise, und wir sollten doch bald wieder kommen.

Mir ging allerdings diese Flaschenwand nicht aus dem Kopf. Ich musste wieder an diesen ganzen M├╝ll denken.

Dann dachte ich mir, hey, was f├╝r uns selbstverst├Ąndlich ist, muss es woanders noch lange nicht sein.

Diesen Menschen hat man einfach noch nichts ├╝ber Recycling-Methoden erz├Ąhlt. ├ťber die M├Âglichkeiten, die Notwendigkeit und dessen Sinn. Woher sollen sie es wissen.

Ich habe Orte in Lateinamerika gesehen, da waren die Menschen sehr wohl ├╝ber Recycling aufgekl├Ąrt und hatten auch entsprechende M├Âglichkeiten. Aber da wurde nichts daraus gemacht. Es sah grausig aus und die Leute k├╝mmerte es nicht.

Umso mehr verdienen Nacho und sein Bruder den Respekt f├╝r ihre Ideen, ihr Engagement und ihren Kampf f├╝r das Ziel andere Menschen ebenfalls dazu zu bewegen und das M├╝llproblem in den Griff zu bekommen. Es muss immer jemand anfangen.

Und schon hatte ich ein schlechtes Gewissen und f├╝hlte mich eingebildet weil ich mich eben gedanklich dar├╝ber lustig gemacht habe..

Aber, ich beabsichtigte an diesem Thema dran zu bleiben.

 

Wir schlenderten weiter durch das Dorf und mir fielen zunehmend mehr Personen in den kleinen Stra├čen auf, die eine kleine Mahlzeit zu sich nahmen.

Alle a├čen das selbe. Eine kleine Sch├╝ssel mit Nudeln und Reis. Was sollte das?

Bis wir an einer recht gro├čen Bambush├╝tte ankamen. Ich kannte diese Art der H├╝tten aus Armila.

Sie wurden f├╝r ├Âffentliche Veranstaltungen oder Versammlungen der Indianer genutzt.

Wir blieben kurz vor der H├╝tte stehen, und Nacho sprach zu einigen Dorfbewohnern.

Dann wendete er sich mit ernster Miene zu uns, und erkl├Ąrte, dass in dieser H├╝tte die Totenzeremonie des Verstorbenen stattf├Ąnde. Also war das in diesen Schalen der Leichenschmaus..

Nacho sagte, wir (und damit meinte er Kai und mich) h├Ątten die Erlaubnis dort einzutreten und dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Wir sollten einfach hinter ihm hergehen, und tun was er tut.

Letzteres h├Ątte er mir nicht sagen m├╝ssen.. Wir waren auf diese Situation v├Âllig unvorbereitet.

Nat├╝rlich sollten wir an diesem Ort nicht filmen. Aber auf diese Idee w├Ąren wir auch nicht gekommen. Aus Respekt vor allen Beteiligten starteten wir auch keinen Versuch.

 

In der H├╝tte war es dunkel. Die Luft war mit Rauch und Petroleumdampf erf├╝llt.

In der Mitte der H├╝tte hing eine H├Ąngematte. Darin befand sich der Leichnam des alten Seyla.

Dieser war f├╝r diese Verh├Ąltnisse vornehm gekleidet wie man das Erscheinungsbild von den Seylas kennt.

Stoffhose, ein Hemd und Hut.

Geschm├╝ckt war der Leichnam mit unz├Ąhligen Blumen. Teilweise ineinander verflochten.

Um die H├Ąngematte herum sa├čen ca. ei Dutzend Personen. Haupts├Ąchlich Frauen.

Viele sa├čen schweigend da, teilweise den Kopf traurig an den Nachbar gelehnt. Andere weinten.

Ich folgte Nacho in einen hinteren Teil der H├╝tte auf einfache Holzb├Ąnke.

Darauf standen die Schalen mit dem Essen. Wir hielten uns ca. 15 Minuten in der H├╝tte auf und a├čen unsere Schale leer.

Dann standen wir bed├Ąchtig auf und gingen Richtung Ausgang. Ich wu├čte nicht so richtig was ich tun sollte.

Mein Beileid w├╝nschen..? Werde ich hier ├╝berhaupt verstanden..? Nacho ging zu dem Verstorbenen und redete einige Worte. Er sprach auf Spanisch und ich hatte den Eindruck, er tat dies um uns verstehen zu lassen welche Worte er w├Ąhlte..

Er verabschiedete sich und lobte den Verdienst des alten Seylas. Sp├Ąter erkl├Ąrte er mir, dass mit diesem Seyla eine gro├če Bibliothek beerdigt werden w├╝rde. Anfangs verstand ich nicht. Nacho meinte das Wissen des Alten. Dieser w├Ąre in dem Bereich der Naturmedizin und Naturheilkunde sehr gelehrt gewesen.

 

Wir traten aus der dunklen H├╝tte in das helle Sonnenlicht nach drau├čen. Ich war von dieser bizarren Situation noch wie benebelt.

Wir verabschiedeten uns von allen und schlenderten noch etwas durch das Dorf. Vereinzelt gelangen uns noch ein paar Aufnahmen. Dann ging┬┤s zur├╝ck zum Boot.

 

Unser n├Ąchstes Ziel w├Ąre ein weiteres Kuna-Dorf mit dem Namen Carreto. Auch dieses Dorf w├Ąre ein sehr traditionelles Kuna-Dorf.

Ich freute mich schon, und genoss die weitere Bootsfahrt. Dann dachte ich mir, wer wei├č wozu das gut war, dass uns die beiden Engl├Ąnder nicht begleiten konnten.

Schlie├člich ist das Auftreten von zwei Europ├Ąern, welche Nacho pers├Ânlich bekannt sind, ein anderes Auftreten als von Vieren.. Vielleicht h├Ątten wir gar nicht die M├Âglichkeit gehabt auch hier nochmal so tief in die Kultur der Indianer einzusteigen.

 

Carreto ist den beiden anderen, uns bekannten, Kuna D├Ârfern ganz ├Ąhnlich.

Eine Sache ist uns aber gleich nach der Landung am Strand aufgefallen.

Auf einem kleinen Berg im Dschungel ├╝ber dem Dorf befand sich ein kleines weiters Dorf. Augenscheinlich geh├Ârte es zu dem eigentlichen Ort Carreto, war aber durch seine exponierte Lage wohl nur sehr schwer zu erreichen.

Ich fragte Nacho, was es denn mit dieser kleinen Ortschaft aus Bambush├╝tten auf sich h├Ątte.

Dies sei kein kleines Dorf, erkl├Ąrte er mir. Sondern der Friedhof von Carreto.

Dort werden die Toten, ausgestattet mit Verpflegung und sonstigen Gebrauchsutensilien f├╝r das Leben nach dem Tod, verbracht.

Wow, das war uns neu.

Als k├Ânne Nacho meine Gedanken lesen, f├╝gte er hinzu, dass dies ein sehr heiliger Ort w├Ąre, und das Betreten strengstens verboten sei. Ok.

Wir gingen weiter durch das Dorf, und Nacho gr├╝├čte vereinzelt einige Bekannte. Wenn ich genau ├╝berlege, kannte er glaube ich jeden.. So wie in ganz Kuna Yala..;-)

Unterwegs erkl├Ąrt mir Nacho freudig, dass wir einen Fahrgast mit an Bord nehmen w├╝rden, und sich unser Gesamtpreis somit etwas reduzieren w├╝rde. Obwohl es mir inzwischen nicht mehr so wichtig war, freute ich mich trotzdem. Denn unser Gast sollte ein Kuna-Indianer sein, der zu dem bereits erw├Ąhnten Tanzfest in Cart├ş wollte. Er w├╝rde dort mit einer Gruppe im Wettbewerb antreten.

Schlie├člich kamen wir bei einer Bambus-Umz├Ąunung zu einem Grundst├╝ck mit mehreren H├╝tten an. Wir wurden hineingebeten.

Die Atmosph├Ąre war locker. Irgendwie hatte ich den Eindruck, als h├Ątten wir unseren Bekanntheitsgrad aus Armila mitgenommen, und die Leute w├Ąren weniger zur├╝ckhaltend uns gegen├╝ber. vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, und wir haben ein sicheres Auftreten. Wo es aber geht,unterst├╝tzt uns Nacho bei der Herstellung von Kontakten zu den Indianern.

Aber auch deren Interesse ist gro├č. Wir finden schnell in Gespr├Ąche. Toll. Nacho signalisiert uns nach einigen Minuten, dass wir unsere Kameras auspacken k├Ânnen. Kai filmt drauf los, und uns gelingen wieder ein paar tolle Aufnahmen.

In ausgeh├Âhlten Baumst├Ąmmen sind Kakaobohnen zum Trockenen ausgelegt und man erkl├Ąrt uns deren Weiterverarbeitung.

Eine der spannendsten Aufnahmen gingt uns allerdings, als wir eine ├Ąltere Kuna-Dame bei ihrem Handwerk filmen d├╝rfen. Sie sitze im Eingang einer Bambush├╝tte und fertigt in geduldiger Handarbeit ein Mola. Der traditionelle Kleidungsschmuck der Kuna, ├╝ber den ich bereits geschrieben habe.

Aber dann kam┬┤s. Nachdem sich Nacho mit einer Dame unterhalten hat, sagte er uns, dass die Dame gerne ein Foto von ihrem kleinen Kind gemacht h├Ątte.

Das Foto sollten wir dann Nacho auf seine E-Mail Adresse nach Panamá-Stadt schicken, wo er es ausdrucken, und dieser Frau dann mitbringen würde.

Ok, klaro. Gerne.

Die Frau trug das kleine Kind aus der H├╝tte. Als es uns mit diesen schwarzen Ger├Ąten in den H├Ąnden sah guckte es schon v├Âllig ver├Ąngstigt und fragend.

Dann wurde es auf einen Stuhl gesetzt und der Blick des kleinen Kindes verwandelte sich in einen panischen Gesichtsausdruck. Oh Gott, was tu ich hier fragte ich mich und Nacho signalisierte mir zu fotografieren.

Als ich die Kamera anhob, und das Kind mich damit sah, fing es aus vollem Herzen an zu schreien. Alle anderen Erwachsenen lachten.

Ich nahm die Kamera runter und versuchte es nach kurzer Zeit erneut. Es wurde noch schlimmer..

Ich konnte das nicht.

Ich signalisierte Nacho, dass er die Kamera nehmen, und diesen Job ├╝bernehmen solle.

Als er es geschafft hatte, fiel mir ein Stein vom Herzen und aus einer anderen H├╝tte wurde ein weiteres Kind gebracht.. ..

 

Kai, der ja professioneller Filmer ist, gelang es die gesamte Situation versteckt aus einiger Entfernung zu filmen..

Na wenigstens etwas.

Als alles vor├╝ber war wurde mir durch die gute Stimmung aller Beteiligten signalisiert, dass alles wohl doch gut gelaufen sein muss.

Kurz verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg zum Boot.

 

Es war noch fr├╝her Vormittag, als wir zu unserer l├Ąngsten Etappe aufbrachen. Mit einem Passagier mehr, und weiteren kulturellen Eindr├╝cken ging es an Bord und weiter in Richtung Kuna Yala..

 

Welche Europ├Ąer waren zuerst in diesem Teil der Erde gelandet..? Die Spanier..? Nein! Es waren Wiki und die Starken M├Ąnner:-) Nacho wollte uns unbedingt diesen historisch bedeutsamen Ort zeigen. Er lag praktisch auf dem Weg.

Und zwar fuhren wir zu einer k├╝nstlich angelegten Einfahrt vom Meer in den Dschungel.

Zwischen den Mangroven konnte man tats├Ąchlich noch einen, in das Korallengestein eingeschlagenen kleinen Wasserweg erkennen. Dort sollten vor ca. 1000 Jahren das erstmal die Wikinger das mittelamerikanische Festland betreten haben. Ok, etwas Geschichtsunterricht f├╝r uns am Rande.

 

Weiter ging┬┤s.

Unser n├Ąchster Stop war Caledonia. Dort gab┬┤s einen Funkmast und wir konnten via Handy nach einigen Tagen erstmals wieder ein Lebenszeichen von uns nach Hause schicken..

Und irgendwie stellte ich schon jetzt fest, dass sich das Klima etwas ├Ąnderte. Der Himmel sah nicht mehr ganz so regnerisch aus, und es war auch nicht mehr ganz so schw├╝l. Daf├╝r brannte die Sonne. Es war auch inzwischen gegen Mittag.

Nacho meinte, wir m├╝ssten ganz in der N├Ąhe noch einmal Sprit kaufen, noch eine kleine Ecke fahren und dann w├╝rden wir zu Mittag essen. Er w├╝rde da eine nette Bar kennen. Da best├╝nde auch die M├Âglichkeit ein kaltes Bier zu trinken.

Oh toll, da hatte ich ja fast gar nicht mehr drauf gehofft. Die letzten vier Tage in Armila gab es wegen dem Seyla-Treffen kein Bier. Ausserdem waren wir da irgendwie so sehr besch├Ąftigt und fertig, dass wir keine Gelegenheit hatten einen Gedanken daran zu verschwenden.

Toll:-) Essen und ein k├╝hles Bierchen. Ich genoss unsere Fahrt immer mehr..

Die N├Ąchste Aktion war das F├╝llen unseres Benzinfasses an Board. Das war eine abenteuerliche Geschichte.

Also es gibt hier ja keine Tankstellen wie man sie bei uns kennt.

Zahlreiche Privatpersonen versuchen sich durch den Verkauf von Benzin etwas dazu zu verdienen.

Diese Personen bunkern den Treibstoff zu Hause. Das geht von ein paar Flaschen in der K├╝che ├╝ber ein paar Kanister in einem Nebenzimmer bis hin zu einem gro├čen Bretterschuppen mit Wellblechdach, in dem F├Ąsser mit Benzin gelagert werden.

Letzteres sollte unserer Versorgung dienen.

Nacho meinte, dort w├╝rde man f├╝r das Geld am meisten bekommen. Nachdem ich kennengelernt hatte, wie gut Nacho in dieser Gegend vernetzt ist zweifelte ich keine Sekunde daran.

Wir legten an einem Bootssteg an und ich gab Nacho den vereinbarten Betrag f├╝r diese zwei Tage. Davon wollte er das Benzin kaufen.

Als ich ihm das Geld ausgeh├Ąndigt hatte, lachte er nur und rief:

ÔÇ×Graaciaas Mattiass, bye bye!!ÔÇť Mit diesen Worten drehte er sich um, und ging mit dem Geld in Richtung Dorf.

Wie witzig er war;-)

Ich rief ihm nur hinterher wie dankbar ich w├Ąre ├╝ber diesen relativ g├╝nstigen Preis, ein so gutes Boot mit zwei Motoren zu bekommen. Hhhmm..!? Wir verstanden uns.

Zwar nur ein kleiner Scherz am Rande, aber ich freute mich dar├╝ber, weil er irgendwie verdeutlichte, dass er unser Vertrauensverh├Ąltnis, welches eh schon super war, weiter festigte.

 

Trotzdem wollte ich mir mal diesen Einkauf unseres Benzins anschauen.

Ich folgte Nacho in einen gro├čen Bretterschuppen.

Noch bevor ich den Schuppen sehen konnte, roch ich ihn. Es stank enorm nach Benzin.

Schlie├člich gingen wir hinein.

Der Schuppen war bis unter das Dach vollgestapelt mit gef├╝llten Benzinf├Ąssern.

Nacho war bereits am verhandeln. Ich fragte mich nur, warum die hier drinnen verhandeln.. Bei diesem Gestank kann es doch nur eine Frage der Zeit sein, bis man in diesem Schuppen ohnm├Ąchtig wird..

Als dann angefangen wurde das Benzin auf abenteuerliche Weise von gro├čen F├Ąssern in etwas kleiner Kanister umzuf├╝llen, beschloss ich den Schuppen zu verlassen. Irgendwie sah das alles nicht so vertrauenserweckend aus.

Vor dem Schuppen allerdings sagte ich mir, dass es eigentlich egal w├Ąre hier, oder in dem Schuppen zu stehen. Denn wenn bei diesen D├Ąmpfen und dieser riesigen Menge an Sprit, sich hier irgendetwas entz├╝ndet, dann explodiert doch bestimmt der gesamte Ort..!? Ich ging zur├╝ck zum Boot..

Die Kanister wurden zum Boot gebracht, und in einer weiteren Betankungs-Aktion deren Inhalt in das Benzinfass, welches die beiden Bootsmotoren versorgt, umgef├╝llt.

 

Als das dann doch alles, ohne eine Explosion erleben zu m├╝ssen, vor├╝ber war, ging es weiter.

Der n├Ąchste Stop sollte zum Mittagessen im nahegelegenen Mulatupo sein.

 

In Mulatupo gab┬┤s dann auch tats├Ąchlich das erste kalte Bier nach ein paar Tagen. Das hat bei dieser Hitze so gut geschmeckt. Zum Mittagessen gab es Krabbenfleisch mit Reis, Kochbananen und Salat. Auch lecker.

Zugenommen haben wir das alles in einem kleinen einfachen Restaurant am Meer. Und wie sollte es anders sein. Freunde von Nacho. Ich fragte mich, ob es in ganz Kuna Yala irgendwen gab, der Nacho nicht kannte..

Was mir in diesem kleinen Restaurant noch besonders aufgefallen ist, waren die vielen sch├Ânen Molas an der Wand. Perfekter Ort. Noch immer befanden wir uns in einer Gegend, wo sich au├čer uns kein Tourist hin verirrte.

Dann ging es gut gelaunt weiter. Inzwischen war es schon Nachmittag und wir hatten noch ein gutes St├╝ck Fahrt vor uns.

Aber die ├ťberfahrt war toll. Die Sonne senkte sich langsam in Richtung Horizont und das Meer war spiegelglatt.

Und pl├Âtzlich tauchten dann noch Delfine neben unseren Boot auf und begleiteten uns lange genug, dass Kai ein paar gute Aufnahmen von ihnen machen konnte.

 

Zwischendurch mussten wir noch einmal Sprit aufnehmen.

In einem weiteren kleinen Ort wollte Nacho noch einen Verwandten besuchen. Der sollte uns dann auch noch mit seiner Ehefrau und Kind begleiten. Supernette Menschen.

Als wir von dort ablegten, war es bereits fr├╝her Abend und die Sonne ging langsam unter.

Nacho meinte wir h├Ątten noch ca. eine Stunde bis Ustupo zu fahren. Dort wollten wir die Nacht verbringen.

Knappes Ding, dachte ich mir nur. Ich hab an verschieden Stellen gesehen wie flach das Wasser war, und wie genau Jesus Lomberto Anweisungen geben musste, um nicht auf Korallen aufzulaufen. Wie sollte das im dunkeln funktionieren..?

Das klappt schon, meinte Nacho nur v├Âllig entspannt. Ok.

 

Mit dem restlichen Fitzelchen Licht erreichten wir dann Ustupo. Als wir langsam an einen kleinen Anleger heranfuhren war es bereits dunkel.

Pl├Âtzlich erstrahlte ein starker Suchscheinwerfer und nahm uns genau ins Visier.

Lomberto steuerte das Boot langsam in Richtung des Scheinwerfers, welcher uns permanent in seinem Lichtkegel hatte.

Als wir n├Ąher kamen, erkannte ich bewaffnetes Milit├Ąr am Ufer.

Wir sollten kontrolliert werden. Nacho erl├Ąrte uns, dass jedes einlaufende Boot nach Sonnenuntergang kontrolliert werden w├╝rde. Reine Routine. Nacho erkl├Ąrte alles geduldig. Dann durften wir weiterfahren.

Weiterfahren? Es war bereits stockdunkel..

Aber es ging nicht weiter als einen halben Kilometer. Lomberto steuerte das Boot langsam aber sicher durch das seichte Gew├Ąsser bis wir ein Holzhaus direkt am Wasser erreichten.

Freunde von Nacho.

Es gab ein kleines Restaurant und zwei G├Ąstezimmer. Unter einem Holzdach hingen H├Ąngematten. Dort wollte der Rest der Besatzung und G├Ąste schlafen.

Zuerst dachte ich mir, toll, H├Ąngematte. Da schlaf ich auch. In diesem warmen Wetter ist mir so etwas lieber als eine durchgelegene Matratze..

Aber dann h├Ârte ich von Kai ein lautes ÔÇ×Klatsch!!ÔÇť Moskitos..

Also doch lieber Bett mit Moskitonetz.

Wir haben noch eine Kleinigkeit zu Abend gegessen. Dann verlagerten wir unsere Runde in ein Pavillon direkt ├╝ber dem Wasser und unterhielten uns bei einer Dose Bier alle gemeinsam ├╝ber den Tag und unsere Tour.

Kai war immer noch etwas angeschlagen und hatte irgendwie Pech mit den Moskitos. Innerhalb k├╝rzester Zeit hatten die beschlossen ein Festmahl auf ihm abzuhalten.

Er beschloss sich schonmal ins Bett zu legen.

Ich allerdings dachte ├╝berhaupt nicht ans Bett..

Ich war unterwegs. In einer extrem sch├Ânen und abenteuerlichen Gegend dieser Welt, und sa├č bei einer kalten Dose Bier mit einer extrem spannenden Runde der Kuna zusammen. Toll. Das ist Traveln.

Die Runde bestand aus unserer Besatzung, Nacho, Jesus und Lomberto. Die mochte ich eh alle.

Dann war da noch der Gast aus Carreto, Eban, und die Verwandtschaft von Nacho. Alles wundervolle Menschen.

Wir sa├čen an diesem Abend noch wirklich lange zusammen. Und ich hatte den Eindruck, dass sich alle Beteiligten dieser Gruppe ├╝ber die kulturelle Vielfalt dieser Runde freuten. Nat├╝rlich war ich der einzige Europ├Ąer. Aber ich merkte, dass es auch f├╝r die Kuna etwas Besonderes und Spannendes war zusammen zu sitzen. F├╝r mich ja sowieso:-)

Wir erz├Ąhlten uns gegenseitig so viel. Stellten Fragen und lachten ├╝ber Witze.

Mir wurde viel ├╝ber die Kultur der Kuna erz├Ąhlt. Ich tauschte mich sehr viel mit Nacho aus. Dieser bedankte sich sogar irgendwann bei mir, dass ich mit ihnen diesen Abend verbringen w├╝rde und sagte mir, wie sehr er das genie├čen w├╝rde.

Dabei hatte ich das Gef├╝hl als m├╝sse ich Danke sagen.

Dieser Abend, der eigentlich gar nichts extrem Aufregendes hatte, sollte sich aber f├╝r mich als einer der nachhaltigsten Abende dieses Trips in meine Erinnerungen brennen.

 

Bevor ich extrem zufrieden ins Bett gegangen bin, hab ich dann noch versucht mein Moskitonetz aufzuh├Ąngen. Diese Aktion allerdings stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Die Matratze schaukelte wie eine Luftmatratze auf dem Wasser. Die Bierchen des Abends trugen ihr ├ťbriges zu der Anstrengung dieser Operation bei..;-)

 

Mit Sonnenaufgang ging es am n├Ąchsten Morgen auch schon wieder aus dem Bett.

Das Wetter war perfekt, und die aufgehende Sonne tauchte unsere Unterkunft in ein extrem sch├Ânes Licht.

Schon war die Laune wieder super.

Kai erz├Ąhlte mir dass er auch gut geschlafen h├Ątte. Bis es irgendwann aus meinem Zimmer laut gerumpelt h├Ątte.. Dieses Moskitonetz..

 

Nach einem noch verschlafenen Fr├╝hst├╝ck beluden wir wieder das Boot. Hierbei deutete Nacho noch auf ein vom Meer abgetrenntes kleines Becken.

In diesem Becken befanden sich Meeresschildkr├Âten. Die waren noch nicht ausgewachsen.

Nacho erkl├Ąrte mir, dass sie hier gehalten w├╝rden, bis sie gro├č genug w├Ąren um sich im Meer alleine zurecht zu finden. 48 St├╝ck h├Ątte sein Freund hier schon in die Freiheit entlassen.

 

Dann waren wir schon wieder unterwegs.

Wir mussten gar nicht so lange fahren bis wir die winzige Insel Tigre erreichten.

Diese Insel war nur etwas gr├Â├čer als ein Fussballfeld.

Ich bin sofort auf eine kleine Erkundungstour gegangen.

Rundherum wei├čer Strand und t├╝rkises Wasser. An einem Strandteil standen drei kleine H├╝tten direkt am Wasser. Das muss auch nicht so schlecht sein dort ein paar Tage zu verbringen.

Vor unserer Abfahrt erkl├Ąrte ich Nacho noch, dass wir nach dieser ganzen Arbeit auch gerne mal auf einer kleinen Insel Urlaub machen wollten. Es sollte sch├Ân sein. So wie man es sich vorstellt.

Mit wei├čem Sand, Kokosnussb├Ąumen und t├╝rkisen Wasser. Ja ja, kein Problem. Meinte er. Er kennt eine ganze Menge. Wir wollten uns ├╝berraschen lassen. Und obwohl ich ihm in dieser Sache ganz vertraute, war ich mir nicht so sicher was uns erwarten sollte. Schlie├člich wei├č ich, dass unsere Vorstellungen von einer ÔÇ×TrauminselÔÇť sich extrem von den Vorstellungen einer solchen Insel unterscheiden k├Ânnen. Gerade dann, wenn man dort lebt..

Aber Nacho sollte es mal wieder perfekt hinbekommen. Dazu sp├Ąter aber mehr.

Bis dahin fand ich die Insel Tigre schonmal nicht schlecht..

Wir trafen noch eine ganze Gruppe von T├Ąnzern die gerne nach Cart├ş zu dem Event wollten. Man, das musste ja eine tolle Veranstaltung werden.

Und da wir eh dort hin wollten, und wir noch eine Menge Platz in unserem Boot hatten, haben wir ihnen kurzerhand angeboten doch einfach in unserem Boot mit zu fahren.

Und schon ging es, jetzt mit einem vollen Boot weiter.

 

Das K├╝stengebiet hatte sich inzwischen etwas ver├Ąndert. Egal wo man hinschaute konnte man winzige Inselchen sehen. Alle sahen gleich aus. Klein, Kokosnusspalmen und einen Ring aus wei├čen Sand drumherum.

Das Wasser schimmerte t├╝rkis. Wie im Paradis.

Die meisten dieser Inselchen waren nicht bewohnt. Einige bestanden lediglich aus einer Hand voll Palmen und waren nicht gr├Â├čer als ein Wohnzimmer.

Auf anderen konnte ich vereinzelt Cabanas erkennen. So sch├Ân wie dies alles war, bedeutete dies allerdings auch, das wir uns jetzt langsam in dem touristisch erschlosseneren Gebiet von Kuna Yala befanden.

Unterwegs mussten wir noch einmal Tanken bevor es zur letzten Etappe ging.

Hierbei konnte ich mal wieder Zeuge von Nacho┬┤s Bem├╝hungen werden das M├╝llproblem in den Griff zu bekommen..

Ich beobachtete eine Kuna als sie gerade eine leeres T├╝tchen Kekse vom Boot in das Meer entsorgen wollte. Schon war Nacho zur Stelle, fischte das T├╝tchen aus dem Meer und hielt der Dame einen Vortrag auf Kuna. Den Inhalt dieses Vortrages konnte ich trotzdem erahnen.. Hoffentlich ist das mal kein Kampf gegen Windm├╝hlen. Ich nahm mir allerdings vor ihn dabei zu unterst├╝tzen wo es nur geht..

Weiter ging┬┤s..

Und so sehr ich Boot-Fahren liebe, freute ich mich nach den zwei Tagen im Boot jetzt doch auf die Insel zu der Nacho uns bringen wollte.

 

Und mit dieser Insel fange ich im n├Ąchsten Teil an zu schreiben. Denn die ist etwas ganz Besonderes.. :-))

..

Wir cruisen also mit unserem Boot durch die Inselwelt der San Blas Inseln..

Ich nutze ab jetzt aber wieder den Begriff ÔÇ×Guna YalaÔÇť. Das ist der eigentliche Begriff den die Kuna-Indianer ihrem Land geben.

Der Ausdruck San Blas r├╝hrt noch aus der Zeit der Kolonialisierung.

 

 

Wir k├Ânnen uns gar nicht satt genug sehen an dem sch├Ânen Anblick der Inselwelt.

Eine Insel ist sch├Âner als die andere..

 

Man kennt diese Fototapeten von fr├╝her. Diese kleinen Trauminselchen.. Hier sind sie..

 

Sie scheinen nicht nur vom Boot aus perfekt. Sie sind es tats├Ąchlich wie wir in K├╝rze erfahren.

 

Die Spannung steigt ins Grenzenlose. Wo wird Nacho uns hinbringen..? Wird die Insel wirklich so sch├Ân sein..?

 

Nacho deutet auf eine Insel. Wow!!!

Winzig klein, Kokosnussb├Ąume, wei├čer Sandstrand, ├╝berh├Ąngende Palmen und ein traumhaftes Wasser.

Zwischendrin sehe ich kleine, sehr gem├╝tlich aussehende Holzh├Ąuschen..

Ein Traum.

ÔÇ×Ist das die Insel?ÔÇť ..frage ich Nacho.

Nein!!

Hhhmm. Schade.

 

Ich kenne noch mehr.

Ich bringe Euch zu einer anderen. Dem Besitzer vertraue ich am meisten. Der ist ein Freund von mir.. Na klar..

Egal, hier sieht jede Insel wie die Verk├Ârperung des absoluten S├╝dsee-Traumes aus. Nacho wird es schon richten.

 

Dann, kurze Zeit sp├Ąter scheint es aber doch soweit zu sein.. Wir steuern auf eine kleine Insel zu. Nicht gr├Â├čer als ein Fu├čballfeld.

Lomberto lenkt das Boot geschickt durch das seichte t├╝rkise Wasser in Richtung Strand.

Unter dem Rumpf erkenne ich ein Meer aus unz├Ąhligen Korallen in allen Farben und Formen.

Als wir uns dem wei├čen Sandstrand n├Ąhern, erwarten uns dort schon zwei Personen, die uns kurz darauf beim anlegen helfen.

Wir werden freundlich begr├╝sst.

An eine Kokosnusspalme ist ein einfaches Holzbrett genagelt.

ÔÇ×Bienvenidos a Isla Iguana!ÔÇť

So hei├čt also unsere Insel. Leguan-Insel.

Man hilft uns das Gep├Ąck abzuladen.

Juuhuuu!! S├╝dseetraum, wir sind daaaaa!! ­čÖé

Nacho begleitet uns zur Rezeption, die in einem kleinen Restaurant integriert ist. Das Restaurent besteht lediglich aus einer offenen Holzh├╝tte mit einer Handvoll kleiner Tische.

Dann verabschieden wir uns von Nacho, Jesus und Lomberto. Sie wollen die Indianer in das nahegelegene Cart├ş bringen.

Eigentlich ist hier jetzt unser Vertrag mit Nacho beendet. Er verspricht uns aber uns am Folgetag mit dem Boot abzuholen.

Wir wollten dann ├╝ber Cart├ş weiter nach Panam├í-Stadt.

Nacho sagte, dass er aber heute eventuell nochmal vorbeischauen w├╝rde.

Das w├Ąre aber toll, sage ich ihm. Als er gerade dabei ist abzulegen, rufe ich ihm noch zu, dass ich mich freuen w├╝rde mit ihm noch ein Bierchen zu trinken, sollte er heute nochmal auf diese Insel kommen.

Lomberto dreht den Motor hoch und ich h├Âre gerade noch wie Nacho mir zu ruft, dass er unter solchen tollen Aussichten auf jeden Fall nochmal vorbei kommen werde.. ­čśë

 

Das war irgendwie ein komisches Gef├╝hl. Da stehe ich am Strand. Auf einer wundersch├Ânen Trauminsel. Aber als ich dem Boot hinterherschaue bin ich schon ein bisschen traurig.

Da haben wir eine Woche mit den Indianern verbracht, wahnsinnige Eindr├╝cke gesammelt und tolle Menschen kennengelernt.

Ich war mir nicht so sicher, ob Nacho heute tats├Ąchlich nochmal zur├╝ckkommen w├╝rde.

Sollte es das jetzt schon gewesen sein..? Hhhmm..

Naja, wenigstens w├╝rden wir die drei morgen auf dem Weg nach Cart├ş nochmal sehen.

Also freuten wir uns erstmal ├╝ber diese wahnsinnig sch├Âne Insel. Die wollte ich auch sofort erforschen. Was maximal 10 Minuten dauern w├╝rde..

Diese kleine Insel ist extrem ├╝bersichtlich. Am Strand entlang stehen kleine Bamush├╝tten mit Palmblattdach.

Dann ist da noch das kleine Restaurant. In der Mitte der Insel. Also nicht weiter als 50 Meter entfernt kann ich eine winzige Bar erkennen. Ha, perfekt.

Etwas am anderen Ende der Insel stehen zwei winzige Steinh├Ąuschen. Die Gemeinschaftstoilette und die Gemeinschaftsdusche.

Aber so wie ich das hier so erkenne, sind wir die einzige Gemeinschaft.

Da ist noch der Besitzer, ein Freund von Nacho. Ebenfalls ein Kuna. Und die zwei Personen, die wir bereits am Strand getroffen haben. einer von beiden ist sogar auch aus Armila.

 

Wir werden gefragt, welche H├╝tte wir denn beziehen wollen. Schwere Frage. Alle sehen so gem├╝tlich aus.

Zuerst schauen wir uns eine kleine, etwas neuere Holzh├╝tte an. Entscheiden uns dann aber f├╝r eine altmodische Bambush├╝tte. Irgendwie finde ich die gem├╝tlicher. Au├čerdem haben diese H├╝tten einen riesigen Vorteil. Zwischen den Bambusst├Ąben weht st├Ąndig eine leichte milde Prise vom Meer hindurch. Eine nat├╝rliche Klimaanlage so zu sagen.

In der H├╝tte stehen lediglich zwei Betten. Kai sucht vergeblich ein Moskitonetz. Wir fragen nach. Das w├╝rden wir nicht brauchen. Es g├Ąbe hier keine Moskitos. Das w├Ąr ja was..

und tats├Ąchlich. Wo sollen die auch herkommen..? Das einzige S├╝├čwasser auf der Insel befindet sich in geschlossenen Tanks ├╝ber der Toilette und Dusche. Geb├╝sch gibt es keins.

Das macht dieses kleine Paradies noch perfekter.

Dann geht┬┤s erstmal baden.

Das Wasser hat Badewannentemperatur. Wir sind begeistert.

Dann gibt┬┤s Mittagessen. Frischer Fisch.

F├╝r den Abend w├╝nschen wir uns Languste. Alle drei Mahlzeiten sind in dem ├ťbernachtungspreis inbegriffen.

Einpaar Meter im Wasser entdecke ich einen kleine, ca. 1×1 Meter, aus ├ästen gebaute Umz├Ąunung.

Darin schwimmen die Langusten. Also auch ganz frisch.

 

Nach dem leckeren Mittagessen wird wieder entspannt. Ich knote meine H├Ąngematte zwischen zwei Kokosnussb├Ąume und halte erstmal Mittagsschlaf.

So verbringen wir den Nachmittag. Essen, Ausruhen, Baden. Zwischendurch geht nochmal ein kurzer tropischer Regen runter.

Dann wird es langsam Abend.

Am bin gerade noch ein bisschen im Meer am planschen und freue mich schon auf das Abendessen, als ich ein Boot auf die Insel zusteuern sehe. Das Boot sieht aus wie Nacho┬┤s. Er h├Ąlt also sein versprechen.

Als sie n├Ąher kommen sehe die Drei, wie sie uns freudig zuwinken.

Wir helfen ihnen das Boot am Strand festzumachen.

Wir begr├╝├čen uns, als h├Ątten wir uns ewig nicht gesehen. Und ich merke, dass sich alle drei riesig freuen uns zu sehen. Auch wir freuen uns. Und als wir alle merken, dass sich jeder freut den anderen zu sehen, freuen wir uns alle noch mehr. Sehr freudig.. ;-))

Nacho erkl├Ąrt mir auch sofort, dass sie ebenfalls auf der Insel ├╝bernachten wollten. In Cart├ş h├Ątten sie sich unterhalten und beschlossen uns unbedingt wiedersehen zu wollen.

In dem Moment wei├č ich, dass wir in dieser Ecke der Welt tats├Ąchlich neue Freunde gewonnen haben.

Wir verlagern zum Restaurant und feiern die Ankunft erstmal bei einem Begr├╝├čungsbierchen.

Wir erz├Ąhlen uns viel. Nacho will nat├╝rlich wissen ob uns die Insel gef├Ąllt, und ob sie so ist wie wir es uns vorgestellt haben.

Ich erkl├Ąre ihm, dass wir begeistert sind. Das wir von unserer Gesamten zeit mit den Indianern extrem begeistert w├Ąren. Ich merke wie wichtig ihm diese Information ist. Er ist gl├╝cklich.

F├╝r ihn war diese ganze Tour ja auch ein Job. Jetzt wolle er mit uns nur noch Zeit als Freund verbringen.

Und obwohl wir schon ein tolles Verh├Ąltnis in den letzten Tagen aufgebaut hatten, merke ich, dass es ab diesem Zeitpunkt nochmal etwas ganz besonderes ist.

In den folgenden Gespr├Ąchen mit Nacho sprechen wir ├╝ber die unsere Idee Touren, wie wir sie gemacht haben, f├╝r kleine Gruppen zu organisieren. Ich stelle fest, dass sich Nacho dar├╝ber schon viele Gedanken gemacht hat, und sehr interessiert ist mit uns so ein Projekt zu verwirklichen. Ich auch..

 

Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange zusammen, unterhalten uns, erz├Ąhlen Witze und haben Spa├č.

 

Dann geht es schlafen.

In der Bambush├╝tte schlafe ich extrem gut.

Au├čer dem Meer und einer leichten Brise, die durch die Bambusst├Ąbe und die Palmbl├Ątter weht ist nichts zu h├Âren. Gelegentlich gibt es einen dumpfen Schlage wenn eine Kokosnuss zu Boden plumpst.

 

Mit dem Sonnenaufgang sind wir bereits ausgeschlafen.

Als erstes h├╝pfe ich erstmal ins Meer.

Noch vor dem Fr├╝hst├╝ck k├Ânnen wir in dem tollen Licht der aufgehenden Sonne noch ein paar sch├Âne Aufnahmen machen.

 

Nach dem Fr├╝hst├╝ck sitzen wir wieder zusammen. Und siehe da, Nacho, Jesus und Lomberto lassen sich bereits ein k├╝hles Bierchen schmecken.

Sie scheinen unseren Ausflug echt zu genie├čen..

 

Nacho fragt nach unseren weiteren Pl├Ąnen.

Ich erz├Ąhle ihm, dass wir beschlossen h├Ątten von Panam├í-Stadt nach Bocas Del Toro zu fliegen.

Ich hatte mich zuvor mit Kai ├╝ber unsere weiteren Pl├Ąne unterhalten. Wir hatten noch eine Menge Zeit bis wir wieder zur├╝ck nach Bogot├í m├╝ssten.

Eine Option w├Ąre gewesen bereits jetzt schon nach Bogot├í zur├╝ck zu fliegen, und von dort runter an den Amazonas zu fliegen.

Das Dreil├Ąndereck Kolumbien, Brasilien und Peru ist eine meiner weiteren Lieblingsecken in Kolumbien.

Dann erz├Ąhle ich Kai noch von Bocas. Dieser Ort, in der Karibik an der Grenze zu Costa Rica ist von Panam├í-Stadt leicht mit dem Flieger zu erreichen.

Es ist dort zwar relativ touristisch, aber trotzdem noch sehr entspannt, und ideal um den Urlaub weiter zu verl├Ąngern.

Kai tendierte zu Bocas. Er sagte mir, dass er zwar extrem gespannt auf den Dschungel im Amazonas w├Ąre, ihm etwas mehr Zivilisation jetzt aber auch gut gefallen w├╝rde.

Er fing gerade erst an, sich von dem extrem hei├čen und schw├╝len Klima etwas zu erholen. Vielleicht w├╝rde ihm Bocas besser bekommen.. Also gut. Ich war vor einigen Jahren mit Wally schonmal kurz dort, und fand es dort echt sch├Ân.

Der Plan war gemacht.

 

Nacho zeigte sich sofort hilfsbereit und reservierte uns telefonisch zwei Fl├╝ge f├╝r den n├Ąchsten Tag.

Der Flug nach Bocas sollte sich auch lohnen. Deshalb wollten wir schon am Folgetag abreisen. Obwohl uns diese Insel extrem gut gefallen hatte..

Nacho erkl├Ąrte uns, dass es besser w├Ąre die letzte Nacht direkt in Cart├ş zu verbringen. Dort w├Ąre heute ja auch diese Tanzveranstaltung der Kuna..

Ausserdem erz├Ąhlte er mir noch von einer ÔÇ×Chicha-BravaÔÇť auf einen nahe gelegenen Insel. Dazu komme ich sp├Ąter nochmal.

Dazu hatte ich Lust.

 

Aber zuerst wollten wir den Tag ganz langsam angehen lassen.

Wir freuten uns dar├╝ber, dass wir noch einen kompletten Tag gemeinsam in dieser Runde verbringen w├╝rden. Das konnte nur sch├Ân werden.

Nacho sicherte uns zu, dass wir entscheiden sollten wann wir in Richtung Cart├ş ablegen.

 

Wir wollten uns aber nicht stressen und genossen noch etwas die Insel.

Zwischenzeitlich sind auch einige weitere Tagesausfl├╝gler zu Besuch gekommen.

Baden, H├Ąngematte baumeln und frische Kokosnuss schl├╝rfen. Entspannung pur.

Dann gewann aber doch wieder die Neugier ├ťberhand. Wir waren gespannt was uns in Cart├ş oder bei der ÔÇ×Chicha BravaÔÇť noch erwarten sollte..

 

Also weiter weiter..

 

Es war sp├Ąter Vormittag und unglaublich hei├č als wir mit dem Boot in Richtung Cart├ş starteten.

 

Auf dem Weg nach Cart├ş stoppten wir noch auf einer weiteren kleinen Insel.

Auch diese Insel schien wie das Paradies. Weisser Puderzuckerstrand, ├╝berh├Ąngende Palmen und t├╝rkises Wasser.

Sofort wurde mir aber der Unterschied zu „unserer“ Insel klar. Hier war es durchaus schon etwas touristischer..

Die angereisten Tagesg├Ąste sollten z.B. eine Geb├╝hr zahlen. Nacho kannte mal wieder irgendwen. Also konnten wir uns das schonmal sparen.

Sonst war die Insel wirklich sch├Ân. Was allerdings nicht so in diese S├╝dseeszenerie passte, war eine Baustelle.

Man konnte erkennen, dass hier einige solide H├Ąuser entstehen sollten. Nicht schwer zu erahnen, wof├╝r.

Ich schaute mich auf der Insel etwas um. Hier war auch schon deutlich mehr los. Man kann es schon fast touristisch nennen. Mir hat da die Insel auf der wir ├╝bernachtet hatten deutlich besser gefallen.

Dann macht uns Nacho einer Person bekannt. Nacho stellt ihn als den Eigent├╝mer der Insel vor.

Nacho erkl├Ąrt ihm, dass er sich mit mir dar├╝ber unterhalten h├Ątte einige Touristen auf eine nachhaltige Art und Weise nach Armila zu bringen. Danach sollte es weiter durch die Inselwelt von San Blas gehen.

Zuerst fragte ich mich was Nacho denn mit diesem Typ vor hatte. Es war schon auf dem ersten Blick zu sehen, dass der Tourismus, der auf dieser Insel betrieben wird nicht ansatzweise etwas mit dem Projekt zu tun hat, was ich zusammen mit Nacho ins Auge gefasst hatte.

Als dann aber schlie├člich nur der andere Typ geredet hatte war mir es mir schon klar. Nacho wollte nur mal h├Âren.

Der Andere jedoch hat wohl irgendwie gedacht, er k├Ânne uns mit seinen Idee begeistern.

Stolz erz├Ąhlte er uns wie viele Touristen er durch seine Anlage schleusen k├Ânne. Und von seinen neuen Steinh├Ąusern. Er rechnete und rechnete und h├Ârte ├╝berhaupt nicht mehr auf zu reden. Grausig.

Es war nicht schwer zu erkennen, dass dieser Mann um jeden Preis seinen Gewinn optimieren wollte.. Nacho und ich tauschten Blicke. Wir verstanden uns.

Trotzdem konnte ich diesem Typ irgendwann nicht mehr zuh├Âren. Ich stand irgendwann auf, stellte mich mit Blick zu Nacho hinter diesen Typen und signalisierte mit den H├Ąnden die Bewegung zu „Cut“. Der Typ hatte sich so in Fahrt gesprochen, dass der das gar nicht mitbekommen hatte..

Kurz darauf waren wir wieder auf dem Weg zum Boot. Ich unterhielt mich kurz mit Nacho. Er war der gleichen Meinung wie ich.

 

Auf der Bootfahrt nach Cart├ş habe ich mir noch ein paar Gedanken ├╝ber diese Erfahrung gemacht.

Warum? Aber die Antwort kennt ja jeder. Gewinnoptimierung. Da bleibt halt so einiges auf der Strecke..

Die San Blas Inseln werden sich in Zukunft auch noch touristisch weiter entwickeln.

Nat├╝rlich will da jeder ein St├╝ck vom Kuchen abhaben.

Dann liegt es an jedem selbst diesen Tourismus nachhaltig zu gestalten oder nicht.

Mir wurde nur wieder bewusst, wie viel schwieriger es in Zukunft noch werden wird das „Besondere“ zu finden.

Dabei war ich froh die Erfahrungen der letzten Woche gemacht zu haben..

 

Dann kommen wir nach Cart├ş. Nach Capurgan├í wieder ein etwas gr├Â├čerer Ort. Aber Autos gibt es auch hier nicht.

Wir legen an einem sch├Ąbigen Bootsanleger an. Emsiges Treiben und Gewusel. Boote werden be- und entladen. Zwischendurch rennt mal ein streunender Hund herum.

Kurz hinter dem Anleger befindet sich ein kleines Restaurant. Wenn man es so nennen kann. Eine schummrige Spelunke mit kleinen Holztischen. In einer Ecke befindet sich eine Auslage mit tropischen Fr├╝chten.

Irgendwie finde ich den Laden toll.

An irgendeinem Tisch in der Ecke k├Ânnte gerade Bud Spencer ├╝ber einer, ihm so wichtigen Mahlzeit sitzen. W├Ąhrend in einer anderen Ecke gerade ein Gerangel losbricht, in dessen Verlauf es ihm die Mahlzeit vom Tisch haut und er dann keine andere Wahl hat, als bei diesem Gerangel mitzumischen.. Haha.. Genau so ein Laden k├Ânnte das sein.. ­čÖé

Aber bevor wir unser Mittagessen einnehmen, beziehen wir unsere Zimmer. Zimmer!? Ja genau.

Aussen, bei der Mole f├╝hrt eine Treppe in das Obergeschoss des Geb├Ąudes.

Nacho zeigt uns, wo wir ├╝bernachten k├Ânnen.

Das Gute: jeder bekommt sein eigenes Zimmer. Der Haken: Es sind eigentlich gar keine richtigen Zimmer.

Die W├Ąnde bestehen aus etwas dickerer Pappe die auf einer H├Âhe von ca. 2,50 m faktisch nicht mehr vorhanden sind. Also wozu ├╝berhaupt W├Ąnde..? Die T├╝ren lassen sich von innen auch nicht verschliessen. Ich ├╝berlasse Kai die Wahl des „Zimmers“ ­čśë

Ich bringe mein Gep├Ąck in mein Zimmer. Als ich mich mal probeweise auf das Bett lege, sitze ich fast. Die Matratze ist so durchgelegen, dass man mit dem Hintern auf dem durchh├Ąngenden Rost sitzt. Oh Man.. Dazu diese Hitze. Unter dem Blechdach f├╝hlt man sich wie in einer Bratr├Âhre.

Ich will zur├╝ck auf unsere Insel. Egal, es ist nur f├╝r eine Nacht, denke ich mir..

Also erstmal raus. Wir gehen ein Stockwerk tiefer und bestellen Mittagessen. H├╝hnchen. Echt lecker, und ohne Keilerei a la Bud Spencer Manier.. ;-))

 

Cart├ş besteht aus unz├Ąhligen, dicht an dicht stehenden kleinen H├Ąuschen und H├╝tten. Da es hier auch keine Autos gibt, wird der gesamte Ort von kleinen Staubstra├čen durchzogen

Da hier heute und morgen das Tanzfest stattfindet ist der Ort voll. Die Menschen dr├Ąngen sich durch die engen hei├čen G├Ąsschen. Es ist unvorstellbar, wie hei├č es ist.

Als wir zu einem kleinen Platz kommen, an dem sich die Menschen dr├Ąngen, haben wir die Tanzveranstaltung erreicht.

Wir schauen uns auch einige Tanzgruppen an. Am Rand sitzt eine kleine Jury, die sich aus Kuna-Indianern zusammensetzt.

Die Tanzrichter bewerten die Gruppen nach ihrer Choreographie. Hierbei kommt es auf das synchrone Zusammenspiel der einzelnen Gruppenmitglieder an.

Ich halte mich an meiner Wasserflasche fest. In dem engen ├ľrtchen steht die Luft.

Da wir ja bereits in Armila eine tolle Tanzauff├╝hrung exklusiv genie├čen durften, beschlie├čen wir weiterzuziehen.

Ich frage Nacho nach der „Chicha Brava“. Oh ja, stimmt. Gibt er mir zur Antwort und wir gehen zur├╝ck zum Boot.

Unterwegs treffen wir Lomberto und Jesus, die sich schon freudig unter das Partyvolk der Tanzfestbesucher gemischt haben.

Nacho sagt ihnen dass es weiter geht.

Mir ist es unangenehm, weil ich sehe, dass die beiden echt Spa├č haben. Sollen sie doch noch. Wir haben Zeit. Null Problemo. Es scheint, dass sie ebenfalls gerne zur Chicha Brava m├Âchten. Also los.

Wir legen ab, und sind ca. 20 Minuten unterwegs, als wir eine weitere Insel erreichen.

 

Diese Insel unterscheidet sich wieder von den Inseln die wir bereits gesehen haben.

Nacho erkl├Ąrt mir, dass hier keine Touristen hinkommen. Diese Insel w├Ąre noch sehr traditionell. Toll. Wir sind gespannt.

Als wir anlegen, werden wir schon freudig begr├╝├čt. Nacho kennt hier wieder Leute.. Na klar.

Wir schlendern durch den Ort. Und obwohl es sich bei dem Ort um ein traditionelles Kuna Dorf handelt wie wir es schon kennen, ist es hier anders.

Die Wege sind voll mit Menschen. Alle reden miteinander und lachen. Wie auf einem Volksfest.. Und dann merke ich es.. Die sind betrunken..

 

Hier mache ich mal einen kleinen Exkurs. Zu dem Thema „CHICHA“

Ich kannte den Begriff schon aus meiner Zeit in Kolumbien. Die Studenten trinken das in der Candelaria. Dem alten Stadtteil von Bogotá. Weil es günstig ist.

Chicha ist ein uraltes Getr├Ąnk der lateinamerikanischen Uhreinwohner.

Die Herstellung erfolgt, regional etwas unterschiedlich, aus Maissaft und Zuckerrohrsaft. Oder beidem.

Das tr├╝be Gemisch wird ca. 10 Tage fermentiert und entwickelt dabei Alkohol. Der Alkohlgehalt ist etwas niedriger als der von Wein.

Man trinkt dieses Gebr├Ąu aus der „Tortuma“. Eine Trinkbeh├Ąltnis, gefertigt aus einer Schale der Kokosnuss oder der Schale eines kleinen K├╝rbisses.

Nicht besonders lecker, aber der Zweck dieses Getr├Ąnkes ist ein anderer..

Und das sehe ich auf den Wegen in diesem Ort.

Der Begriff „Chicha Brava“ meint dann lediglich ein Fest, zu welchen Anlass auch immer, an dem es darum geht gemeinsam Chicha zu trinken.

Wir haben kurz nach Mittag. Naja, immerhin Sonntag. Ich wei├č, dass an diesem Tag in Lateinamerika gerne mal einer getrunken wird.

Wir kommen schlie├člich zu der gro├čen Gemeinschaftsh├╝tte des Dorfes. Hier scheint das Zentrum der Veranstaltung zu liegen.

Nacho redet mit verschiedenen Leuten. Dann sagt er uns dass wir in die H├╝tte d├╝rfen. Wow. Ich bin echt gespannt.

Ein weiters kulturelles Fest an dem wir teilhaben d├╝rfen.

Nacho erkl├Ąrt uns den Anlass dieser Veranstaltung. Eine Familie ist Gastgeber dieses Festes, und hat das gesamte eingeladen, um zu feiern, dass aus ihrer kleinen Tochter nun eine Frau geworden ist. Also irgendwie eine Art Kommunion.

Wer wei├č, wie wichtig den Kuna-Indianern ihre Integrit├Ąt ist, wei├č was es bedeutet uns Zutritt zu solch einer Veranstaltung gew├Ąhren zu lassen. Nat├╝rlich d├╝rfen wir hier nicht filmen.

Wir treten aus dem gleissenden Sonnenlicht in die dunkle H├╝tte. Durch die Bambusst├Ąbe f├Ąllt nur wenig Sonnenlicht in die H├╝tte. Etwas zus├Ątzliches Licht scheint aus einigen Petroleumlampen. Es ist hei├č und stickig.

Ich sch├Ątze es halten sich ca. 100 Personen in der H├╝tte auf. Allerdings sind zwei Bereiche nach M├Ąnnern und Frauen getrennt.

Viele M├Ąnner aller Altersklassen sitzen auf niedrigen B├Ąnken am Rand der H├╝tte.

Als wir die H├╝tte betreten schaut man uns an. Vielmehr interessiert als misstrauisch.

Wir schauen uns das Treiben an. An einer Wand der H├╝tte stehen zwei Holzf├Ąsser aus denen die Chicha mit den Tortumas gesch├Âpft wird.

Es ist immer eine kleine Gruppe von 5-7 Personen die gleichzeitig trinken.

Man sch├Âpft die Tortuma voll, trifft sich in der Mitte der H├╝tte. Dann tanzt man wie bei einem Regentanz im Kreis und es wird gesungen.

Schlie├člich wird gestoppt, die Trinkschale in Richtung H├╝ttendecke gehalten und dann zum Mund gef├╝hrt.

Wem es gelingt trinkt sie in einem Zug leer. Und das ist einiges..

 

Nachdem Kai und ich uns dieses Treiben eine kurze Zeit angeschaut haben frage ich mich wo Nacho steckt.

Schlie├člich kommt er mit einem freudestrahlenden Jesus und Lomberto zu uns. In den H├Ąnden halten sie Tortumas gef├╝llt mit Chicha. Ohje, ich wei├č was jetzt kommt. Und schon halte ich eine Schale mit ca. einem halben Liter hellbrauner, tr├╝ber, lauwarmer Chicha in den H├Ąnden.

Kai┬┤s Magen ist immer noch nicht richtig in Ordnung. Nacho denkt erst gar nicht daran ihm eine Schale zu reichen.

Bei mir macht er sich da wohl weniger Sorgen. Ich allerdings schon..

Na gut. Wir prosten uns zu, ich nehme einen Schluck und suche jemanden dem ich die Schale weiterreichen kann.

Nein nein. Das sei alles f├╝r mich. Au Backe. Ich schaue zu Kai. Der zieht nur die Augenbrauen hoch. Da komme ich wohl nicht drum herum.

Ok. Nacho m├Âchte mich an allem teilhaben lassen. Und nat├╝rlich geh├Ârt so eine Chicha Brava auch dazu.. Also lasse ich mich darauf ein.

Wir gehen in die Mitte der H├╝tte und dann geht┬┤s los. Ich mache einfach mit. Ist ja nicht so schwer.. Ausserdem gibt┬┤s jetzt eh kein zur├╝ck mehr. Schnell verabschiede ich mich noch von Kai und sage ihm er soll danach sch├Ân auf mich acht geben..

Und so sieht das aus: Ich begebe mich mit Nacho, Jesus, Lomberto und weiteren f├╝nf oder sechs Indianern, unter den gespannten Blicken aller Festbesucher, in die Mitte der gro├čen H├╝tte. Dann fangen wir an zu singen, tanzen im Kreis und stampfen dabei mit den F├╝├čen auf den Boden. Und jetzt fragt mich bitte nicht danach, was da gesungen wurde..!! ­čśë Es klang irgendwie so: „Hua hua hua huuaaaoohh!!“

Aber vielleicht war es auch ein richtiges Lied und ich habe nur diese Ger├Ąusche gemacht..

Und obwohl ich nicht weiss wie ich diese Riesenschale Chicha vertragen werde, kann ich es nicht abwarten davon zu trinken. Nicht weil ich mich besonders darauf freue. Nein, ich will mich bet├Ąuben, weil ich mir mit meiner Boardshort, Tr├Ągerhemd und FlipFlops unter diesen Indianern, die mir alle mal bis zur Schulter reichen, extrem bl├Âd vorkomme und ich es einfach nur hinter mich bringen will.

Bei dem letzten langezogenen „Huuaaooo“ strecken wir die Tortumas in der Mitte des Kreises in die H├Âhe. Dann zum Mund und los geht┬┤s. Weil ich mir schon peinlich genug vorkomme, will ich mir nicht noch mehr die Bl├Âse geben, schlie├če die Augen und schlucke, schlucke, schlucke.. bis meine Tortuma leer ist. Geschafft. Ich schaue erwartungsvoll in die Runde und warte, ob irgendetwas komisches mit mir passiert. Eine erste K├Ârperreaktion bleibt schonmal aus. Das ist gut.

Ausser mir hat nur noch Lomberto seine Tortuma leer getrunken.

Ich ernte anerkennde Blicke und man klopft mir auf die Schulter. W├Ąhrend ich mir denke, dass manche Sachen auf der ganzen Welt einfach alle gleich sind, hoffe ich, mich nicht doch noch ├╝bergeben zu m├╝ssen. Aber alles bestens. Ich vertrage das Gebr├Ąu besser als ich erwartet hatte.

 

Das f├Ąllt nat├╝rlich auch Nacho auf. Er freut sich f├╝r mich und fragt mich ob ich gleich nochmal wolle.. Ich lehne dankend ab.

Dann stellt man mir den „Braumeister“ vor. Sichtlich stolz genie├čt er die dankende Anerkennung aller Anwesenden Personen. Und ich stelle fest, dass dieser 80-J├Ąhrige sein Gebr├Ąu heute auch schon des ├ľfteren einer Qualit├Ąts├╝berp├╝fung, im Selbstversuch, unterzogen hat..

 

Nach und nach lerne ich weitere Pers├Ânlichkeiten dieser Gemeinde kennen.

Und obwohl das Eis inzwischen gebrochen ist, m├╝ssen wir unsere Kamera da lassen wo sie ist. Den Indianern ist ihre Veranstaltung zu intim. Ich kann das sehr gut verstehen.

 

Schlie├člich geht es aus der dunklen H├╝tte in das glei├čende Sonnenlicht.

Als wir durch das Dorf schlendern frage ich ich, was denn nun das M├Ądchen, welches ja der Anlass dieser Veranstaltung ist, von dem Fest hat. Schlie├člich geht es hier darum, dass sich die gesamte Gemeinde i Kollektiv betrinkt. Ich verzichte darauf die Frage an Nacho zu stellen.

Als n├Ąchstes geht┬┤s zur einer weiteren H├╝tte. Nacho spricht kurz mit den Personen die darin wohnen, dann werden wir hinein gebeten. Und das erste mal sind wir zu Gast in den privaten R├Ąumlichkeiten einer Kuna-Familie.

Man macht uns St├╝hle oder eine H├Ąngematte frei und bietet uns etwas zu Essen an.

Und obwohl dieser Besuch keinen eigentlichen Zweck, wie z.B. ein Interview, hat, finde ich es durchaus interessant. Weil es entspannt ist. Wir baumeln in der H├Ąngematte und unterhalten uns. Dabei k├Ânnen wir eine Frau beobachten wie sie eine Mola fertigt. Gelegentlich kommt mal ein zerstruppter Hund in die H├╝tte und beschn├╝ffelt uns neugierig. Nach ein paar Streicheleinheiten verschwindet dieser wieder, bis ein anderer zerstruppter Hund kommt.

Wir sind praktisch mittendrin in dem allt├Ąglichen Leben einer Kuna-Familie. Unspektakul├Ąr aber hochinterssant.

Und dann merke ich, dass sich Nacho doch etwas bei diesem Besuch gedacht hat.

Nachdem n├Ąmlich einige Zeit vergangen ist, sagt er mir ganz beil├Ąufig, dass wir jetzt filmen d├╝rften.

Super. Ich gebe die Info genauso beil├Ąufig Kai weiter, der sofort die Kamera startklar macht. Genau solche Aufnahmen wollten wir noch haben.

 

Es ist inzwischen sp├Ąter Nachmittag, als wir uns von der Familie verabschieden.

Ein sichtlich angetrunkender Lomberto begleitet uns zum Boot. Au Backe, das ist doch unser Steuermann..

Von Jesus ist keine Spur. Will der denn nicht auch mit? Frage ich Nacho. Ach der kommt schon zurecht..

Als wir ablegen und gerade mal zehn Meter vom Ufer entfernt sind kommt Jesus mit fuchtelnden Armen an Ufer gerannt. Er will mit. Nacho und Lomberto fangen nur total laut an zu lachen. Lomberto gibt Gas und verschwindet weg vom Ufer. Die beiden lachen sich kaputt. Warum wir denn Jesus zur├╝cklassen w├╝rden? Ach, der kommt schon zurecht.. OK

 

Als wir mit dem Boot auf dem Weg zur├╝ck nach Cart├ş sind wird es bereits langsam dunkel.

Ich sitze vertr├Ąumt im Boot und denke mal wieder ├╝ber alles nach. Schlie├člich sollte dies der letzte Tag mit den Indianern gewesen sein. Ich bin ein wenig traurig, freu mich aber ├╝ber die unglaublichen Erlebnisse die wir hatten.

Gerade als ich so beim Tr├Ąumen bin macht das Boot einen gef├Ąhrlichen Schlenker. Wir haben Jesus als Ausguck nicht dabei. Aber das Meer ist spiegelglatt und sieht nicht nach gef├Ąhrlichen Untiefen aus.

Als ich mit nach hinten drehe wei├č ich was los ist. Lomberto strahlt ├╝ber das gesamt Gesicht und zeigt mit gestrecktem Daumen „Alles ok“. Dabei schielt er mit dem einen Auge in eine v├Âllig andere Richtung als das andere. Ach Herr je. Der ist v├Âllig betrunken und wohl kurz eingenickt.. Bei voller Fahrt.. Naja, ich denke mir, solange Nacho entspannt ist, k├Ânnen wir das auch sein. Trotzdem fehlt mir Jesus als Ausguck.. ­čśë

 

Es ist fast ganz dunkel als wir vor unserer Absteige festmachen. Lomberto l├Ąsst uns nur kurz aus dem Boot h├╝pfen und will wieder ablegen. Wo will er denn hin? Frage ich Nacho.

Der schl├Ąft mit Jesus auf einer anderen Insel. Dort liegt das Boot sicherer. Morgen fr├╝h holen sie uns ab.

Sicherer!? Lomberto ist v├Âllig betrunken. Und es ist inzwischen dunkel. Morgen fr├╝h..!? Ich bin gespannt. Aber das soll jetzt nicht mein Problem sein.. Wenn dann morgen fr├╝h..

In unserem Bud Spencer Restaurant geht┬┤s noch kunterbunt zu. Wir essen noch etwas. Irgendwas. Nur noch nicht ins Bett. Das will ich noch etwas hinausz├Âgern. Obwohl ich jetzt schon hundem├╝de bin.

 

Bei dem Essen lernen wir noch einen Spanier aus Barcelona kennen. Der sieht aus wie Robinson Crusoe. Er erkl├Ąrt uns, dass er mit seinem Segelboot unterwegs ist. Ah stimmt. Mir sind zwei Boote aufgefallen. Ein Catch. Mit zwei Segelmasten. Wie er die denn so alleine steuern k├Ânne? Ja, das w├Ąre schwierig. Aber es geht. Er w├Ąre allerdings auf der Suche nach einer Crew. Ich muss ihn entt├Ąuschen.. Denke aber daran als ich in Capurgan├í auf genau so jemanden gewartet hatte. Schlie├člich ist dies, neben unserem Tripp, eine der besten M├Âglichkeiten Guna Yala kennenzulernen.

 

Robinson Crusoe, so habe ich ihn mal getauft, begleitet uns noch mal in den Ortskern von Cart├ş. Da l├Ąuft immer noch die Tanzveranstaltung.

Irgendwann sind wir aber so m├╝de, dass wir beschlie├čen zur unserer Herberge zur├╝ckzukehren. Wir kommen da schlie├člich nicht drum herum.. Es ist erst acht Uhr abends.

Duschen, Z├Ąhneputzen muss ausfallen. Mich kriegt nichts mehr in diese Gemeinschafts-Nasszelle.

Dann ins Bett. Ich sitze mehr als das ich liege. Es ist br├╝tend hei├č. Unter uns ist die K├╝che und es stinkt furchtbar nach Fett. Ein Gl├╝ck bin ich total m├╝de und kann recht schnell einschlafen.

Irgendwann in der Nacht werde ich von einem Getrommel wach. Ein Tropenregen der auf das Blechdach trommelt. Ein unglaublicher L├Ąrm. Eine Abk├╝hlung gibt es trotzdem nicht.

ich d├Âse noch ein paarmal weg. Dann wird es schlie├člich hell. Als ich nach drau├čen gehe ist Nacho bereits auf den Beinen. Morgentoilette.. Nein. An die Gemeinschaftstoilette ist nicht zu denken. Ich putze mir die Z├Ąhne mit einer Flasche Wasser am Bootsanleger. Auch ok. Dann kommt Kai. Der sieht total fertig aus.

Er aht gar nicht geschlafen sagt er mir. Seine Parzelle war direkt ├╝ber der K├╝che und es hat gestunken wie in einer alten W├╝rstchenbude. Das finde ich schon wieder witzig. Als ich es Nacho erz├Ąhle lachen wir uns kaputt. Oh Man..

Dann tauchen dohc noch Lomberto und Jesus auf. Sogar p├╝nktlich. Und das Boot ist noch heil. Wahnsinn. Daf├╝r sehen beide noch recht angeschlagen aus. Ich sch├Ątze, die waren noch etwas l├Ąnger bei der Chicha Brava.. ­čśë

 

Wir zahlen die Rechnung unserer Unterkunft. Dann geht es los Richtung der Bootsanlegestelle am Festland.

Es ist erst halb sieben. Nacho hat seinen Cousin aus Panam├í-Stadt bestellt, um uns abzuholen und nach Panam├í-Stadt zum Flughafen zu bringen. Wir haben schlie├člich reservierte Tickets. Also das hoffe ich.

Nacho erkl├Ąrte mir gestern, als er die Tickets telefonisch bestellt hatte, dass diese eigentlich am selben Tag noch bezahlt werden m├╝ssten. Er konnte die Dame aber ├╝berreden, die Tickets bis zum Folgetag, also heute um 11 Uhr f├╝r uns ohne Bezahlung zu hinterlegen. Ich war gespannt. Aber, sollte dies nicht funktionieren, w├Ąre es das ersta mal, dass irgendetwas nicht funktioniert h├Ątte, was Nacho organisiert hatte. Ich vertraute ihm. Dieser Mensch hatte mich wirklich sehr beeindruckt.

 

Dann n├Ąherten wir uns den Anlegestellen. Im Prinzip sind es zahlreiche h├Âlzerne Bootsstege, an denen sich unz├Ąhlige Boote tummeln. Hier ist schlie├člich der n├Ârdliche Startplatz vom Festland auf die traumhaften San Blas Inseln.

Aus der Entfernung l├Ąsst sich schon das bunte Treiben beobachten. Es kommen Leute mit booten an und steigen in gel├Ąndeg├Ąngige Fahrzeuge um. Oder umgedreht.

Fahrzeuge.. Ja, als ich mir die gesamte Szenerie vom Boot aus anschaue, hatte ich ein Gef├╝hl, dass ich irgendetwas sehe, das ich nicht so richtig zuordnen kann. Dann wird es mir klar.

AUTOS.

Nachdem wir vor fast zwei Wochen Medellin verlassen hatten, sehen wir das erste mal wieder Autos. ├ťberall wo wir die letzten zwei Wochen waren, gab es keine.

Als mir diese Erkenntnis bewusst wird, muss ich dar├╝ber schmunzeln.

Wir waren echt raus aus allem..

 

Dann sind wir an Land. Im Prinzip ist es nur ein K├╝stenstreifen. Keine Ortschaft. Vereinzelt stehen ein paar Holz- und Wellblechh├╝tten. Alles dienst nur dem Zweck Personen von und nach Guna Yala zu schleusen.

Wir deponieren unser Gep├Ąck in einer Holzh├╝tte. Die Anzahl der Gep├Ąckst├╝cke wird notiert. Die logistische Leistung erinnert mich an Thailand.. Es l├Ąuft wie am Schn├╝rchen. Ununterbrochen kommen und verlassen Gel├Ąndewagen mit Reisenden diese Szenerie.

Am Bootsanleger sieht es ├Ąhnlich aus.

Allradfahrzeuge sind hier Pflicht erkl├Ąrt mir Nacho. Andere Fahrzeuge werden erst gar nicht in das Gebiet der Kuna hineingelassen. Man regelt diesen Umstand aufgrund der Sicherheit. Sp├Ąter erfahre ich warum.

 

W├Ąhrend wir auf den Cousin von Nacho warten nehmen wir ein kleines Fr├╝hst├╝ck unter einem Wellblechdach ein.

Dann zieht es mich schon wieder los. Ein Verkehrsknotenpunkt in Lateinamerika. Und dann noch im Dschungel. Toll. Ich steh┬┤ da irgendwie total drauf.:-)

Ich schaue mich um und schlender am Ufer entlang. Beobachte Reisende bei Kommen und Gehen und lass dieses Gewusel auf mich wirken.

Als ich auf dem R├╝ckweg bin, sehe ich Jesus schon von weitem wie er mir mit beidne Armen wild zuwinkt. Nacho┬┤s Cousin ist da.

Ok, dann war┬┤s das jetzt endg├╝ltig.

Als ich beim Jeep bin wird schon unser Gep├Ąck auf dem Dach des Gel├Ąndewagens verladen. Nacho stellt uns seinem Cousin vor und dr├Ąngt ihn zur Eile. Wir sollen p├╝nktlich am Flughafen Albrook in Panam├í-Stadt sein. Bis zuletzt gibt er sich die beste M├╝he dass alles gut und reibungslos l├Ąuft. Und das war es. Ohne Ausnahme. Und neben dem Umstand, dass wir tolle neue Freunde gwonnen haben, bin ich zus├Ątlich davon beeindruckt dass durch Nacho┬┤s Hilfe und Organisationstalent alles so wahnsinnig gut lief. Das h├Ątte ich hier, in Lateinamerika, nicht erwartet.

Dann kommt die Verabschiedung.. .. .. ­čÖü

Wie erwartet f├Ąllt sie sehr herzlich aus und ich merke, dass auch Nacho, Jesus und Lomberto traurig sind.

Dann m├╝ssen wir los. Mit uns kommt noch eine Kuna-Familie.

 

Die Stra├če, anfangs eine lediglich eine Schlammpiste f├╝hrt durch den Dschungel.

Dann kommt ein asphaltierter Teil, welcher f├╝r das Auto nicht minder anspruchsvoll ist.

teilweise geht die Stra├čenf├╝hrung ├╝ber solch steile H├╝gel, dass man nicht ├╝ber die Kuppel schauen kann, oder sich im Auto festhalten muss, um nicht nach vorne zu purzeln. Deshalb der Allradwagen.

 

Nach ca. einer halben Stunde ereichen wir einen Checkpoint. Ich vergass. Panamá..

Schilder signalisierten uns, dass wir nun das Gebiet der Kuna verlassen w├╝rden.

Am Stra├čenrand standen, ich nenne sie mal Polizisten, der Kuna. Sie trugen zivile Kleidung und machten einen extrem entspannten Eindruck. Die Fahrzeug die uns entgegekamen, und in das Gebiet der kuna wollten, wurden nur kurz gestoppt. Ein kurzer Blick in das Innere des Fahrzeuges, ein freundlicher Gru├č, und die Reisenden konnten weiterfahren.

Aber wir wollten ja raus aus dem Kuna-Gebiet. Und rein nach Panamá.. Gerade habe ich daran gedacht, da standen wir schon im Stau.

F├╝nf Fahrzeuge vor uns konnte ich eine kleine Gruppe Touristen erkennen. Sie sahen wie Amerikaner aus.

Das gesamte Fahrzeug wurde entladen. Das gesamte Gep├Ąck durchsucht. Jetzt von panamaischen Milit├Ąr. Na klar. Ich hatte es schon verdr├Ąngt. Also war Geduld angesagt. Mal wieder.

Ich vertrat mir die Beine.

 

Dann sind wir schlie├člich an der Reihe. Aber auch diese Grenzbeamten waren recht entspannt. Ich erkl├Ąre den Grund unseres Aufenthaltes. Deswegen die Filmausr├╝stung. Kein Problem. Wir beladen wieder unseren Jeep und weiter geht die Reise.

Wir fahren noch ca eine halbe Stunde auf dieser kleinen Dschungelpiste bis wir die Hauptstra├če erreichen. Die Panamericana.

Auf der geht es dann in Richtung Hauptstadt.

Als wir dies erreichen, lassen wir noch die Familie aus dem Auto, dann bringt uns Nacho┬┤s Cousin, p├╝nktlich auf die Minute, ans Flughafenterminal. Wie schafft das Nacho nur alles.

Wir verabschieden uns. Da sind wir wieder. In der Zivilisation. Am Flughafen Albrook. Den ich ├╝berhaupt nicht mag. Mit Leyri hing ich hier das letzte mal vier Stunden in der Polizeikontrolle fest. Nur weil wir direkt aus Puerto Obaldia kamen, und deswegen potentielle Drogenschmuggler waren. Wir haben damals den flieger verpasst, mit dem wir eigentlich weiterfliegen wollten.

 

ich bin gespannt wie es diesmal l├Ąuft. Erstmal musste ich auf Toilette. Will mich etwas frisch machen. Und siehe da. Am gesamten Flughafen funktioniert kein fliesend Wasser.. Ja klar. Albrook.

Am Schalter sieht dann aber alles besser aus. Tats├Ąchlich besteht unsere Reservierung noch. Wir checken ein, und bekommen die Tickets.

Die Dame m├Âchte schon den n├Ąchsten Gast aufrufen. Ob wir denn nicht bezahlen m├╝ssten? Denn das sei bislang noch nicht geschehen. Wir hatten lediglich reserviert. „Ach so, stimmt ja..!“ bekomme ich als Antwort. Ich Idiot.. Egal. Wir wollen uns ja nichts ergauner. Oder das Nacho nachtr├Ąglich noch irgendwelche Probleme bekommt.

Dann noch durch die Sicherheitsschleuse und ins Warteterminal. Hier ist es so kalt wie in einem K├╝hlschrank. Vor der Klimaanlage gibt es kein Entkommen.

Und nat├╝rlich hat unser Flieger eine Stunde Versp├Ątung. Albrook.

 

Aber dann geht┬┤s los. Wir sitzen in der Propellermaschine und sind auf dem Weg nach Bocas Del Toro.

Ich Flieger starre ich nur aus dem Fenster. Haben wir das tats├Ąchlich alles erlebt..? Sind wir wirklich erst seit knapp zwei Wochen unterwegs..?

Mein Kopf ist voll mit Eindr├╝cken und Emotionen.. Ich kann das alles noch gar nicht glauben was wir da erlebt haben. Kai geht es ├Ąhnlich.

Wir sind traurig die Indianer verlassen zu m├╝ssen. Freuen uns aber auf Bocas. Hier wollen wir nur Urlaub machen. Mein oberstes Ziel ist allerdings zu schreiben. Ich merke, wie es mir unter den N├Ągeln brennt alles runterzuschreiben. Eindr├╝cke zu verarbeiten..

 

Drei Tage sp├Ąter ist es dann soweit. Ich sitze in einer entspannten Bude im Dschungel und fange an zu schreiben.

Mein erster Bericht ist nun ca. sechs Wochen her. Seit ca. vier Wochen sind wir wieder zu Hause.

Bis heute habe ich fast t├Ąglich an meinem Blog gearbeitet. Zum einen um diese wahnsinnigen Eindr├╝cke zu verarbeiten. Zum anderen, um eine Art Tagebuch f├╝r mich zu f├╝hren.

Alle Berichte habe ich mit Fotos unterlegt, um Euch so gut es geht daran teilhaben zu lassen. Ich m├Âchte versuchen Euer Intersse f├╝r die Kultur der Kuna-Indianer zu wecken.

Ich hoffe es ist mir etwas gelungen.

Damals auf der Insel Iguana sprach ich mit Nacho ├╝ber die Idee weitere Menschen f├╝r so eine Tour zu begeistern.

Heute weiss ich, dass das nicht nur einfach so eine Idee war. Ich beabsichtige tats├Ąchlich zu versuchen dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Dieser Blog soll Interssierten als Information dienen.

 

Eine Beschreibung meiner Idee findet ihr unter der Rubrik „Yala-Travel“.

 

Weil das alte Jahr gerade zu Ende geht, und ich gerne jetzt schon mit diesem Blog nach m├Âglichen interessierten Travelern f├╝r unser Projekt suchen m├Âchte, mache ich auch in der Chronologie meines Blogs eine Pause, und stelle alles online.

 

Auch in Bocas Del Toro, oder sp├Ąter wieder in Kolumbien, Villa De Leyva, oder die letzten Tage in Bogot├í geben noch eine Menge Stoff f├╝r weitere Berichte und tolle Bilder her. Das werde ich in K├╝rze auch fortsetzen.

Das, was mich aber auf dieser gesamten Reise am nachhaltigsten beeindruckt hat, habe ich hier runtergeschrieben.

Die F├╝lle und die Dauer der Berichte lassen, glaube ich darauf schlie├čen, wie sehr uns diese Reise zu den Indianer und unser Filmprojekt beeindruckt haben.

 

Ich hoffe, ich konnte Euch ein klein wenig von dieser Begeisterung abgeben, und bei dem ein oder anderen das Interesse f├╝r so eine Tour wecken..!?

Ich will auf jeden Fall schnell wieder hin.. ­čśÇ

 

 

Saludos cordiales

Matzke